Liebhaber wurde zum Erpresser

Richter Markus Grünberger
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REGION (ip). Mit mehreren 10.000 Euro soll eine Frau aus dem Pielachtal ihren wesentlich jüngeren Liebhaber finanziell unter die Arme gegriffen haben. Als sie auf Druck ihres Ehemannes, von dem sie mittlerweile geschieden ist, das Verhältnis mit dem mehrfach vorbestraften Mann beenden wollte, versuchte dieser, sie zu erpressen.

Ehemann drohte mit Gewalt

Der 25-Jährige lernte die Frau 2014 über Facebook kennen. Seiner Aussage nach habe er eine „innige Beziehung“ mit ihr gehabt. Als der Ehemann dahinter kam, wollte er einerseits das Geld zurück, andererseits drängte er seine Frau, die Beziehung zu beenden. Für den, vor allem durch Gerichts- und Polizeistrafen verschuldeten Liebhaber, war damit der Geldhahn zugedreht. In der Folge drohte er, dem Ehemann mit „Knochen brechen“, von der Frau verlangte er 15.000 Euro, andernfalls würde er ihre Affäre samt intimer Details veröffentlichen. Daraufhin erstattete der Ehemann Anzeige.
Zwischen Februar und Juni 2017 war Funkstille, danach kam es wieder zu Kontakten und schließlich verbrachte man die Nacht vor dem Haftantritt des 25-Jährigen, der zuletzt wegen gefährlicher Drohung und Körperverletzung seiner Lebensgefährtin zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden war, gemeinsam.

Schwerer Unfall in Wien

„Liebe macht bekanntlich blind“, meinte der St. Pöltner Staatsanwalt Leopold Bien im Prozess gegen den Beschuldigten. „Es war sein Bestreben, sein Opfer davon abzuhalten, seine Existenzgrundlage zu vernichten“, erklärte Bien, der dem Angeklagten auch den unbefugten Gebrauch eines Fahrzeuges zur Last legte. Demnach hatte ein Bekannter des 25-Jährigen seinen Autoschlüssel in der Wohnung des Beschuldigten vergessen, der in der Folge ohne Führerschein und betrunken mit dem Wagen von St. Pölten nach Wien fuhr und am 19. März dieses Jahres einer 18-jährigen Schülerin das Lenken des Fahrzeuges überließ. Ebenfalls mit 1,25 Promille alkoholisiert und ohne Führerschein verursachte das Mädchen einen Unfall beim Abgang zu einer Wiener U-Bahn Station, wobei die Insassen des Fahrzeuges, darunter auch der 25-Jährige, teilweise schwer verletzt wurden.
„Das zeigt einen massiven Charaktermangel“, wertete Richter Markus Grünberger das Verhalten des Mannes gegenüber der Pielachtalerin, die ihm jedoch offensichtlich alles verziehen hatte, ihn derzeit regelmäßig im Gefängnis besucht und auch weiterhin eine Beziehung mit ihm haben möchte. Die versuchte Erpressung unterscheide sich damit, laut Grünberger, deutlich von anderen. An den 25-Jährigen gewandt, meinte der Richter: „Es war nicht besonders clever, alle Drohungen schriftlich zu verfassen!“ Er verurteilte den Angeklagten zu einer Zusatzstrafe von 18 Monaten, womit sich die gesamte noch zu verbüßende Haftzeit des Mannes auf dreieinhalb Jahre erhöht (rechtskräftig).

Richter Markus Grünberger
St. Pöltner Staatsanwalt Leopold Bien

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