Ab 1. März wird aufgepickt
Parkpickerl sorgt weiter für Aufregung in Floridsdorf

Das Parkpickerl sorgt nach wie vor für Diskussionen. | Foto: Stadt Wien
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  • Das Parkpickerl sorgt nach wie vor für Diskussionen.
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Ab 1. März gilt das flächendeckende Parkpickerl für Wien. Je näher der Termin rückt, umso größer werden die Sorgen - auch in Floridsdorf. Die ÖVP fordert eine Alternative, die Bezirksvorstehung versucht zu beruhigen.

WIEN/FLORIDSDORF. Die Verunsicherung in der Parkpickerl-Thematik ist nach wie vor groß. Das ist derzeit auch in Floridsdorf zu spüren, wo sich einige besorgte Bürgerinnen und Bürger an die BezirksZeitung gewandt haben. Der einheitliche Kanon: Kommt das Parkpickerl in der jetzt geplanten Version, droht ein Chaos.

Auch der Bezirksvorstehung ist die Thematik bekannt, es gebe immer wieder Bürgerinnen und Bürger, die sich diesbezüglich melden würden. Darunter sei Bandbreite aus Leuten, die sich grundsätzlich gegen das Parkpickerls aussprechen, jene, bei denen Unsicherheit oder Sorgen vorherrschen, aber auch Menschen, die sich über die Einführung des Parkpickerls freuen.

"Parkpickerl alternativlos"

„Die aktuellen Rahmenbedingungen haben für Floridsdorf keine Alternative zur Einführung eines Parkpickerls zugelassen, schließlich soll ja Floridsdorf nicht der Parkplatz von Wien werden", sagt Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ). Aktuelle Gutachten würden bestätigen, dass durch die Einführung der Parkraumbewirtschaftung im Westen Wiens täglich bis zu 15.000 Autos in Floridsdorf und in Donaustadt Parkplatz suchen würden.

Floridsdorfs Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ). | Foto: BV 21
  • Floridsdorfs Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ).
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Zu jenen, die die Auswirkungen des Parkpickerl stark zu spüren bekommt, gehört auch Allgemeinmedizinerin Naghme Kamaleyan-Schmied. Sie unterhält eine Praxis in Floridsdorf. Die Einführung des flächendeckenden Parkpickerls ab März stellt auch sie vor neue Herausforderungen. Doktor Kamaleyan-Schmied sieht in der aktuellen Regelung das Gesundheitswesen benachteiligt. "Für Gewerbebetriebe gibt es die Möglichkeit ein Parkpickerl zu kaufen, für mich, die eine Ordination führt, geht das aber nicht, betont sie.

Allgemeinärztin Kamaleyan-Schmied sieht in der aktuellen Regelung das Gesundheitswesen benachteiligt. | Foto: Privat
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Insofern ist die Medizinerin in ihrem beruflichen Alltag stark von der neuen Regelung beeinflusst. "Ich habe keine Möglichkeit für den Bezirk, in dem sich meine Ordination befindet, ein Parkpickerl zu kaufen", beklagt Kamaleyan-Schmied. Sie wolle auch nichts geschenkt bekommen, pocht aber darauf, dass gleiche Recht, wie andere Betriebe zu erhalten. 

"Hausbesuchstätigkeit wird so fast umgebracht"

Es sei etwas absurd, in diesen Zeiten, in denen die Bedeutung der Gesundheit so betont werde, genau auf die Gesundheitsbetriebe vergessen werde, so die Medizinerin. Schließlich würde darunter ihre Hausbesuchstätigkeit leiden. Um Patienten zu Hause besuchen zu können, müsse sie deshalb zuerst von der Ordination mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren. Von dort aber dann wiederum mit ihrem Auto in die Ordination, um ihre Ausrüstung oder Impfungen abzuholen. Es würde wichtige Zeit verloren gehen und eine absurde Situation entstehen, betont die Allgemeinärztin und fährt fort: "Die Hausbesuchtätigkeit wird auf diese Weise fast umgebracht."

Auch aus der Perspektive der Patienten sei diese schlichtweg unannehmbar. Schließlich könne man im Ernstfall nicht einfach mehr Wartezeit für eine Behandlung in Kauf nehmen. "Die Gesundheit des Menschen ist ein sehr wichtiges Gut, aber solche Signale sagen einfach das Gegenteil aus", resümiert Kamaleyan-Schmied.

