Wenn Salz sauer aufstößt
Hohe Chlorid-Werte gefährden Bäume
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Mit der Initiative Zukunft Stadtbaum fordern Bürger aus vier Bezirken strengere Kontrollen bei Salzstreuung.
WIEN/MEIDLING/PENZING/OTTAKRING/HERNALS. Glatteis kann für Leib und Leben gefährlich werden, gestreutes Salz kann Bäume töten. Die Wiener Winterdienst-Verordnung von 2003 verbietet grundsätzlich die Salzstreuung bei Grünflächen im Umkreis von zehn Metern. Bei extremer Glatteisbildung kann das Salzstreuverbot in den Schutzzonen bezirksweise oder für ganz Wien außer Kraft gesetzt werden. Die Initiative Stadtbaum meint dennoch: "Kontrolliert wird dieses zumeist ignorierte Verbot allerdings nicht."
Als "Salzsünder" seien vor allem "private Winterdienste" bekannt, welche das Streugut "unkon-trolliert und zentimeterhoch" verteilen sollen. Zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern aus Meidling, Penzing, Ottakring und Hernals werden deshalb strengere Kontrollen und Sofortmaßnahmen zum Schutz des wertvollen Baumbestandes #%gefordert.
Hohe Chlorid-Konzentration
Ein Beleg, dass vermutlich in allen Bezirken — erlaubt oder nicht — zu viel Salz zum Einsatz kommt, ist eine Probeentnahme in der Liebhartstalstraße und Gallitzinstraße in Ottakring vom 16. Febuar 2021. Dabei wurden 150.000 Milligramm Chlorid pro Liter in Schmelzwasser oder Schneeresten festgestellt. Diese Werte wurden vom Büro des Umweltstadtrats Jürgen Czernohorszky (SPÖ), ohne Vergleichswerte, auf eine Anfrage der ÖVP mitgeteilt. Die bz hat Andreas Baumgarten von der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) um eine Einschätzung gebeten: "Das sind extrem hohe Werte, welche für Bäume natürlich extrem schlecht sind." Zum Vergleich: Meerwasser weist einen Wert von 19.800 Milligramm Chlorid pro Liter auf.
- Blattrand-Nekrose an Rosskastanie im Frühsommer
- Foto: BI Pro Breitensee
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Sieben Anzeigen
Die MA 58 (Wasserrecht) hat sieben Anzeigen gegen Privatpersonen bestätigt. Zwei Strafen sind rechtskräftig, ein Fall wurde eingestellt und vier weitere sind in Bearbeitung. Organe der Stadt Wien sind von Anzeigen nicht betroffen.
Probeentnahmen erfolgen ausschließlich nach Verdachtsmeldungen aus der Bevölkerung. Proben werden von der MA 42 (Stadtgärten) entnommen und im Labor der MA 48 (Straßenreinigung) untersucht. Positive Gutachten gehen an die MA 58. Bei nachgewiesener Salzstreuung wird Anzeige erstattet. Untersuchungsergebnisse werden mit Verweis auf den Datenschutz oder mangels Parteistellung nicht veröffentlicht.
Die Forderungen der Wiener Initiativen
- Sofortmaßnahmen noch vor dem Winter 2021/2022 für bereits bestehende Mängel/Beeinträchtigungen aufgrund übermäßiger Salzstreuung
- Umgehendes Aktivwerden der Behörde bei Meldungen zu Verstößen gegen die Winterdienst-VO (sowohl bei privaten Dienstleistern als auch bei der Stadt Wien)
- Beendigung der monatelangen Behördenwillkür und Tatsachenverschleierung
- Transparente Kontrolle der Winterdienst-Verordnung durch die zuständige Behörde (MA42)
- Veröffentlichung der Kontroll-Ergebnisse und der Beprobungen nach Bezirken auf der Webseite der Stadt Wien: www.wien.gv.at/umwelt/ma48/sauberestadt/winterdienst
- Erhöhung des Strafausmaßes bei Verstößen auf zumindest 700 bis 900 Euro
Das sagen die Bürger
Alexandra Dörfler und Alice Kozich aus Ottakring haben monatelang versucht, die Probeergebnisse zu erfahren: "Diese monatelange Behördenwillkür muss ein Ende haben, zum Schutz des bestehenden und für unser Stadtklima so wichtigen Baumbestandes."
Helmut Bednar vom Baumschutz Hernals: "Das in Wien geltende Salzstreuverbot wird von vielen Winterdienstfirmen mutmaßlich systematisch und flächendeckend ignoriert. Insbesondere die Bäume entlang der Alszeile und der Hernalser Hauptstraße leiden von Jahr zu Jahr mehr."
Alexander Mayr-Harting aus Meidling: "Die exzessive Salzstreuung macht nicht einmal vor Naturdenkmälern halt, wie das traurige Beispiel der Schönbrunner Allee zeigt. Die Stadt Wien kontrolliert nicht und die zuständige Umweltabteilung MA 22 hüllt sich in weisungsgebundenes Schweigen."
Ingrid Erkinger und Peter Hancvencl aus Penzing: "Es muss eine Vorgehensweise gefunden werden, um das 'Salzproblem' besonders im Interesse der sowieso nicht verwöhnten Stadtbäume in den Griff zu bekommen."
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