SPÖ Floridsdorf
Georg Papai will Wohnraum schaffen, wo es Infrastruktur gibt

Georg Papai (SPÖ) ist Bezirksvorsteher von Floridsdorf – und will das auch bleiben. | Foto: Luise Schmid/MeinBezirk
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Georg Papai ist seit 2014 Bezirksvorsteher von Floridsdorf. Das will er auch weiterhin bleiben, deshalb ist er bei der Bezirksvertretungswahl am 27. April Spitzenkandidat der SPÖ.

WIEN/FLORIDSDORF. Georg Papai ist bei der Bezirksvertretungswahl in Floridsdorf der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten. Im Interview spricht er über Bebauung im Bezirk, hochflurige Bims und den Franz-Jonas-Platz.

Was sind Ihre größten Anliegen im Bezirk?
GEORG PAPAI:
Wenn man an die nächste Periode denkt, dann ist natürlich eines der ganz großen Projekte der Umbau des Franz-Jonas-Platzes. Der Platz ist eindeutig in die Jahre gekommen. So einen frequentierten großen Platz würde man heute so nicht mehr errichten. Ich gehe da wirklich von einem großen Umbau aus, ein Investitionsvolumen von über 10 Millionen Euro. Und mir ist wichtig, dass wir das nicht nur im stillen Kämmerlein ein paar engagierten Planerinnen und Planern überlassen. Deswegen gibt es jetzt auch gerade einen Bürgerbeteiligungsprozess. Natürlich wird es auch darum gehen, die Schulinfrastruktur für alle gut zu erhalten. Die Chancengleichheit ist gerade in einem Bezirk, wo auch viele Menschen wohnen, die nicht das dicke Geldbörsel haben, ein wichtiger Parameter. Dann wird weiteres Engagement und Anstrengung für den Schlingermarkt ein wichtiger Punkt sein. Da ist schon viel gelungen. Aber wir haben auch noch viel vor. Es wird natürlich nötig sein, auch immer weiter den öffentlichen Verkehr auszubauen. Wir bekommen im Herbst mit der Linie 27 eine neue Straßenbahnlinie, die eine gute Intervallverdichtung für die Donaufelder Straße und für die Achse Prager Straße bis nach Strebersdorf bedeuten wird. Das ist gut, aber damit kann es nicht zu Ende sein.

In Floridsdorf fahren einige hochflorige Straßenbahnen. Wird sich da etwas ändern?
Das ändert sich natürlich jedes Jahr. Eine Straßenbahn hat rund 35 Jahre betriebswirtschaftliche Umlaufzeit, um sich wirtschaftlich zu rechnen. Die Wiener Linien haben neue Flexi-Straßenbahnen bestellt und mit jeder neuen Flexi-Straßenbahn, die in den Fuhrpark aufgenommen wird, besteht die Möglichkeit, auch eine alte Straßenbahn auszumustern.

100 neue Bänke

Was sind denn die Erfolge der letzten Legislaturperiode?
Also eines der ganz großen Dinge sind zum Beispiel die „21 Projekte“. Das macht die Umsetzungskraft der Bezirkspolitik für eine breite Masse von Floridsdorferinnen und Floridsdorfern sichtbar. Außerdem gibt es auch die Möglichkeit, uns immer Wünsche für das nächste Jahr mitzugeben. Eines der erfolgreichsten Projekte sind jährlich 50 neue Bänke für Floridsdorf. Wir haben für heuer 160 Vorschläge von Floridsdorferinnen und Floridsdorfern, wo sie sich eine neue Bank zum Verweilen, zum Ausruhen, zum Niedersetzen wünschen. Heuer machen wir statt 50, 100 neue Bänke. Weil es da wirklich einen so großen Bedarf gibt.

Jährlich stellt Papai neue Bänke auf – damit man nicht am Campingsessel sitzen muss. | Foto: BV21
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Was hätte man in den letzten Jahren besser machen können?
Wenn ich an unsere Gesundheitsversorgung denke, dann bekomme ich von vielen Floridsdorferinnen und Floridsdorfern rückgemeldet, dass die Wartezeit bei Ärzten oder in gewissen Gebieten zu lange ist. Da hätte ich manchmal als Bezirk gerne mehr Mitspracherecht. Denn da bin ich in Wahrheit nur der oberste Sprecher des Bezirks. Es braucht auch mehr Kassenstellen. Und was sich auch aus meiner Sicht verschlechtert hat, ist die Zusammenarbeit der Fraktionen.

