Bodenwieser-Mandukić: Körper_Kultur# игра ~Tanz
20 Jahre Österreichisches Kulturforum Belgrad: Kunst_Wissenschaft_Diplomatie2030
- Bodenwieser-Mandukic
Ausdruckstanz
WienModerndance
Artimpact2030
Arts_Sciences_Diplomacy2030 - Foto: Tatjana Christelbauer
- hochgeladen von Tatjana Christelbauer
Eine Neujahrsgrüße mit Kurzbericht zum Kunstvermittlungsprojekt
Bodenwieser-Mandukić: Körper_Kultur# игра ~Tanz
Welche Wirksamkeit, könnte die Tanzkunst der Gegenwart als Form der Kulturdiplomatie haben, um das Bewusstsein für aktuelle gesellschaftspolitische Herausforderungen zu stärken?
Und, wie kann die Tanzkunst-basierte akademische Forschung und Lehre den Problemlösungsprozess im Hinblick auf die Europäische Politik zur Umsetzung von nachhaltiger Entwicklungsziele, unterstützen?
Im Jahr 2021 feierte das Österreichische Kulturforum in Belgrad, Serbien
sein 20. Tätigkeitsjubiläum.
Zum Anlass des Jubiläums erhielte ich als Kulturvermittlerin die Möglichkeit, eine kulturhistorische Brücke Österreich-Serbien mit Beiträgen aus Ausdruckstanzkunst in die Gegenwart zu spannen. Ansätze aus dem Nachlass von den in Wien geborenen Ausdruckstanzkunstschaffende Gertrud Bodenwiser und ihrer Schülerin serbisch-slowenischer Herkunft, Smiljana Mandukić wurden mit einem multiperspektivischen Blick mit Beiträgen aus zeitgenössischer Kunst, Wissenschaft, Medien und Diplomatie, an der virtuellen Tageskonferenz, näher beleuchtet und in ihrer Aktualität in die Gegenwart gedacht.
Bereits im Jahr 2013 wurde das Forschungsprojekt Bodenwieser-Mandukić. mit Partnerstellen und ZeitzeugInnen in Belgrad/Serbien gestartet, so wurden die bisherigen Aktivitäten mit weiteren Ansätzen erneuert.
Gertrud Bodenwieser (1890 Wien-1959 Sydney)und ihre Schülerin, Smiljana Mandukić (1908 Wien-1992-Belgrad), haben in ihrer künstlerischen Praxis das emanzipatorische Potenzial der Ausdruckstanzkunst im Hinblick auf die sozial-politischen Herausforderungen der Zeit thematisiert und ihre Ansätze in ihren choreographischen Werken, zum Ausdruck gebracht.
Hohes soziales Engagement (Projekte und kostenloser Unterricht für arbeitslose und von Armut betroffene), Beiträge für humanitäre Zwecke (Rotes, Kreuz u.a.), transdisziplinäre und kritische Ansätze, zeichnen die beiden Ausdruckstanzpionierinnen in ihrem künstlerischen Schaffen aus.
In ihrer Methodik, haben Smiljana Mandukić und Gertrud Bodenwieser auf die Auswirkung ihrer Übungen auf die körperliche und seelische Gesundheit und Wohlbefinden ihrer Studierenden geachtet. Der holistische Ansatz wurde insbesondere von Bodenwieser-Studierenden in Australien bis in die Gegenwart praktiziert.
Tanzkunst in all ihrer Varietät wurde als Teil des UNESCO-Weltkulturerbes unter dem Banner des immateriellen Kulturerbes anerkannt. Diverse Tanzstiele, Traditionen, Fähigkeiten sowie materielle Elemente, die mit diesen Praktiken und Menschen verbunden sind, wurden dabei berücksichtigt.