Regine Mang sieht das Parkpickerl kritisch. | Foto: Privat
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"Parkpickerl ist Privileg der Reichen"

Regine Mang wohnt in der Donaustadt, hat aber auch viele Freunde und Bekannte im 21. Bezirk. Wenn sie diese nun besuchen möchte, ergeben sich viele Probleme. So wie ihr, würde es mehreren Betroffenen in beiden Bezirken gehen. Die Verkehrsanbindung sei für die beiden großflächigen Bezirke nicht ausreichend ausgebaut, sodass durch das Parkpickerl nun zusätzliche Probleme entstehen würden. Sie sieht dahinter ein grundsätzliches gesellschaftliches Problem: "Autofahren war einst ein Privileg der Reichen. Das hat sich im Laufe der Zeit geändert. Doch nun speziell mit dem Parkpickerl wird es wieder ein Privileg für die Reichen."

Thomas Huger (ÖVP) befürchtet, dass durch das Parkpickerl nur finanzielle Zusatzbelastungen entstehen. | Foto: Thomas Huger
  • Thomas Huger (ÖVP) befürchtet, dass durch das Parkpickerl nur finanzielle Zusatzbelastungen entstehen.
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In die selbe Kerbe hat auch Thomas Huger, ein ÖVP-Bezirksrat, der in der Donaustadt wohnt und in Floridsdorf arbeitet. Mit den Öffis zu pendeln sei hier oftmals mit erheblichen zeitlichen Aufwänden verbunden, sagt er. So sorgt das Parkpickerl auch für ihn für einiges Kopfzerbrechen. Für das Parkpickerl in der aktuell geplanten Version zeigt er deshalb wenig Verständnis: "Für viele Menschen gibt es nur eine finanzielle Zusatzbelastung, für das Klima beispielsweise ergibt sich aber kein positiver Effekt." Viele Betroffene müssten so nämlich auf Parkhäuser ausweichen, eine teure Alternative, aber alle zwei Stunden das Auto umstellen, das sei einfach nicht möglich. 

Auch seine Parteikollegin und Nationalratsabgeordnete Gurdrun Kugler (ÖVP) sieht das Thema kritisch: "Weniger Autos, mehr öffentlicher Verkehr – das sind wünschenswerte Ziele. Aber die Stadt hat sich ohne Bürgerbeteiligung für ein Parkpickerl entschieden, das viele Probleme mit sich bringt und nach Abzocke riecht."

Gudrun Kugler (ÖVP) wittert beim Thema Parkpickerl eine Abzocke. | Foto: Neue Volkspartei Wien
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So würden viele Menschen nun vor großen Herausforderungen stehen. Dünn besiedelte Einfamilienhaus-Gebiete am Stadtrand sollten wie die Donauinsel ausgenommen werden, mit einer Kurzparkzone am Vormittag um Dauerparker zu verhindern, fordert Kugler.

Flächendeckendes Parkpickerl: Eine gute Idee?

Unbedingt nötig seien außerdem Begleitmaßnahmen wie der Ausbau der Park&Ride-Anlagen an der Bezirksgrenze für Pendler, eine deutliche Intervallerhöhung des öffentlichen Verkehrs sowie mehr Querverbindungen zwischen Floridsdorf und der Donaustadt.

"Umgewöhnung braucht Zeit"

Bezirksvorsteher Papai entgegnet: "Natürlich gibt es auch negatives Feedback und wir Menschen neigen dazu, jeder Veränderung mit anfänglicher Skepsis zu begegnen, aber gerade im vergangenen Jahr haben sich die Beschwerden gehäuft, dass in vielen Gebieten im Bezirk jedes zweite Auto kein Wiener Kennzeichen mehr hat. Das wird sich mit der Einführung des Parkpickerls definitiv ändern, und viele Floridsdorferinnen und Floridsdorfer sehen das auch so."

In 18 Bezirken sei das Parkpickerl bereits seit vielen Jahren präsent und so geht Papai davon aus, dass nach einer Zeit der Umgewöhnung auch die Floridsdorferinnen und Floridsdorfer insgesamt mit dem Parkpickerl zufrieden sein werden.“

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