Klarheit für den Konsumenten
Erdäpfelbauern kritisieren Penny Markt – REWE entschuldigt sich

Die IGE mit Obmann Franz Wanzenböck (2.v.li.) und Geschäftsführerin Anita Kamptner (2.v.re.) beim Aktionstag für heimische Lebensmittel 2019 in Wien.
  • Die IGE mit Obmann Franz Wanzenböck (2.v.li.) und Geschäftsführerin Anita Kamptner (2.v.re.) beim Aktionstag für heimische Lebensmittel 2019 in Wien.
  • Foto: Bauernbund
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Die InteressenGemeinschaft Erdäpfelbau (IGE) kritisiert in einem offenen Brief an Penny Markt die falsche Bewerbung von ausländischen "Heurigen" und fordert Fairness für die Konsumenten sowie die Bäuerinnen und Bauern.

BEZIRK KORNEUBURG. "In Ihrem aktuellen Flugblatt wird suggeriert, es gäbe bereits Heurige Eräpfel aus Österreich. Insbesondere der Hinweis ’Endlich wieder Heurige’ sowie ’Weil saisonal und regional schmeckt’s einfach besser’ lassen dies vermuten. Eine konkrete Angabe des tatsächlichen Herkunftslandes gibt es nicht." So fängt der Brief an.
Und warum wird der Kunde mit dieser Werbung getäuscht? "Weil die Ernte von österreichischen Erdäpfel, also von echten losschaligen Heurigen, in der Regel Ende Mai, Anfang Juni startet und daher zur Zeit noch keine Heurigen österreichischer Herkunft erhältlich sind", erklärt IGE-Obmann Franz Wanzenböck aus Zissersdorf. Zudem habe man direkt in einer Penny-Filiale nachgesehen und festgestellt, das die beworbene Ware aus Ägypten stammt. "Bei ägyptischen Erdäpfel mit Regionalität und Saisonalität zu werben, ist eine grobe Täuschung und Wettbewerbesnachteil fürdie heimischen Landwirte", ist Wanzenböck überzeugt.

Erdäpfel aus der Wüste

Die Versorgung mit heimischen Erdäpfeln kann, so Wanzenböck, 2020 ganzjährig sichergestellt werden. "Bis zum Erntebeginn der Heurigen, den wir auch dieses Jahr Ende Mai, Anfang Juni erwarten, kann der heimische Markt mit besten Erdäpfeln aus der Region versorgt werden." Warum der Supermarkt dennoch ausländische Ware in den Filialen verkauft, stößt bei der InteressenGemeinschaft auf völliges Unverständnis. "Wenn schon Ware aus dem Ausland importiert wird, obwohl es genügend heimische Erdäpfel gibt, sollte das zumindest richtig beworben werden."
Dass man zudem die Knollen aus Ländern importiert, wo deutlich niedrigere Umwelt- und Sozialstandards gelten und Pflanzenschutzmittel erlaubt sind, die in Österreich bereits seit Jahrzehnten verboten sind, ist da nur das Tüpfelchen auf dem i. Dazu kommt noch, dass der Wasserverbrauch bei in der Wüste produzierten Erdäpfeln enorm und entsprechend groß auch der ökologische Fußabdruck ist.

Solidarität gefordert

Gerade jetzt besinnen sich viele Konsumenten auf die Regionalität und sehen, wie wertvoll regional erzeugte Produkte sind, wenn etwa auf Grund einer Krise, internationale Transportwege immer mehr geschlossen werden. "Unsere Bäuerinnen und Bauern leisten zur Eigenversorgung mit heimischer Produktion einen immens hohen Beitrag. Nur trägt auch der Lebensmitteleinzelhandel hier große Verantwortung", sagt Wanzenböck und fordert im Namen der IGE Penny Markt auf: "Wir erwarten Ihrerseits mehr Solidarität und ein Miteinander auf Augenhöhe zwischen Handel, Konsumenten und Bäuerinnen und Bauern. Daher fordern wir Sie auf, künftig von derart unlauteren Werbemethoden Abstand zu nehmen."

REWE entschuldigt sich

"Die Herkunftsbezeichnung ist in diesem Zusammenhang nicht korrekt! Dafür möchten wir uns aufrichtig entschuldigen", entschuldigt sich der REWE-Konzert nach der Veröffentlichung des "Offenen Briefes", wie Pressesprecher Paul Pöttschacher mitteilt.
Weiters verspricht man: "Wir werden in Zukunft verstärkt auf nachvollziehbare und korrekte Auslobung sowie Herkunftsbezeichnung der Produkte achten. Insgesamt setzen wir bei PENNY natürlich auf österreichische Ware und haben ganzjährig überwiegend heimische Erdäpfel im Sortiment. Wir schätzen – ebenso wie die Kunden – die Qualität der Erdäpfel aus Österreich, inklusive den kurzen Transportwegen, sehr und versuchen, den Bezug von Importware in der Übergangszeit so kurz und gering wie möglich zu halten."

"Tut uns leid" mit System

Dass man sich öffentlich entschuldigt, nimmt IGE-Geschäftsführerin Anita Kamptner wohlwollend zur Kenntnis. Ein schaler Nachgeschmack bleibt trotzdem. "Sonst regeln wir so etwas intern und weisen die Supermarkt-Ketten auf die Fehler hin. Diesmal haben wir so scharf reagiert, weil es eben nicht zum ersten Mal passiert ist – nicht nur bei Penny – und sicherlich nicht zum letzten Mal." Oft finde man eine rot-weiß-rote Fahne auf dem Flugblatt, obwohl ausländische Erdäpfel beworben werden. Auch in den Filialen kommt es öfters zu "Fehlern". Da findet sich dann etwa ein "Erädpfel aus Österreich" Schild neben einem Korb, in dem dann erst wieder Erdäpfel aus Ägypten liegen.
"Gerade jetzt, wo sich die Supermarktketten als ’Retter der Welt’ und ’Versorger’ darstellen, findet man überall ägyptische Erdäpfel – momentan fast überall quer durch die Bank. Und dabei sind unsere Lager voll, wir könnten liefern. Wenn uns aber keiner die Erdäpfel abnimmt, auch die Gastronomie, die beliefert wird, fällt ja nun weg, müssen wir am Schluss viele wegschmeißen, weil die Erdäpfel ja auch nicht unbegrenzt lagerfähig sind. Und das wäre ein Wahnsinn", bringt es Kamptner auf den Punkt.

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