Mehr Grün für den Franz-Jonas-Platz

Vor Kurzem hat der Franz-Jonas-Platz ein Alkoholverbot bekommen.
Genau! Ich glaube, das war jetzt schon ein Meilenstein. Ich fordere es ja schon seit Langem. Wir haben seit 2019 einen aufrechten Bezirkspartei-Beschluss. Aber die Stadt hat immer gesagt, das braucht mehrere Parameter und es braucht vor allem auch einen Bericht der Polizei, der diese Maßnahme legitimiert. Das ist jetzt im Jänner erfolgt und deswegen freue ich mich, dass es seit 7. Februar das Alkoholverbot gibt. Nichtsdestotrotz braucht es natürlich weiterhin Sozialarbeit, die auch der Bezirk weiter mitfinanziert. Also, das Help-U-Team ist weiter im Einsatz.

Die Anwohnenden wünschen sich mehr Grün für den Franz-Jonas-Platz. | Foto: Wolfgang Unger
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Zur geplanten Umgestaltung. Gibt es schon Ideen?
Mehr Grün ist ein Wunsch, der sich oft widerspiegelt. Also es wird jetzt kein Park werden, sondern es muss schon natürlich auch der Situation entsprechen, dass es ein Umsteigeknotenpunkt ist. Barrierefreiheit wird auch ein Thema sein.

Wie vereinbart man den Erhalt von Grünraum mit der Schaffung von Wohnraum?
Jede Woche kommen junge Familien zu mir, die sagen: „Helfen Sie mir, wir brauchen eine leistbare Wohnung, weil ein Baby ist unterwegs, wir brauchen ein Zimmer mehr oder unser Mädel oder unser Bursch ist 20 und sucht eine eigene Wohnung.“ Da besteht durchaus Bedarf. Mir ist auch bewusst, dass die Menschen, die wohnungsversorgt sind, gerne hätten, dass nichts mehr gebaut wird, außer sie brauchen gerade selbst fürs Enkerl eine Wohnung. Also da merke ich schon eine gewisse Entsolidarisierung, so muss ich es fast schon nennen. Ich glaube, dass bei vielen Wohnprojekten, die in den letzten Jahren entstanden sind, sehr umsichtig mit dem Grünraum umgegangen wurde. Ich bin prinzipiell auch ein großer Freund davon, dort Wohnraum zu errichten, wo es schon eine halbwegs gute Infrastruktur gibt. Am Donaufeld haben wir wahrscheinlich die bestversorgten Radieschen der Welt gehabt. Dann stellt sich halt die Frage, lässt man das alles den Radieschen und baut dann irgendwo im Speckgürtel oder am Stadtrand Wohnungen, wo es wenig Infrastruktur gibt, oder schaffe ich dort, wo eigentlich relativ viel Infrastruktur vorhanden ist, Wohnraum. Deswegen glaube ich, dass die Entscheidung, im Donaufeld zum Beispiel Wohnraum zu errichten, eine richtige ist.

Es gibt immer wieder das Argument, dass man eher auf den versiegelten Flächen bauen sollte, auf Parkplätzen oder auf einstöckigen Supermärkte.
Es ist ja nicht immer nur eine Frage von entweder oder. Um den Mietpreis in dem Segment zu halten, wie er jetzt ist, braucht es in der Stadt 5.000 bis 6.000 geförderte Wohnungen pro Jahr neu. Das wird man nicht mit Dachgeschossausbauten schaffen und wahrscheinlich auch nicht mit dem Bau auf Parkplätzen. Solange ich Bezirksvorsteher bin, wird es sicher keine Standalone-Widmung mehr geben für ein Einkaufszentrum allein. Also das kann ich versprechen, das sind Konzepte aus den 80er-Jahren. Aber ich habe mich zum Beispiel mit der Firma Hofer getroffen und die haben gar kein Interesse daran. Andere, wie die Firma Spar, dann wieder schon. Das ist natürlich auch nichts, was der Bezirk oder die Stadt erzwingen kann. Da braucht es auch immer einen Unternehmer oder einen Eigentümer, der mitmacht.

