'Technical Girls' unter sich

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BEZIRK MÖDLING. Ein ungewohntes Bild zeigte sich im Dezember beim Lego Mindstorms Kurs im Mödlinger Talentegarten. Findet man sonst beim Bauen und Programmieren höchsten ein bis zwei Mädchen unter vielen Buben, so waren diesmal 12 Mädchen mit viel Freude dabei. Mädchen unterschiedlichen Alters fanden es besonders cool mit eigenen Händen einen Roboter zusammen zubauen, dessen „Herz zu programmieren“ und einmal unter sich zu sein. Besonders jüngere Mädchen bleiben bei den ersten Lernerfahrungen gerne unter sich, weiß die Expertin.

„Ich möchte gerade den jungen Mädchen ermöglichen, in einer stressfreien Atmosphäre technische Erfahrungen zu machen. Denn Mädchen und Buben lernen anders. Während die Jungs meistens einfach ausprobieren, versuchen die Mädchen häufig die Dinge zunächst zu verstehen, bevor sie etwas beginnen. Sie arbeiten dann aber ruhiger, konzentrierter und ausdauernder und bringen auf lange Sicht dadurch häufig sogar eine bessere Leistung. In einer gemischten Gruppe bedeutet dies jedoch, dass der Bursche schon längst alles ausprobiert und das Material an sich gezogen hat, bevor das Mädchen seine erste ruhige Überlegung machen konnte“, erklärt Begabungsexpertin Katja Higatzberger, die „Technical girls“ ins Leben gerufen hat.

Dass Mädchen in technischen Dingen ähnlich begabt sind wie Jungs, sieht man sofort an dem Fortschritt, den sie in kurzer Zeit machen. So zeigte sich die Mutter einer Kursteilnehmerin ganz erstaunt: „Unglaublich, was Clara innerhalb der zwei Tage alles gelernt hat!“ Trotzdem melden sich immer noch sehr wenige Mädchen bei Experimentier- und Programmierkursen an. Die Gründe dafür sind rasch gefunden: auch wenn Mädchen vielleicht lieber Herzen als Kampfroboter programmieren, brauchen sie nicht unbedingt etwas ganz anderes als Burschen. Doch bei den jeweiligen Vorerfahrungen liegen oft Welten dazwischen. Während die Jungs zuhause bereits häufig mit Lego Technik spielen oder bei Computerspielen erste Computererfahrungen gemacht haben, können die Mädchen auf diese Lernerfahrung kaum bis gar nicht zurückgreifen.

„Ich kann nicht erwarten, dass ein Kind, das noch nie mit Lego Technik gespielt hat, den Roboter in einer ähnlichen Geschwindigkeit zusammenbauen kann, wie ein Kind, das zuhause viele ähnlich funktionierende Spielzeuge hat. Und so klafft die Geschwindigkeit, mit der Mädchen und Burschen die Aufgaben lösen können, aufgrund der Vorerfahrungen im Laufe der Zeit immer weiter auseinander, obwohl die Begabung eigentlich die gleiche wäre“, erklärt Talentegarten-Gründerin Katja Higatzberger.

„Besonders im Volksschulalter ist es wichtig, dass Kinder vieles ausprobieren, um ihre Interessen entdecken zu können. Literatur, Philosophie, Kunst, Fremdsprachen, Geschichte, Natur, Technik, Logik und Mathematik - die Angebotspalette der Niederösterreichischen Begabtenakademie ist genauso breit gefächert wie die Begabungen junger Menschen. Damit auch Mädchen an unserem
logisch-technischem Angebot teilnehmen, freuen wir uns über die Initiative „Technical girls“ und unterstützen diese voll und ganz“, zeigt sich Martin Peter, Leiter der Niederösterreichischen Begabtenakademie, begeistert.

Sobald die „Technical girls“ genügend Erfahrung in Sachen Technik und Programmieren gesammelt haben, sollen Mädchen und Jungs später auch gemeinsam in den Kursen arbeiten. Studien zeigen nämlich, dass Teams, die aus Frauen und Männern bestehen wesentlich erfolgreicher arbeiten, da sie die unterschiedlichen Potentiale der einzelnen Geschlechter optimal nutzen und einsetzen können.

Infos zu den Kursen unter www.talentegarten.at und www.noe-begabt.at

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