Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy im bz-Sommergespräch

Bezirkschef Ernst Nevrivy macht im Gespräch mit bz-Redakteurin Conny Sellner einmal mehr klar, was er über die Stadtstraße denkt.
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DONAUSTADT. Es hat 32 Grad, als wir Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy zum Interview treffen. Trotz Hitze trägt er einen Anzug mit Krawatte. Dementsprechend beginnt das Sommergespräch mit einer Frage, die vermutlich viele Donaustädter interessiert.

Warum tragen Sie auch bei sommerlichen Temperaturen immer einen Anzug?
ERNST NEVRIVY: Als ich vor vier Jahren Bezirksvorsteher wurde, war das eine große Ehre. Dementsprechend möchte ich auch durch mein Auftreten zeigen, dass ich Respekt vor dem Amt und den Bürgern habe. Und auch wenn man es nicht glaubt: Es ist nicht viel heißer als im T-Shirt. So gesehen kennen mich die Bewohner der Donaustadt bei öffentlichen Terminen nur mit Anzug und Krawatte.

Sie wurden nach dem überraschenden Tod von Norbert Scheed Bezirkschef. Ist das Ihr Traumjob?
Absolut! Ich bin mit 17 Jahren zur SPÖ gekommen und hab gemerkt, dass es genau meins ist, direkt für die Bürger der Donaustadt etwas tun zu können. Das kann ich als Bezirksvorsteher natürlich am besten. Deshalb auch meine Sprechstunden und der Live-Talk, wo ich direkt erfahre, wo der Schuh drückt. Außerdem bin ich am Handy so gut wie immer erreichbar. In wichtigen Fällen auch im Urlaub.
Sie nutzen in Ihrem Job oft und gern Social Media. Warum?
Ich mache meine Facebookvideos und Beiträge grundsätzlich selbst. Also, ich hab die Ideen dazu. Gerade das Lobautunnel-Video hat gezeigt, dass man mit Social Media jede Menge Leute erreichen kann. Das macht schon Sinn.

Apropos Lobautunnel: Das Ja zum Projekt freut Sie natürlich. Ist damit auch die Stadtstraße realistischer geworden?
Die Stadtstraße war immer realistisch. Einfach, weil es die beste Möglichkeit ist, um den Verkehr aus der Donaustadt herauszubringen. So gesehen ist es keine Frage, ob die Stadtstraße kommt, sondern lediglich, wann es so weit ist. Auch wenn das die Kritiker nicht gern hören.

Ein anderes großes Thema im Bezirk sind die Abrisshäuser. Inwiefern kann der Bezirk beim Abbruch historischer Gebäude mitreden?

Ich war vergangene Woche bei einer Verhandlung rund um das Gründerzeithaus in der Donaufelder Straße und kann nur eines sagen: Jeder Eigentümer, der ein altes Gebäude ohne Genehmigung abreißen lässt, bekommt seitens des Bezirks die größtmöglichen Hürden in den Weg gelegt, wenn es um Baugenehmigungen oder ähnliches geht.

Andererseits entstehen hier neue Wohnungen, die dringend gebraucht werden.
Ja, das ist wohl das größte Problem, das die Donaustadt hat: Wir wachsen schneller als jeder andere Bezirk, weil es bei uns so schön ist, und brauchen dementsprechend Wohnraum. Die Seestadt ist hierfür das beste Beispiel. Aber mit Wohnungen ist es ja nicht getan. Infrastruktur, Schulen und Kindergärten müssen ebenfalls geschaffen werden, Das ist eine große Herausforderung.

Das betrifft auch die Supermärkte, die abwandern, oder?

Die Schwierigkeit bei den Nahversorgern ist die, dass wir als Bezirk weder Rewe noch Spar zwingen können, in Erdgeschoßzonen oder leerstehenden Filialen einen Supermarkt zu eröffnen. Die schauen nur drauf, ob es sich kundenmäßig auszahlt, und wenn nicht, mieten sie sich nicht ein.

Zuletzt noch eine persönliche Frage: Was war der Lieblingsplatz in Ihrer Kindheit in der Donaustadt?
Ganz klar der Fußballplatz in Stadlau. Da hab ich zusammen mit meinen Freunden jede freie Minute verbracht.

Interview: Conny Sellner

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