Gastronomie hat Luft nach oben

Gibt es etwas Neues zum Gloria Theater?
Also wirklich etwas Neues gibt es nicht. Ich kann nur nochmals wiederholen, es gibt sowohl vom Bezirk als auch von der Stadt das klare Bekenntnis, dass es mit dem Gloria Theater weitergehen soll. Von Bezirk und Stadt gibt es eine Förderung. Aber das Konkursverfahren für die Gloria Theater GmbH ist noch nicht abgeschlossen. Das heißt, die Räumlichkeiten stehen noch nicht zur Verfügung. Und daher gibt es da auch noch keine Entscheidung oder noch keinen Zeitplan.

Das Gloria Theater steht noch immer leer. | Foto: Luise Schmid/MeinBezirk
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Was fehlt Floridsdorf?
Was ich immer wieder rückgemeldet bekomme, ist, dass viele Floridsdorferinnen und Floridsdorfer den Wunsch haben, dass es gastronomisch mehr gibt. Angebote zum Weggehen. Das ist etwas, wo der Bezirk nur Rahmenbedingungen schaffen kann. Das war ja mit ein Grund, warum zum Beispiel der breite Gehsteig in der Pragerstraße entstanden ist, damit die Gastronomen einen Schanigarten machen können. Aber ich kann mich nicht selbst hinter den Herd stellen und ein Lokal aufmachen. Und andererseits muss ich leider sagen, dass mir Gastronomen erzählen, es geht sich gerade um so viel aus. Und dann ist halt oft wahrscheinlich, wenn eine junge Frau oder ein junger Mann überlegt, einen Gastronomiebetrieb aufzumachen, dann die Entscheidung vielleicht nicht für unseren Bezirk fällt.

Was macht das Bezirksvorsteher-Sein aus oder was braucht es dafür?
Also ich glaube, was das Bezirksvorsteher-Sein ausmacht, ist, dass man erstens einmal ganz nah bei den Floridsdorferinnen und Floridsdorfern ist. Ich bin bekannt für meine unzähligen Sprechstunden im Gemeindebau, beim Würstelstand, im Wirtshaus, in Parkanlagen, in Bädern. Was aus meiner Sicht so unheimlich spannend ist, ist, dass das Aufgabenfeld vom bekannten typischen wackelnden Kanaldeckel bis zur Zukunftsvision, wo sich der Bezirk in den nächsten 20 Jahren hinentwickeln soll, reicht. Ganz nach dem Motto, keine Aufgabe zu klein, aber auch kein Problem zu groß.

Knappes Rennen

Was wäre denn die erste neue Amtshandlung als wiedergewählter Bezirksvorsteher?
Rein technisch gesehen ist natürlich das allererste Handeln die Konstituierung des Bezirksparlaments. Ich arbeite seit elf Jahren wirklich immer mit vollem Einsatz für die Floridsdorferinnen und Floridsdorfer und ich würde eher sagen, ich werde stabil und kontinuierlich weiterarbeiten. Aber es ist jetzt nicht so, als würde am Tag nach der Wahl sagen, so, jetzt habe ich irgendein Projekt, auf das habe ich vergessen, das muss ich jetzt noch schnell einhängen.

Ist die Angst groß, dass die SPÖ nicht auf der Eins landet?
Es gibt eindeutig, wie man am Nationalratswahlergebnis gesehen hat, Chancen, dass es eine knappe Runde wird. Ich denke zwar prinzipiell, dass es sich ausgehen wird, weil die Floridsdorferinnen und Floridsdorfer schon zwischen den Wahlen für den Bund und den Bezirk unterscheiden und meinen Einsatz sehr wertschätzen. Ich habe da wirklich oft Rückmeldungen bekommen: "Wir wollen aber keinen blauen Bezirksvorsteher." - Ja, wenn man keinen blauen Bezirksvorsteher will, muss man diesmal Georg Papai wählen.

Was passiert, wenn ihr in der Opposition landet?
Dann sind wir in der Opposition, so ist Demokratie. Was sich personell ändern würde, würden wir dann in unserer Bewegung besprechen.

Warum sollte man Sie wählen?
Weil ich, wie in den letzten Jahren, einen Masterplan verfolge, dass Floridsdorf eine hohe Lebensqualität für alle Menschen in unserem Bezirk anbietet – mit sozialem Zusammenhalt, Sicherheit und einer guten Grünraumversorgung.

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