15.03.2017, 10:33 Uhr

Frischzellenkur für alte Möbel

Heinrich Heckl beim Restaurieren eines Barockschreibtisches aus Nussholz mit Intarsien aus Ahorn

Seit 28 Jahren werden in der Spengergasse 30 Holz-Möbel und -Objekte aller Stilepochen restauriert.

MARGARETEN. Der Werkstoff Holz begeistert den Restaurator Heinrich Heckl seit seiner Tischlerlehre, die der in einer kleinen Werkstatt in der Währinger Vinzengasse absolviert hat. "Dort konnte ich erstmals in das Restaurieren alter Möbel hinein schnuppern und war sofort fasziniert." Eine Faszination, die bis heute anhält. Holz ist für ihn nicht nur ein ewig lebendiger Werkstoff, der auch nach 200 Jahren "noch arbeitet", wie er sagt. "Ein antikes Holzmöbel erzählt mir etwas. Wenn ich mich dann vor ein fertig restauriertes Möbel setze, geht seine Ruhe auf mich über." So verweigert der leidenschaftliche Restaurator auch jeden Eingriff in die Substanz der alten Stücke, oder technische Verfahren, die so gar nicht zur damaligen Handwerkskunst passen. "Wir verwenden beispielsweise auch nur traditionellen Knochen-, oder Perlleim, der sich mit etwas Dampf wieder leicht ablösen lässt." Das macht auch Klebearbeiten an zwei Millimeter feinen Holzintarsien, oder Furnieren reversibel. Und politiert wird ausschließlich mit Schellack. "Lackieren wäre ein unmöglicher Stilbruch!" Das Politieren mit Schellack sei eine Technik, die nur noch wenige beherrschen. Man brauche viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Und Geduld, denn besonders an kleinen Holzobjekten müsse man sorgfältig mit einem winzigen Bausch (frz. Mèche = ein zum Ballen gefaltetes Seihtuch) arbeiten, um auch kleinste Vertiefungen zu erreichen. Das Ergebnis sei dann so lebendig wie damals, als das Möbel hergestellt wurde. Aber natürlich nicht neu. "Man darf ein Möbel niemals zu Tode restaurieren. Sein Charakter muss erhalten bleiben!"

Geduld und Leidenschaft

Heinz Heckl hat sich auf Biedermeier- und Barockmöbel spezialisiert, restauriert aber auch antike Möbel älteren und jüngeren Datums. "Das sind nicht immer wirklich wertvolle Antiquitäten, sondern oft einfachere Erbstücke, an denen man mit dem Herzen hängt und die man deshalb erhalten möchte. Da geht es um den ideellen Wert." Den sich die Kunden etwas kosten lassen, denn zur professionellen Handwerkskunst kommt natürlich auch der Zeitfaktor: Das sorgfältige Restaurieren von alten Möbeln braucht seine Zeit. "Egal ob ein großer Biedermeierkasten, oder ein Uhrgehäuse, man arbeitet fast genauso lange, bis das Möbel fertig restauriert ist", erklärt der 56jährige. 55 Arbeitsstunden braucht mancher riesige Pracht-Kasten, 35 ein vergleichsweise winziges Uhrgehäuse. Da kann es schon mal vorkommen, dass die Restaurierungskosten den "Marktwert" eines Objektes übersteigen. Doch wer an einem schönen Erbstück hängt, will es meist bewahren und nicht verkommen lassen, um es vielleicht selber einmal in bester Familientradition weiter zu geben.

Daheim in Margareten

Heinrich Heckl ist in der Arbeitergasse aufgewachsen, wo seine Eltern eine Bäckerei hatten. Er wollte schon als Bub Tischler werden, hat in allen Bereichen, von der Bau-, Boden- und Fenstertischlerei bis zum Möbelbau – und natürlich in der Restaurierung und Konservierung von Holzobjekten gearbeitet, die dafür erforderliche spezielle Meisterprüfung absolviert und sich 1989 mit seiner Fachwerkstätte in der Spengergasse 31 selbständig gemacht.

Übrigens: Auch privat kann er auf Antikes nicht ganz verzichten. „Ich habe eine Biedermeiertruhe und eine Schreibkommode geerbt, die haben einen Ehrenplatz in meiner sonst modernen Wohnung in Margareten. Alt und Neu: Das ist eine gute Mischung.“

Info: www.restaurierung-heckl.at

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