17.05.2017, 08:04 Uhr

Onlineplattform "imGrätzl" vernetzt Kleinunternehmer und Nachbarn

Mirjam Mieschendahl zieht mit "imGrätzl" gemeinsam mit Studenten in die ehemalige IMGRO-Halle am Nordbahnhof.

Die Plattform "imGrätzl" will Lust machen, die Wiener Grätzel zu entdecken. In jedem Stadtteil schlummert Einzigartiges – nur sei es laut Gründerin Mirjam Mieschendahl digital unterrepräsentiert. Ihr Claim: "Gemeinsam entspannter und erfolgreicher wirtschaften".

WIEN. Nimmt man in der Leopoldstädter Innstraße die richtige Einfahrt, landet man zwei Kurven später im Dschungel der Stadt: Auf dem ehemaligen Nordbahnhofgelände wird zwar schon fleißig gebaut, ein großer Teil des Areals ist jedoch nach wie vor verwildert. Rostige Gleise durchziehen die grüne Gstätten, in der Mitte erhebt sich dominant eine alte Backsteinhalle, die auf den ersten Blick wenig einladend aussieht – die sogenannte IMGRO-Halle, benannt nach dem letzten Mieter, einem Nahrungsmittelgroßhandel.

Ebendort entsteht nicht nur ein Forschungs-Hub von TU-Studenten, sondern auch das neue Hauptquartier der Online-Plattform "imGrätzl". Digitalwirtschaft in heruntergekommenen Großstadtruinen? Nein, wir sind noch nicht in Berlin. Aber auch an der Donau schätzen junge Start-ups sowie Studenten den schönen alten Backsteinbau. Dazu gehört Mirjam Mieschendahl, Gründerin und Geschäftsführerin von www.imGrätzl.at. Die gebürtige Deutsche ist irgendwann in den 00er-Jahren in Wien gestrandet und hat sich in die Stadt verliebt. "Wien ist noch offen, vielfältig und hat enormes kreatives Potenzial", sagt die 44-Jährige. In vielen Städten Deutschlands sei das nicht mehr der Fall. Was Wien besonders von den deutschen Nachbarn abhebe: "Eine tolle Förderlandschaft, die Start-ups unterstützt."

An dem Punkt setzt auch Mieschendahl mit ihrer Plattform "imGrätzl" an: Man will Aufmerksamkeit für Kleinunternehmer schaffen. Gerade in den Grätzeln gibt es viele Selbstständige, aber auch Privatpersonen, die selbst nicht die Ressourcen haben, sich sichtbar zu machen. "Und doch gibt es in jedem Stadtteil einzigartige Dinge", sagt Mieschendahl. Nach unzähligen Gesprächen mit Unternehmern ist sie zu dem Schluss gekommen: "Viele arbeiten überhaupt nur, um sich ihre#+Gewerbefläche leisten zu können."


Idee: Raumpartnerschaften

Mieschendahl will jenen einerseits "digitale Sichtbarkeit schenken", andererseits die Synergien der einzelnen Firmen nutzen, sodass jeder davon profitieren könne. Ein Projekt ist dabei zum Beispiel die Idee der "Raumpartnerschaften" – weg vom Einzelkämpfertum und hin zur Bündelung von Kräften, heißt es. Deswegen organisiert Mieschendahl "Co-Working"-Tage in Cafés, die montags sowieso geschlossen hätten. Davon würden sowohl Betreiber als auch Nutzer profitieren – eine Win-Win-Situation. Das Raumpartner-Konzept wird bald in die Plattform integriert – der digitale Samen dafür ist bereits gepflanzt.

Zur Sache:

Die Online-Plattform www.imgrätzl.at will Einzigartiges im Viertel sichtbar machen: Menschen, Geschäfte, Selbstständige, Ideen und Aktionen. Ganz nach dem Motto "Alles Gute ums Eck" kann man sich auf der Homepage kostenlos registrieren und sein Angebot sichtbar machen. Unterteilt wird dabei nicht nur in alle 23 Bezirke Wiens, sondern auch in alle einzelnen Grätzel – vom Hundsturm über Alt-Hietzing bis Kagran. Man will die Bewohner vernetzen und neue Wege aufzeigen, wie man zusammen entspannter wirtschaften kann.

Arbeitsplätze zu vergeben: In der ehemaligen IMGRO-Halle auf dem Nordbahnhofgelände sind im neuen Co-Working-Space Arbeitsplätze zu vergeben. Die Plätze sind gefördert. Nähere Informationen: www.nordbahnhalle.org
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