17.04.2017, 00:43 Uhr

Offener Brief an Herrn Landesrat Hiegelsberger

Sehr geehrter Herr Landesrat Hiegelsberger!

Eine Familie in Bad Kreuzen betreibt eine Bio-Landwirtschaft, Fam. Gabriela und Martin Kurzmann. Sie haben 2 Kinder und leben im Vollerwerb vom Hof. Nicht zufällig schaue ich genau hin und stelle mir vor, so kann zu einem guten Teil Landwirtschaft funktionieren: Als vollwertiger Arbeitsplatz für mindestens 2 Familienmitglieder im Vollerwerb, als Produzent hochwertigster Bio-Lebensmittel, als kulturelle Einheit, als Ort wo Jung und Alt in Gemeinschaft leben, ein Platz der dem ländlichen Raum eine ganz spezielle Färbung gibt.

Darüber hinaus stelle ich mir vor, die Politik hat einen feinen Sinn dafür, welche Facetten und Varianten Landwirtschaft zu bieten hat, welche Unterschiede in den Vierteln des Landes zu bemerken sind und welche Wege in Zukunft dem entsprechend möglich und sinnvoll sind? Die Art und Weise der Fam. Kurzmann, denke ich mir, ist den Visionären des Bauernbundes schon aufgefallen ...

Dann Schnitt und ein anderes Bild drängt sich in den Vordergrund: die Fam. Kurzmann muss offenbar mit Monatsende den Hof zusperren, weil es nicht möglich ist, einen Milch-Liefervertrag zu erhalten. Was ist passiert und was hat das mit Politik zu tun?

Sie, lieber Herr Landesrat Hiegelsberger, bringen zitiert in der Perger Rundschau ihr Bedauern zum Ausdruck, für jeden Bauern der aufgeben muss. In diesem Fall sehen sie eine Unternehmensentscheidung der Genossenschaften, die von der Politik klar zu trennen ist.

Ich stimme Ihnen zu, wenn es heißt, eine Trennung zwischen Politik und Genossenschaft wäre notwendig. Ich stimme Ihnen nicht zu, wenn Sie die Zuständigkeit der Politik nicht anerkennen und daher nicht wahrnehmen. Es handelt sich offensichtlich um keine wirtschaftliche Entscheidung, dazu sind die Milchmengen der Fam. Kurzmann zu gering. Der Milchtransporter fährt zudem 10 m vor der Hoftür vorbei. Es geht um eine zutiefst politische Entscheidung und darüber hinaus um ein gesellschaftliches Leitbild: Wie stellen Sie sich Landwirtschaft in Zukunft vor? Teilen Sie mein Bild von oben oder haben Sie andere Vorstellungen?

Ich stelle fest, dass es sich in der Causa IG-Milch Bauern ohne Liefervertrag um eine Frage handelt, welche die Politik fordert, wo es darüber hinaus um eine grundlegende Vision geht, wie die Landwirtschaft der Zukunft wenigstens zum Teil sein könnte.

Aus den angeführten Motiven heraus, möchte ich Sie bitten, mitzuteilen, wie Sie zum angesprochenen Problem stehen und ob das Konzept der Fam. Kurzmann zukunfstweisend oder verzichtbar ist. Darum möchte ich Sie dringend bitten, denn die Natur der Sache erfordert einen strikten Zeitplan. Es ist schon zu viel Zeit vergangen, ohne das Problem einer Lösung näher zu bringen. Wo die Wirtschaft und übertriebenes Kaufmannsdenken Menschen ihre Existenz nimmt, ist seit jeher die Politik gefordert. Ich bitte Sie daher um eine problemlösungsorientierte Rückmeldung. Landwirtschaftliche Betriebe werden auf einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten ausgerichtet, sodass eine notwendige Schließung innerhalb weniger Wochen völlig unangemessen wäre.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Josef Breinesel, Grein
3
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.