21.10.2014, 09:00 Uhr

Drogen-Köche sprengten Kanal

Im Haus der Akademikerin trieben der Frührentner und der Arbeislose ihr Unwesen.

Die Crystal-Meth-Produzenten warfen Chemie-Abfälle in den Kanal, der verstopfte sich und flog zweimal in die Luft.

HIRSCHENWIES (eju). Margit Göll, Bürgermeisterin der Kurortgemeinde Moorbad Harbach, zu dem die Katastralgemeinde Hirschenwies gehört, erzählt im Bezirksblätter-Gespräch, dass das Haus, in dem das Drogenlabor eingerichtet war, einer Zweitwohnsitzerin gehört. Die Akademikerin dürfte das Gebäude wiederum den beiden Festgenommenen "untervermietet" haben.

Göll: "Kenne Männer nicht!"

Göll erklärt: "Ich kenne die beiden Herren nicht, ich weiß nicht einmal, wie sie aussehen. Das sind Untermieter, die nicht am gesellschaftlichen Leben im Ort teilgenommen haben. Ab und zu hab ich ein Auto mit Wiener Kennzeichen dort stehen gesehen, mehr nicht." Sie sei von Nachbarn angerufen worden, weil es aus dem Kanaldeckel nach Nitroverdünnung oder Lackrückständen gerochen habe und habe wiederum den Obmann der Abwassergenossenschaft, Herbert Göschl, beauftragt, herauszufinden, ob jemand womöglich Farbreste im Kanal entsorgen würde.


Nitrogeruch aus dem Kanal

Herbert Pöschl erzählt im Bezirksblätter-Gespräch: "Aufgefallen ist uns bereits im Winter, dass es einen extrem starken Geruch nach Nitroverdünnung im Kanalnetz gab, am meisten ist das in der Kläranlage aufgefallen. So haben der Klärwärter und ich das gesamte Kanalnetz nach der Ursache abgesucht.
Bereits am 15. Jänner gab es dann eine Verstopfung, bei der sich so viele Gase gebildet hatten, dass es einen Schacht regelrecht zerrissen hat, der ist auf der Wiese daneben gelegen.


Kanalschacht flog in die Luft

Das Gleiche ist im Mai nochmals passiert, in unmittelbarer Nähe zu dem Haus. Aber da konnten wir noch nicht genau sagen, woher die Verunreinigung kam. Am 1. September gab es wieder eine Anrainerbeschwerde wegen der Geruchsbelästigung. Der Klärwärter hat daraufhin die Schächte kontrolliert und dabei eine weitere Verstopfung entdeckt – und zwar bei dem Anschluss des Hauses.


9000 € Schaden am Kanal

Durch die zwei zerrissenen Schächte und alle Reinigungsarbeiten durch eine Spezialfirma sind uns Kosten von 9000 Euro entstanden. Ich war so wütend und weil es ein Zweitwohnsitzer und kein Einheimischer war, habe ich die Sache bei der Polizei angezeigt."


Freude über Festnahme

So kam die Exekutive dem Drogenlabor im idyllisch am Berghang versteckt gelegenen Häuschen auf die Spur.
Dass die Kanalverstopfungen letztlich zu den Verhaftungen geführt haben, freut Pöschl dennoch: "Gut, dass man die Kerle erwischt hat, wenn das nicht gewesen wäre, hätten die schön getrost weiter produzieren können."


Klärschlamm unbedenklich

Durch die Anzeige bei der Polizei musste auch überprüft werden, ob der Klärschlamm verunreinigt worden war. Diese Untersuchung wurde von der Bezirkshauptmannschaft Gmünd in Auftrag gegeben. BH-Stv. Martha Haselsteiner gibt Entwarnung: "Weder Klärwerk, noch Klärschlamm sind verunreinigt worden, die Schäden am Kanal wurden längst behoben."
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