Mauthausen
Erinnerung an NS-Widerständler Franz Winklehner und Anna Strasser
- Verena Lorber vom Franz und Franziska Jägerstätter Institut der Katholischen Universität Linz.
- Foto: Diözese Linz/Appenzeller
- hochgeladen von Helene Leonhardsberger
Das Gedächtnisbuch OÖ ist eine jährlich wachsende Sammlung von Biografien von Personen, die im Nationalsozialismus aus den verschiedensten Gründen verfolgt waren oder durch widerständiges Handeln gegen das NS-Regime ihr Leben in Gefahr brachten. Auch die Biografien zweier damaliger Mitarbeiter des Mauthausener Lagerhauses finden sich im Buch und sind online abrufbar.
MAUTHAUSEN, OÖ. Im November 2019 fiel im Linzer Mariendom der Startschuss für das Projekt "Gedächtnisbuch Oberösterreich". Dabei handelt es sich um eine jährlich wachsende Sammlung von Biografien von Personen, die im Nationalsozialismus aus den verschiedensten Gründen verfolgt waren oder durch widerständiges Handeln gegen das NS-Regime ihr Leben in Gefahr brachten. Die Biografien werden dabei von Personen gestaltet, die einen persönlichen, örtlichen oder inhaltlichen Bezug zu ihnen haben. Dadurch werden nicht nur die Geschichten ehemals verfolgter bzw. widerständiger Personen im kollektiven Gedächtnis bewahrt und neue Quellen erschlossen, sondern diese auch in Beziehung zur eigenen Biografie und Gegenwart gesetzt.
Kurzpräsentationen online abrufbar
Das Gedächtnisbuch Oberösterreich liegt ganzjährig im Linzer Mariendom zur Ansicht auf. Ab 2021 wird das Buch auch im Schlossmuseum öffentlich einsehbar sein, um die Biografien jener NS-Verfolgten in die Gedenkkultur des Landes Oberösterreich einzubinden und vor dem „Vergessen“ zu bewahren. Die Präsentation des Gedächtnisbuches musste aufgrund der derzeitigen Covid-19-Einschränkungen abgesagt werden. Das Projekt konnte 2020 dennoch durchgeführt werden. Zum Abschluss präsentieren die diesjährigen Projektteilnehmer in kurzen Videobeiträgen die Lebensgeschichten, mit denen sie sich in den vergangenen Monaten beschäftigt haben. Die Kurzpräsentationen sind online abrufbar:
https://www.youtube.com/channel/UCBfe9A-xPxG9Hpq38l9MoJg/playlists
Die vollständigen Lebenszeugnisse finden sich auf den neuen Seiten im Gedächtnisbuch im Mariendom sowie digital auf der Webseite des Franz und Franziska Jägerstätter Instituts.
https://ku-linz.at/forschung/franz_und_franziska_jaegerstaetter_institut/news/detail/digitale-praesentation-des-gedaechtnisbuches-ooe
Zeitgeschichtsforschung & Familienerinnerung
Mit den diesjährigen Beiträgen nimmt das Gedächtnisbuch OÖ verschiedenste Formen der NS-Verfolgung in den Blick: Opfer des Holocaust, der NS-Euthanasie, der NS-Zwangsarbeit, der politischen und religiösen Verfolgung (Zeugen Jehovas und Priester) werden vorgestellt. Als thematischer Schwerpunkt hat sich Widerstand in Form von Hilfsleistungen für Verfolgte wie Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge herauskristallisiert.
Das Projektteam ist darauf bedacht, in jedem Jahr eine repräsentative und ausgewogene Auswahl an Biografien für das Gedächtnisbuch zusammenzustellen, – das betrifft sowohl die Weltanschauung bzw. Religion, das Geschlecht als auch die Region der Herkunft bzw. des Lebensmittelpunktes. Ein weiteres Charakteristikum dieses Projektes zeigt sich in der großen Breite des Zugangs in der Bearbeitung des jeweiligen Beitrags. Hier profitiert das Gedächtnisbuch von den international vernetzten und professionell betreuten Gedenkstätten in Oberösterreich genauso, wie von einem Netzwerk von Privatpersonen und ehrenamtlichen Initiativen. Das Gedächtnisbuch OÖ repräsentiert somit viele Schattierungen von Gedächtnis – von der professionellen Zeitgeschichtsforschung bis hin zur bruchstückhaften Familienerinnerung.
Franz Winklehner und Anna Strasser
Franz Winklehner wurde am 2. August 1882 in Freistadt geboren und war als Leiter des Lagerhauses in Mauthausen beschäftigt. Menschlich berührt vom Elend der KZ-Häftlinge, die Gleisanschlüsse für das Konzentrationslager bauen mussten, steckte er ihnen Lebensmittel, Zigaretten und kleinere Geldbeträge zu. Von einem SS-Mann ertappt und denunziert, wurde er zunächst zur Gestapo nach Linz gebracht und danach ins KZ Dachau deportiert. Dort starb er am 26. Februar 1940.
Anna Strasser, geboren am 15. April 1921 in St. Valentin, war Sekretärin im Lagerhaus Mauthausen. Sie begleitete die Witwe von Franz Winklehner nach Dachau, damit sie dort von ihrem Mann Abschied nehmen konnte. Daraufhin ging sie selbst in den Widerstand, wurde von einem Gestapo-Spitzel verraten und am 11. September 1944 ins Landesgericht St. Pölten gebracht. Mit knapper Not überlebte sie und kehrte am 4. April 1945 nach St. Valentin zurück. Anna Strasser, im Dezember 1999 zur Ehrenbürgerin der Stadt ernannt, starb am 17. Mai 2010 im Altersheim St. Peter in der Au.
Christian Eder vom Mauthausen Komitee St. Valentin hat mit Unterstützung von Verena Lorber vom Franz und Franziska Jägerstätter Institut die beiden Biografien zum Gedächtnisbuch beigetragen.
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