Ausdruckstanz wurde bereits im Jahr 2015 in Deutschland auf der Liste der immateriellen UNESCO-Kulturerbes aufgenommen und eingereicht, dann in 2021 als immaterielles Kulturerbe der Menscheit, der UNESCO vorgeschlagen. Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs und dem Aufkommen des Faschismus, der Weltwirtschaftskrise (in den USA), wurde der moderne Tanz zu einem Medium für Widerstand und gesellschaftlichen Wandel. Das Konzept der Tanzkunst als diskursive Praxis, basierend auf der „freien Bewegung“, ist sowohl im technischen als auch im theoretischen Teil der Tanzausbildung und -praxis zur neuen ästhetischen Konvention geworden: als Ausdruck zeitgenössischer gesellschaftlicher Anliegen und als potenzielles Tool für Veränderungen.
Österreichische Kulturforen (AKF) sind Servicestellen für österreichische Kunst-und Kulturschaffende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und unterstützen diese bei der Kontakt- und Netzwerkbildung im In- und Ausland. Mit dem Ziel, Österreich als zukunftsorientiertes Land zu präsentieren, konzentriert sich die internationale Kulturpolitik Österreichs im weltweiten Netzwerk des Auswärtigen Amtes und der AKF´s vor allem auf zeitgenössische und kreative Arbeiten aus der österreichischen Kunst und wissenschaftlichen Forschung. Die aktuellen Studiengänge und Programme für zeitgenössische Kunst im Dialog mit den Wissenschaften ermöglichen eine transdisziplinäre, dialogische Auseinandersetzung mit historischen und gesellschaftspolitischen Entwicklungen und ermöglichen kritische Betrachtungen aus unterschiedlichen Perspektiven.
Historischer Forschung im Bereich der Tanzkunst trägt zu gegenwärtigen Entwicklungen im Bereich der zeitgenössischen Kunst und darüber hinaus, im Bereich internationaler Beziehungen, regt zu neuen Diskussionen an und vor allem, trägt zu Legitimität dieser Werke und ihrer Schöpferinnen bei.
Zum Anlass des 20. Tätigkeitsjubiläum des Österreichischer Kulturforums Belgrad in 2021., wurden aktuelle Projektaktivitäten und das biographische Album mit Angaben zum Werk und Person von Smiljana Mandukić in deutscher und von Gertrud Bodenwieser, in serbischer Sprache verfasst.
Ein Versuch, die Idee der "Einheit in Vielfalt" Europäischer Union und der linguistischer Gastfreundschaft (P. Ricoeur) in der Tanzpraxis mittels Verwebungen von diversen Sprachen, Schriften und Ausdrucksarten, umzusetzen.
Das biographische Album und diafilm Bodenwieser-Mandukić (technische Bearbeitung von Vesna Dimitrijević/Ideapro.at, sind unter creative commons (CC) in digitaler Form auf Webseiten des ACD-Agency for Cultural Diplomacy-Vereins, Essay auf Austria Forum Graz, und auf Webseiten aller Projektpartner, verfügbar.
Die Veranstaltungsbeiträge Körper_Kultur# игра ~Tanz. Bodenwieser-Mandukić und das Projektmaterial sollen zur transkulturellen Forschung in der Tanzkunstgeschichte sowie im akademischen Bereich internationaler Beziehungen beitragen und die neue Generation dazu inspirieren, an die kunsthistorischen Verbindungen in der Gegenwart anzuknüpfen, die Geschichte bei der Zukunftsgestaltung multiperspektivisch und kritisch zu reflektieren, den aktuellen Herausforderungen, mit konstruktiven und nachhaltigen Ansätzen gemeinsam entgegenzuwirken, nach Möglichkeiten für friedlicher Koexistenz diverser Ausdrucksformen und-Arten zu suchen und die nachhaltige Entwicklungsziele in ihrem Alltag, Bildung und professionelle Praxis als ethisches Handlungsarahmen zu integrieren.
