11.04.2018, 20:00 Uhr

"265 Verunglückte, 147 Schwerverletzte, 4 Tote"

Mit drastischen Zahlen appellieren Anrainer der B119 in drei Gemeinden an Motorradfahrer. Tempolimits werden gefordert.

GREIN, DIMBACH, ST. GEORGEN AM WALDE. "Warum so schnell? Warum so laut? Warum x-mal diese Strecke?" Das fragen sich Hunderte Anrainer entlang der beliebten Biker-Strecke B119 zwischen Grein und Dimbach/St. Georgen.
Seit Jahren werden sie vom Lärm mancher Motorradfahrer gestört. Auch wenn der Großteil vernünftig mit der Maschine unterwegs ist: Es gibt nach wie vor (zu) viele Biker, die ihre Motoren aufheulen lassen und den kurvigen B119-Abschnitt als Rennstrecke missbrauchen. "Es wird gefilmt, gestoppt, Wettrennen oder x-Mal auf- und abgefahren", sagt ein Anrainer. "Wenn sie normal fahren, ist es ja überhaupt kein Thema. Wir bitten nur um Rücksichtnahme." Viele Menschen würden aus Furcht vor der berüchtigten B119 sogar über Güterwege ausweichen. Weil der Lärm in den vergangenen Jahren zur Qual geworden ist, fahre er an schönen Tagen lieber fort, sagt ein Anrainer. Da sie Ärger mit Motorradfahrern befürchten, will keiner der leidgeprüften Betroffenen öffentlich Stellung nehmen.

Plakate aufgestellt

Laut Anrainer-Zahlen gab es auf dem 11 Kilometer langen Abschnitt von Grein bis Dimbach seit 1996 vier Tote, 265 Verunglückte und 147 Schwerverletzte. Das ist auch in großen Lettern auf 36 kürzlich an der Strecke aufgestellten Plakaten zu lesen. Diese Aktion soll zur Bewusstseinsbildung, Eindämmung von Lärm und zu weniger Unfallopfern führen.

636 Unterschriften

Außerdem wandte man sich mit einer von 636 Personen unterschriebenen Petition an die Bezirkshauptmannschaft (BH) Perg. In der Petition werden behördliche Maßnahmen gefordert. "Um die B119 für Raser und Lärmbiker wesentlich unattraktiver zu gestalten", heißt es. Angeregt wird eine 50 km/h-Beschränkung für Motorräder von der Einmündung B3 bis nach der ersten scharfen Rechtskurve nach Grein. Aufgrund der Kreuzungen ergebe sich ein hohes Gefahrenrisiko für alle Verkehrsteilnehmer. Außerdem setzt man sich für die Verlängerung der vor einiger Zeit eingeführten 70 km/h-Beschränkung für Biker von Grein über Dimbach bis nach St. Georgen, Ortsteil Linden, ein. Weitere Forderungen: Fixradar, gerade zu Saisonbeginn tägliche Präsenz von Polizei und Zivilstreife, permanente Lärm- und Dezibel-Messungen und entsprechende Strafen.

70er zeigte Wirkung

Seit dem B119-Neubau 1996 wurde die Strecke für Biker attraktiv. Im Vorjahr ging die Zahl der Verletzten erfreulicherweise zurück. Von Grein bis zur Bezirksgrenze gab es im Vorjahr "nur" acht Motorradunfälle. Im Jahr davor waren es doppelt so viele. Das dürfte mit der 70er-Beschränkung zwischen Grein und Dimbach für Motorräder zusammenhängen.

Das sagen Ortschefs

Tempolimits für Biker? "Die Lärmbelastung ist ziemlich grenzwertig", sagt Greins Bürgermeister Rainer Barth (VP). "Die 70 km/h-Beschränkung von Grein nach Dimbach für Motorradfahrer hat etwas gebracht. Ich glaube, dass ein 50er im Bereich Grein sinnvoll wäre, nicht nur wegen des Lärms. Es gibt mehrere Ausfahrten, im Bereich Altstoffsammelzentrum sind viele mit dem Anhänger unterwegs. Ich halte auch die Verlängerung des 70ers bis St. Georgen am Walde für sehr sinnvoll." Josef Wiesinger, Bürgermeister von Dimbach (VP): "Den 70er bis St. Georgen fordere ich seit Jahren. Viele Unfälle scheinen in der Statistik nicht auf."

Anrainer Forderungen werden jetzt geprüft

"Ich kann nachvollziehen, dass die Lärmbelastung sehr hoch ist", sagt Christina Pilsl von der Bezirkshauptmannschaft Perg. "Die B119 steht immer unter strenger Beobachtung. 80 Prozent der Motorradfahrer, die die Polizei kontrolliert und wahrnimmt, sind ganz normale Fahrer." Pilsl weiter: "Es wird eine Evaluierung geben, ob Geschwindigkeitsbeschränkungen erforderlich sind. Als Grundlage für eine behördliche Verordnung brauche ich ein verkehrstechnisches Gutachten, zum Beispiel, dass es sich um eine besondere Gefahrenstelle handelt, Sichtweiten fehlen oder Lärmbelastung." Der 70er zwischen Grein und Dimbach wurde erlassen, weil es sich um eine Unfallhäufungsstelle handelt. "Wir prüfen jetzt, ob diese Voraussetzungen auch für Dimbach bis St. Georgen vorliegen könnten." Mit den Gemeinden wurde vereinbart, dass diese "Dunkelziffer-Unfälle" melden. Zum Thema 50er in Grein für Biker: "Es wird Geschwindigkeitsprofile geben und es wird geprüft, ob die Sichtweiten für den 70er im Bereich der Kreuzung Altstoffsammelzentrum gegeben sind." Auch die Lärmbelastung und die Möglichkeit eines Fixradars werden unter die Lupe genommen. Die Polizei werde weiterhin starke Präsenz zeigen.
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