Hiataeinzug in Perchtoldsdorf
Tausende Besucher bei Österreichs ältestem Erntedankfest
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Am 8. November ist es wieder soweit: Perchtoldsdorfs Weinhauer feiern am Marktplatz Österreichs ältestes und berühmtestes Erntedankfest. Für die amtierenden „Hiataeltern“ - Hiatamutter Gisi und Hiatavater Heinz Wolf - ist dieser Tag wohl ein würdiger Abschluss eines Hauer-Zyklus.
Bereits vor 40 Jahren hatten die beiden, wie viele ihrer Hauerkollegen auch, bereits einige wichtige Ämter beim Hiataeinzug inne. Heinz begann als Standartenträger, während seine spätere Gattin Gisi mit acht Jahren als Körberlmaderl und zehn Jahre später als Kredenzmaderl tätig war. „40 Jahre später schließt sich mit dem Amt des Hiatavaters beziehungsweise Hiatamutter der Kreislauf eines Hauerlebens“, wie Heinz Wolf erklärt. Traditionell am letzten Samstag im August wurden die beiden vom Oberhiata Toni Nigl angesprochen, ob sie diese Würde annehmen wollen. Vor dem Höhepunkt des Weinherbstes, dem Erntedankfest, haben Hiatamutter Gisi und Hiatavater Heinz Wolf vor allem in der Huatzeit wichtige Präsentationsaufgaben zu erfüllen.
Der Heurigenbetrieb der Hiataeltern befindet sich übrigens seit 1969 in der Neustiftgasse in Perchtoldsdorf. Bereits vor 25 Jahren begann sich Heinz Wolf als einer der ersten für die Sektproduktion nach der traditionellen Champagnermethode zu interessieren. Und so ist sein Riesling-Jahrgangssekt weit über die Grenzen Perchtoldsdorfs hinaus bekannt. Hiatamutter Gisi, die eigentlich Christa heißt und den Spitznamen Gisi ihrer ehemaligen Chefin verdankt, hält das kulinarische Erbe ihrer Schwiegermutter – die knusprigen Backhenderln – in allen Ehren.
Hiataeinzug ist nationales UNESCO Kulturerbe
Zahlreiche traditionelle Vorbereitungen tragen zum Gelingen von Österreichs größtem Erntedankfest bei. So ziehen Tage zuvor die „Hiatabuam“ von Weinhauer zu Weinhauer, um für den Pfarrer den Messwein fürs kommende Jahr zu sammeln. Anfang November geht es ans „Herzmachen“, genauer gesagt, um das herzförmige Schmuckstück, das die berühmteste Erntedankkrone Österreichs zieren wird. Das Herzmachen ist bei uns ein besonderes Privileg, und unter den Weinhauern sehr begehrt“, bestätigt der diesjährige Hiatavater. Einige Tage später wird die sogenannte „Pritschen“ angefertigt, ein mit Eichenlaub und dem goldenem Nussherz verziertes 80 kg schweres Gestell.
Die historischen Wurzeln des „Hiataeinzugs“ gehen auf eine Legende im Jahre 1422 zurück, wonach der Weinhüter Thomas in den Rieden Perchtoldsdorfs schwer verletzt wurde. Im ersten Haus des Ortes, dem Herbergsvater, wurde dieser gesund gepflegt. Erst zu Leon¬hardi¬, (6. November), konnte der genesene „Hiata“ seit langem den Gottesdienst besuchen. Seitdem fällt das Erntedankfest auf die wunderbare Genesung des „Hiata“ Thomas. Der „Hiataeinzug“ wurde seit 2010 von der UNESCO in das nationale immaterielle Kulturerbe aufgenommen und hat jahrhundertlange Tradition.
Am 8. November sind alle Perchtoldsdorfer Weinhauer in Aktion. Begleitet von der örtlichen Blasmusikkapelle, den „Hiatabuam“ und der „Pritschen“, bewegt sich der Festzug in Richtung Pfarrkirche. Der „Pritsch‘nträger“ hat die Aufgabe das 80 kg schwere, zweieinhalb Meter hohe drehbare Gestell in Drehung zu versetzen. Nach dem Erntedankfest in der Kirche, findet vor dem Rathaus ein lustiges Volksgericht statt. Dabei werden die kleinen Schwächen der Politiker, Mitbürger und Weinhauerkollegen von reimkundigen „Hiata¬buam“ mittels Gstanzln angeprangert. Das schadenfrohe Publikum darf sich auf einen Freiwein-Ausschank für alle freuen.
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