Wofür das Blau in Blau AG sicher NICHT steht
„Schädlweh“ -Album-Release
- Foto: Christian Dusek
- hochgeladen von Andreas Steurer
Die BLAU AG - Eine Institution der Wiener Bluesszene
Die Favoritner Band Blau AG präsentiert nach dem Cover-Album 'Koide Pizza, Warms Bier' das neue Album 'Schädlweh'. Zwischen dem Leben an der Donau und dem Leben am Mississippi gibt es offensichtlich Parallelen, die sich aus der Fülle verschiedener Einflüsse aus Blues mit Rock, Reggae und Jazz final mit dem Wienerlied verbinden.
Ich bin nun im Gespräch mit Tommy Tatzber, dem Gitarristen und Sänger der Blau AG, herzlich willkommen, Tommy.
Tommy Tatzber: Hallo, danke für die Einladung zum Gespräch.
Blues….das ist doch jammern, wenn auch auf hohem Niveau. Was ist charakteristisch und was unterhaltsam am Wiener Blues?
Tommy Tatzber:
Blues ist vor allem ein Gefühl und dieses ist nicht an eine bestimmte Region gebunden. Menschen beklagen sich weltweit über die ‚Umständ‘ und die ‚Zuaständ‘. In Wien verbindet sich das ‚Sudern‘ zusätzlich mit Melancholie, schwarzem Humor und Wortwitz. Dafür ist das Wienerlied berühmt. Aber durch Künstler wie Gerhard Bronner, die Worried Men Skiffle Group, aber auch der frühe Wolfgang Ambros und später vor allem Heli Deinboek wurden amerikanische Musikstile, allen voran der Blues zu einem wichtigen Einfluss. Das war der Nährboden für meinen ‚Wiener Blues‘.
Ihr seid 7 Leute. Wer bringt was ein bzw. was ist ‚das Besondere‘ an eurer Band bzw. eurer Musik?
Für die Texte bin ich allein verantwortlich. Sie sollen in erster Linie Spaß machen, ohne oberflächlich zu sein und müssen in erster Linie mich unterhalten. Dabei werden Klischees, wie sie im Blues vorkommen, gern persifliert, aber auch die Vielschichtig- und Doppeldeutigkeit des Wienerischen ausgelotet. Auch die musikalische Grundidee stammt in den meisten Fällen von mir. Daraus entwickeln wir dann bei Proben und Konzerten unsern eigenen Sound, wo jeder seine Einflüsse einbringt. Von Reggae und Jazz, über traditionellem Blues und Bluesrock, bis zu Country und Wienerlied. Diese Melange macht die Einzigartigkeit des Blau AG Repertoires aus.
Bleiben wir bei den Texten. Hier gibt es ja auch gemeinsame Themen im Blues und im Wienerlied, wie Alkohol, Tod und die Liebe. Was inspiriert dich, einen Text zu schreiben?
Für mich war und ist immer wichtig, dass die Leute verstehen was ich singe und sich vielleicht in den Texten auch selbst erkennen. Dabei ist meine Stärke sicher der Humor und weniger die Poesie. Der Blues erzählt Geschichten, die das Leben schreibt und unsere Geschichte erzählen vom Leben an der Donau. Oft entstehen meine Texte auch aus Spaß am Wienerischen, Redewendungen wie ‚Na no na ned‘ oder ‚Red mas in a Sackl‘ und Seltsamkeiten wie ‚Dann hol di i e a o‘. So was inspiriert mich.
Du bist, wie auch einige andere Blau AG-ler, aus Favoriten, ein Bezirk, der nicht gerade positiv dargestellt wird. Was liebst du an Favoriten?
Ich bin am Laaerberg aufgewachsen, ich wohne hier und ich arbeite auch hier und würde nicht woanders hinziehen wollen. Zwischen Kurpark und Wasserturm, Liesingbach und Amalienbad hat man viel Natur und ist trotzdem in wenigen Minuten im Zentrum. Die Menschen, mit denen ich hier zu tun habe, und ich hab als Lehrer schon sehr viele kennen gelernt, sind zum Großteil freundlich und bodenständig. All das macht diesen Teil von Wien aus.
Ist Wiener Blues nur was für Alte oder Junge bzw. wie divers ist euer Publikum? Anders gefragt: wen wollt ihr ansprechen mit eurer Musik bzw. euren Texten?
Im Moment ist unser Publikum von 35 aufwärts. Ich hab aber das Gefühl, dass Musik und Texte mit Lokalkolorit in letzter Zeit auch wieder mehr jüngeres Publikum anspricht. Das Problem ist dieses Publikum auch zu erreichen. Hier hoffe ich doch sehr auf die Unterstützung der breitenwirksamen Medien, denn bei unseren Konzerten bekommen wir immer wieder das Feedback, dass sich die Musik der Blau AG auf jeden Fall ein größeres Publikum verdient.
Wieso Blau AG, wo ihr doch nach Chicago geht, wenn der Volkskanzler käme?
Entstanden ist der Bandname zu einer Zeit als es noch die Brau AG gab. Als ich nach einem Bandnamen für mein Wiener Blues Projekt suchte, kam mir diese Idee, Blues…blau….Blau AG. Im Laufe der Zeit hat uns das schon einige Probleme gebracht, wie eine Ausladung von einem Studentenfest vor den Hochschülerschaftswahlen. Doch auch Sturheit ist eine Favoritner Eigenschaft und so haben wir beschlossen, uns nicht von einer unmöglichen Partei unser ‚Blau‘ schlecht machen zu lassen. Am Album ‚Am Sand‘ (2017) rechneten wir bereits im Lied ‚Du bist a ned alaa‘ mit rechtem Gedankengut, grad mit besonderem Bezug zu Favoriten, ab. Auf unserm neuen Tonträger ‚Schädelweh‘ machen wir im bereits erwähnten Lied ‚Chicago‘ und im Text zu ‚Ned ollas, was blau is, is braun‘ klar wofür das Blau in unserm Bandnamen sicher NICHT steht.
Das ist ja dann mal eine klare Aussage. Danke für das Gespräch - und ich freue mich auf das Konzert im Reigen.
19.10.2024: 20:30 Uhr - Reigen Wien „Schädlweh“
Das Album-Release Konzert der Blau AG - mit Special Guest Hubert Dorigatti & Bayou Side
Hier könnt ihr gleich Tickets reservieren!
oder auf
ÖTicket kaufen!
Schon einmal zum Reinhören und Reinschauen:
Chicago - auf Youtube
I denk an di - auf Youtube
Link einfügen
Video einbetten
Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.
Karte einbetten
Social-Media Link einfügen
Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.
Code einbetten
Beitrag oder Bildergalerie einbetten
Foto des Tages einbetten
Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten
Du möchtest selbst beitragen?
Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.
Hier gehts zu den aktuellen
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.