Einheit in Vielfalt: Misa Criolla
Translatorisches Potenzial künstlerischer Ausdrucksformen ist über sprachlichen, geopolitischen und kulturellen Grenzen hinweg wirksam. Medienkunst, sowie Tanz- und Theaterkunst unterstützt die Entwicklung interkultureller Sensibilität durch den Zugang zu diversen kulturellen Räumen und ermöglicht die Bekanntmachung mit diversen Klängen und mit diesen Klängen verbundenen Sprachen und Kulturen.
In den 1950er Jahren, als Ariel Ramirez als noch unbekannter Musiker in einem Kloster in der Bundesrepublik Deutschland (Würzburg) lebte, traf er bei seinen Spaziergängen zum nahliegenden Herrenhaus die Schwestern Elisabeth und Regina Brückner, die ihm erzählten, dass das wunderschöne Herrenhaus vor dem Kloster zu Zeiten des Nationalsozialismus, Teil eines Konzentrationslagers gewesen ist und sie beide nur wenige Jahre zuvor, obwohl in Gefahr der Todesstrafe, acht Monate lang, Nacht für Nacht, jüdische Häftlinge mit Lebensmitteln versorgten.´
Quelle: Die Schwestern und der Komponist, Süddeutsche Zeitung, 20./21. Dezember 2014, S. 76
Diese Erzählung inspirierte den Musiker, sein erstes religiöses Werk zu komponieren, ein musikalisches Werk zu Ehren dieser beiden deutschen Schwestern zu schreiben:
"Etwas Profundes, Religiöses, zu Ehren des Lebens. Etwas, dass die Menschen auch jenseits des eigenen Glaubens, der eigenen Ethnie, Hautfarbe oder Herkunft einbezieht."
(Quelle: Aaron Mitchell: A Conductor's Guide to Ariel Ramírez's Misa Criolla. Hrsg.: University of Cincinnati. 2009, S. 5–8)
Diese Inspiration wurde in den 1960-er Jahren die Tat umgesetzt.
Misa Criolla wurde als Messe mit südamerikanischen Rhythmen und musikalischen Formen komponiert und im Jahr 1965 in Düsseldorf, Deutschland, uraufgeführt.
Erst im Jahr 1968, nachdem das 2. Vatikanische Konzil die Verwendung der Landessprache in katholischen Kirchen erlaubt hatte, wurde das Werk zum ersten Mal in Teatro Colon in Buenos Aires Argentinien, der Heimat von Komponisten Ariel Ramirez, aufgeführt. Zu dem Zeitpunkt gastierte dort die, aus Serbien stammende weltberühmte Primadonna Biserka Cvejić, die inspiriert mit dem Werk auf die Idee kam, ein Gastkonzert in Serbien zu organisieren. Daraufhin kontaktierte Primadonna Cvejić den Komponisten Ramirez, erzählte ihm von den international engagierten und gefeierten serbischen Dirigenten Bogdan Babić und seine Arbeit mit dem Chor Branko Krsmanović, die sie als erstes ausländisches Aufführungsensemble empfohlen hat und erhielte daraufhin die Noten und die Erlaubnis von Ramirez. Im Jahr 1968, wurde die „Misa Criolla“ zum ersten Mal von einem ausländischen Ensemble, dem Universitätschor Branko Krsmanović unter der Leitung von Dirigenten Bogdan Babić in Belgrad, aufgeführt. Es wurde sofort ein "Hit" und bis heute ein Markenzeichen des Chores .
Smiljana Mandukić choreografierte Misa Criolla.
Ebenso, wie der Komponist Ramirez die folklore Elemente und Rhythmen des Landes, sowie die spanische als Landessprache zusammen mit lateinische in das Werk inkulturierte,
wurden die von Gertrud Bodenwieser entwickelte Sprachformen und Rhythmen der Ausdruckstanzkunst, im Werk und Nachlass ihrer SchülerInnen wie Smiljana Mandukić und ebenfalls SchülerInnen von Mandukić und ihrer SchülerInnen,
in ihrer Praxis,
innerhalb diverser geographischer, linguistischer oder sonstiger Landschaften
einverwoben.
So lebt das Werk immerwährend weiter …
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