Baugruppe "Bikes und Rails"
Wohnbau ohne Spekulation

"Wir bauen ein Haus": die Baugruppe "Bikes & Rails" beim Spatenstich im Sonnwendviertel.
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  • "Wir bauen ein Haus": die Baugruppe "Bikes & Rails" beim Spatenstich im Sonnwendviertel.
  • Foto: Bikes and Rails
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Die Baugruppe "Bikes und Rails" errichtet ihr eigenes Haus. Das Besondere daran: Die Wohnungen können nicht als Spekulations-Objekt missbraucht werden und Außenstehende können bei der Finanzierung mithelfen.

FAVORITEN. "Wir haben unterschiedliche Lebensentwürfe, wollen aber solidarisch wohnen", erklärt Elke Rauth das Konzept ihrer Baugruppe. Der Rohbau des fünfstöckigen Hauses gleich beim Hauptbahnhof soll im März fertig werden – und im Frühjahr 2020 bereits bezogen werden.

Das Besondere an dem Projekt: Alle Mitglieder der Baugruppe arbeiten mit an der Planung und Entstehung des Baus. Bis zu 20 Wochenstunden Arbeit leistet jeder der 27 Erwachsenen bis zum Bezug. Die Entscheidungen werden auch gemeinsam gefällt. "Es gibt keinen Chef", bringt es Rauth auf den Punkt. "Und damit hatten wir bislang auch keinerlei Probleme."

Ein weiteres Novum für Wien: "Die Mieten werden nicht höher und die Wohnungen werden nicht als Ware behandelt, dürfen also nicht verkauft werden." Darüber wacht das "Habitat", ein Verein, der 49 Prozent Anteil des Hauses hält und Spekulationen verhindert. "Mehr Rechte hat das Habitat am Haus nicht", so Rauth.

Café und Wildbienen

Die Finanzierung läuft über Eigenmittel, die zu einem Drittel von der Baugruppe eingelegt werden. Der Rest wird von Bekannten und Unterstützern finanziert, je nach Einlagedauer bis zu zwei Prozent verzinst, so die Sprecher der Baugruppe "Bikes and Rails".

Neben 18 Wohnungen, die von den Miteigentümern bezogen werden, wird auch eine für Geflüchtete bzw. Studenten zur Verfügung stehen. Weiters wird ein Bereich für Besucher, etwa die Oma, freigehalten.

Weiters geplant: ein Beisl-&-Bike-Café, ein Fahrradkeller, eine Werkstatt für Bikes, ein Musikraum sowie ein gemeinsamer Dachgarten mit Wildbienen-Stöcken und Hochbeeten.

Zur Sache

Wie die Finanzierung laut den Bauträgern genau läuft:

"Die Finanzierung des Hauses erfolgt nach dem Habitat-Modell: Das bedeutet, das Haus wird von einer Haus GmbH gekauft. Anteilseigner der Haus GmbH sind der Hausverein (51 Prozent) und das "habitat" (49 Prozent). Der Kauf des Hauses wird durch einen Bankkredit möglich. Um diesen zu erhalten verlangt die Bank Eigenmittel. Diese Eigenmittel bringen wir durch die Direktkredite unser Unterstützer auf. Zusätzlich gewährt uns die Stadt Wien ein Förderdarlehen für sozialen Wohnbau. Die Kredite werden über die Mieten der zukünftigen Bewohner abbezahlt, bis das Haus schließlich in den Besitz der Haus GmbH übergeht. Die Mieten dienen dann dem Erhalt des Hauses und der Unterstützung anderer "habitat"-Projekte durch einen Solidarbeitrag. Das Ziel des Modells ist, dass das Haus erstens nicht mehr verkauft werden kann und für immer als selbstverwalteter und bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht. Zweitens dass es für alle Bewohner keine finanzielle Mindesteinlage gibt und diese Wohnform allen Menschen offen steht, unabhängig von ihrem Vermögen. Die Bewohner können sich wie alle anderen auch an der solidarischen Finanzierung beteiligen und einen Direktkredit aufnehmen, das ist aber keine Aufnahmebedingung. Direktkredite sind zwischen 500 Euro und 50.000 Euro möglich, haben eine dreimonatige Kündigungsfrist und die Zinsen sind zwischen 0 Prozent und 2 Prozent frei wählbar. Wir benötigen Direktkredite in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Wir haben in weniger als einem Jahr 1.100.000 Euro an Direktkrediten erhalten und suchen nach weiteren Unterstützern."

Mehr über das Projekt gibt’s unter www.bikesandrails.org

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