Favoritner Original Baron Karl
Putzaktion für ein Ehrengrab

Eine Original-Aufnahme vom Favoritner Original Karl Baron. | Foto: Peter Steinbach
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Seit zwei Jahren verfällt das Ehrengrab des Favoritner Originals Baron Karl am Matzleinsdorfer Friedhof. Durch einen Hilfeschrei eines bz-Lesers startete eine Putzaktion.

FAVORITEN. Der Baron Karl ist immer noch eine Legende in Favoriten. Der "Sandler" war zu seiner Zeit (1882 bis 1948) bekannt und beliebt. Nicht zuletzt wegen seiner Großzügigkeit, obwohl er selbst nichts hatte.

Seine letzte Ruhestätte ist am Matzleinsdorfer Friedhof. "Mich erreichte kürzlich ein Hilfeschrei, dass das Grab verfällt", so der Vorsitzende der Kulturkommission Kurt Stastka. Er forschte nach und es stellte sich heraus, dass in den vergangenen zwei Jahren der Zahlschein für die Grabpflege verloren gegangen ist.

Eine Operette für den "Sandler"

Das Problem wurde bereits gelöst und im nächsten Jahr bekommt die Gedenkstätte eine Generalüberholung. Dann wird man auch die Inschrift wieder lesen können: "Er liebte die Menschen und seine Freiheit".

Als erste kleine Maßnahme bekam die Grabstätte einen Blumenschmuck. Dabei ließen es sich auch Mitarbeiter des Bezirksmuseums nicht nehmen, dabei zu sein. Auch die Favoritner Band "Wiener Blues" kam vorbei, um den "Baron Karl" zu ehren: Peter Steinbach mit seinen Musikerkollegen Erwin Leder und Nino Holm schenkte bei der Gelegenheit dem Bezirksmuseum auch ein bislang unbekanntes Foto vom Favoritner Original.

Gleichzeitig kündigte er an, dass seine "Sandler-Operette" über den Baron Karl bereits fertig ist. Auch Termine sind für nächstes Jahr bereits fixiert. Die bz wird darüber rechtzeitig berichten.

Favoritner Original

Karl Baron gilt als das Favoritner Bezirksoriginal schlechthin. Allerdings nannten ihn alle nur "Baron Karl". Er war ein Lebenskünstler, der das Herz wahrlich am rechten Fleck hatte: In Böhmen geboren übersiedelte er mit seiner Familie in den 1890er Jahren nach Favoriten. Er erlernte das Tischlerhandwerk und fand Arbeit im Arsenal.

1905 wurde er Opfer eines Arbeitsunfalls: Ein Hammerschlag traf ihn auf dem Kopf. Seit diesem Vorfall begann er seine Lebensweise zu verändern: Die Pflege seiner musischen Begabung, vor allem die Liebe zum Musizieren, rückte in den Mittelpunkt. In der Folge befreite er sich auch von allen äußeren Zwängen.

Fassldippler und Tschickarretierer

In der Zwischenkriegszeit lebte Baron Karl von Gelegenheitsarbeiten und war vorwiegend unterstandslos. Er schlief auch auf Wiesen, Parkbänken oder in Streusandkisten. In der Sommerzeit bewohnte er unter anderem eine Erdhöhle an der Laaer-Berg-Straße. 

Er gehörte der Gilde der "Fassldippler" und "Tschickarretierer" an, wie damals die Restverwerter von Bier und Zigaretten bezeichnet wurden. Dabei bettelte der "Baron" nie. Auch soll er niemals betrunken angetroffen worden sein. 

In den Parks erzählte er den Kindern Geschichten oder spielte vor ihnen mit seiner Geige auf. Karl verkaufte Glücksnummern für Lotterie-Spieler, half in Wirtshausküchen und bei Marktstandlern aus. 

Zwei Begräbnisse

Als Baron Karl 66-jährig im Oktober 1948 auf der Favoritenstraße bei einem Autounfall ums Leben kam, gaben über 10.000 Menschen ihrem "Bezirkspatron" am Zentralfriedhof die letzte Ehre. 1995 konnte für den noch immer berühmten Baron Karl eine würdige Grabstätte am Evangelischen Friedhof Matzleinsdorf geschaffen werden. 

Der Favoritner Autor Peter Hensich hat ein Buch über den Baron Karl geschrieben: Der Baron Karl – Geschichten von der Peripherie (Weitra 1992).

Zur Sache

Die Geschichte vom Baron Karl stammt auszugsweise aus dem Buch "Favoriten und der Böhmische Prater" von Peter Steinbach und Erich Kaessmayer (Verlag Fun Toy). Die Musik vom Video stammt von der Sandler-Operette von "Wiener Blues".

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