25.03.2017, 00:00 Uhr

Österreichs Karpfenzüchter tagten im Schloss Rosenau

Karpfen-Fachleute unter sich in Schloß Rosenau. (Foto: Florian Kainz/Archiv Aqua)
SCHLOSS ROSENAU. Der NÖ Teichwirteverband lud gemeinsam mit dem Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI NÖ) und der NÖ Landwirtschaftskammer Teichwirte zur Österreichischen Karpfenzüchtertagung 2017 ein. Die zweitägige Veranstaltung fand am 15. und 16. März im Schloss Rosenau bei Zwettl statt. Vor allem die Fischotter-Problematik wurde umfassend diskutiert.

International ging es bei der diesjährigen österreichischen Karpfenzüchtertagung zur Sache. Dafür sorgte ein hochkarätiges Referententeam aus Deutschland, Polen und Tschechien. Theorie und Praxis kamen dabei nicht zu kurz. Doch vor allem ein Thema stand heuer im Mittelpunkt - der Fischotter. Der Grund: Die Präventionsmaßnahmen für Fischotterzäune in NÖ werden deutlich ausgebaut. Ebenso werden die Geldmittel für Zuschüsse bei Ausfraß durch Fischotter erhöht, wenn Teiche aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht eingezäunt werden können. Die NÖ Naturschutzabteilung stellte die Eckpunkte des Fischotter-Managementplans vor. Zusätzlich wurde der Bescheid des NÖ Teichwirteverbandes und des NÖ Landesfischereiverbandes präsentiert, wonach zukünftig auch die Entnahme von 40 Fischottern in NÖ möglich sein wird.

Willibald Hafellner, Obmann des NÖ Teichwirteverbandes hält dazu fest: „Endlich gibt es in Niederösterreich eine Entscheidung, die eine aktive Bestandesregulierung möglich macht. Die aus verschiedensten Gründen - nicht nur als Lieferant des ausgezeichneten heimischen Produkts Waldviertler Karpfen - sehr geschätzte Teichlandschaft bietet dem Fischotter einen paradiesischen Lebensraum. Der nach FFH-Richtlinie geforderte „gute Erhaltungszustand“ ist seit 2013 bestätigt. Auf Grund der Schadwirkungen ist daher jetzt eine Reduktion der Otterzahl zulässig und notwendig. Die Anzahl der genehmigten Fischotter ist aber sicher wesentlich weniger als der jährliche Nachwuchs und diese erlaubte Entnahme mindert somit nur den Zuwachs. Die Regelung führt daher zu keiner Reduktion des aktuellen Bestandes, wird aber als erster Schritt positiv gesehen.“


Ein Blick über Österreichs Landesgrenzen hinaus

Auch Kollegen von tschechischen und polnischen Fachverbänden berichten über die Situation des Fischotter-Managements in diesen beiden EU Mitgliedsstaaten. Pavel Vrána von der tschechischen Anglervereinigung beziffert die Schäden durch Fischotter alleine in seinem Heimatland auf etwa 1,6 Mio. Euro. Nur ein kleiner Teil davon wird als Schadenersatz in der Höhe von 290.000 Euro durch staatliche Fördermittel ersetzt. Andrzej Kapusta vom polnischen Fachverband erklärt, dass in Polen schon länger die Entnahme von Fischottern möglich ist. Teichwirte können hier für einen bestimmten Teich oder für größere Landkreise um Bewilligung der Fischotter-Entnahme ansuchen. So wurde bereits im Jahr 2013 die Entnahme von 464 Fischottern bewilligt. Alleine für die Woiwodschaft Ermland-Masuren belief sich die geplante Fischotter-Entnahme für das Jahr 2016 auf 90 Fischotter. Dennoch wurde festgehalten, dass die tatsächlichen Entnahmen aufgrund der jagdlichen Schwierigkeiten bei weitem nicht ausgeschöpft wurden.

Fachvorträge brachten Vorteile des Karpfens für Konsumenten auf den Punkt

Der praktische Teichwirt und Vorsitzende der deutschen Teichgenossenschaft „Aischgründer Karpfen“ referierte über das deutsche Erfolgsmodell der Eintragung des „Aischgründer Karpfens“ als geschützte geografische Angabe (ggA).
Jan Mráz von der Universität Budweis betonte den gesundheitlichen Wert des Karpfens. Besonders die mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind unerlässlich für den menschlichen Organismus. Er berichtete über klinische Studien, wonach bereits bei zweimaligem Karpfenkonsum in der Woche merkliche gesundheitliche Verbesserungen festgestellt wurden. Gesundes, lokal produziertes Karpfenfleisch liegt im Trend. Sowohl Österreicher, als auch Tschechen wissen den Geschmack und die gesundheitlichen Vorzüge des Karpfens zu schätzen. Tendenz steigend.
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