Nachruf Alfred Öhlinger
Ein großes humanitäres Herz schlägt nicht mehr
- So fühlte sich Alfred Öhlinger auf Fotos am wohlsten: Gemeinsam mit seiner Frau Theresia als Helfer beim Roten Kreuz.
- Foto: OÖRK/Herbe
- hochgeladen von Eckhart Herbe
Am 27. April ist mit Alfred Öhlinger aus Langenstein ein besonderer Mann im 87. Lebensjahr nach langer schwerer Krankheit verstorben. Einer, den "tatkräftiger Menschenfreund ohne Kompromiss" wohl am prägnantesten beschreibt.
ST. GEORGEN AN DER GUSEN, LANGENSTEIN. Alfred gehörte zu jener raren Gruppe von Menschen, die - egal wann, wo und wie - ohne lange zu fragen einfach anpacken, wenn jemand Hilfe braucht. Und der dabei in seiner Gattin Theresia, mit der er 59 Jahre lang sein Eheleben teilte, eine Seelenverwandte gefunden hatte. Sich für die Mitmenschen einzusetzen sei doch selbstverständlich. Sie wären froh, als Paar diese Einstellung gemeinsam zu haben und so einander Kraft zu geben. Das hätten ihnen schon Vater, Mutter und Großeltern trotz manchmal schwieriger Lebensumstände vermittelt, antworteten die Eltern dreier Kinder stets , wenn ihnen wieder einmal für ihr beeindruckendes Engagement gedankt wurde. So gibt es Alfred und Theresia auch auf praktisch allen Rotkreuzfotos der beiden immer gemeinsam zu sehen.
Von der Jungschar zum Roten Kreuz
Summierten sich in 21 Jahre Verpflegungseinsatz bei den Jungschar-Ferienlagern der Pfarre St. Georgen schon hunderte Freiwilligenstunden, so wurde das Rote Kreuz für den früh pensionierten ÖBB-Weichensteller und die gelernte Schneiderin aus Langenstein fast zur zweiten Wohnadresse. 1987 waren sie gemeinsam mit Tochter Karin - kurz darauf stießen Sohn Thomas und später auch Enkel Benjamin dazu - nach einem Erste Hilfe Kurs als Sanitäter "hängengeblieben". Zwei, drei Zwölfstundendienste pro Woche - fast eine Selbstverständlichkeit. Eine Ausbildung zum Strahlenschützer kam für Alfred ergänzend dazu. Der Name Öhlinger stand dann über Jahre hinweg auch am Heiligen Abend oder zu Silvester im Dienstplan. "Weihnachten können wir genauso gemeinsam auf der Dienststelle feiern und dabei ein bisserl auf unsere Mitmenschen aufpassen ", so das familiäre Credo.
Feldkoch aus Leidenschaft
Alfreds handwerkliches Geschick und seine Faible fürs Kochen prägten über 27 Jahre noch eine ganz andere Rotkreuzsparte: Aus einem mit einigen Kollegen selbstgebauten Anhänger wuchs eine hochprofessionelle mobile Feldküche - natürlich wieder von den Öhlingers an vorderster Front betrieben. Anfangs vor allem bei Großambulanzen, RK-Veranstaltungen oder Rettungswettbewerben zur Kollegenverpflegung eingesetzt, sorgten sich häufende Naturkatastrophen wie die beiden Jahrhunderthochwässer 2002 und 2013, die Dramen der Balkankriege und Flüchtlingsströme im neuen Jahrtausend zunehmend für wochenlangen Küchenbetrieb.
Internationaler Katastrophenhelfer
Für Alfred erst recht Motivation, sich noch stärker humanitär einzubringen. Er absolvierte die Ausbildung zum Trinkwasseraufbereiter und wurde bald gefragter Profi auch für internationale Rotkreuz-Einsätze. Diese führten ihn etwa während des brutalen Kosovokonflikts für „Nachbar in Not“ fünf Wochen ins Kriegsgebiet, wo er für 3.500 Geflohene in einem nordalbanischen Lager kochte. Gut 15 Jahre später sorgte er gemeinsam mit Theresia wieder für Kriegsflüchtlinge - dieses Mal für rund 140 junge Syrer in Steyregg.
"Florian"- Landessieger 2015
Anerkennung und Auszeichnungen gab es für Alfred von vielen Institutionen, durch das Land OÖ und natürlich vom Roten Kreuz für sein herausragendes Engagement. Am liebsten waren ihm aber jene, die er gemeinsam mit seiner Frau bekam. So strahlten die beiden um die Wette, als sie im Landhaus zum "Florian 2015" -Sieger gekürt und mit minutenlangen Standing Ovations bedankt wurden. Wohl kaum jemand wäre dieser Ehre würdiger gewesen.
Es ist die unbegreifliche Tragik unseres Lebens, dass jener Mann, der sein ganzes Leben der Humanität gewidmet hatte und noch bis zu seinem 80er im Jahr 2019 aktiver Rotkreuzmitarbeiter war, in seinen letzten Jahren schwer erkrankte. Dass der Helfer an vorderster Front nun selbst auf seine RK-Kollegen und das Team im St. Georgener Agevita Seniorenheim angewiesen war, anstatt einen goldenen Lebensabend genießen zu dürfen.
Am 27. April hörte ein gutes Herz für immer zu schlagen auf. Danke Alfred!
Die Verabschiedungsfeier findet am Dienstag, den 12. Mai 2026 um 10.00 Uhr in der Verabschiedungshalle St. Georgen an der Gusen statt.
Aktuelle Nachrichten aus Perg auf
Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.