16.04.2018, 18:57 Uhr

Ein Biber im Garten in Purgstall

Mit dem Biber leben: Nicht der Biber dringt in unseren Lebensraum ein, sondern umgekehrt. Wir sollten uns mit ihm arrangieren. (Foto: Bernhard Schön)

Der Biodiversitätsforscher Ernst Hüttinger aus Purgstall beherbergt einen Biber als Gast in seinem Garten.

PURGSTALL. Ernst Hüttinger, der sich unter dem Motto "Biodiversity Research Project" der Erforschung der Vielfalt der Natur widmet, ist entrüstet: Von der Marktgemeinde Purgstall ist ein Schreiben an die Anrainer an der Erlauf eingegangen, in dem es heißt, der Biber triebe hier sein "Unwesen" – die Aussage macht dem Naturkundler zu schaffen, denn er teilt seit einiger Zeit seinen Garten am Erlaufufer mit dem größten Nagetier Europas.

"Der Mensch ist der Eindringling"

"Nicht der Biber ist in den Aufenthaltsbereich des Menschen eingedrungen, sondern der Mensch in den Lebensraum des Bibers. Aus diesem Grund hat sich meiner Meinung nach der Mensch an die von Natur aus vorhandene Kreatur anzupassen", bringt es Ernst Hüttinger sofort auf den Punkt.

Biber sind sogar sehr hilfreich

Das Ökosystem "Fluss" bestehe laut Hüttinger nicht nur aus Wasser, Geschiebe und Fischen, sondern auch aus dem Ufer mit seinem Bewuchs. Dies hat wiederum zur Folge, dass auch die gesamte Tierwelt, die im Uferstreifen lebt, Teil dieses komplexen Systems ist. "Der Uferbewuchs hat sich zum Rohstoff für die ,Hackschnitzel-Mafia‘ entwickelt, die dieses Ökosystem nachhaltig schädigt. Durch die komplette Rodung der Ufer erhält der Fluss ein Vielfaches an Sonneneinstrahlung, was sich auf den Sauerstoffgehalt des Gewässers und damit auf die Lebewesen im Gewässer auswirkt. Der Biber hingegen könnte sogar dabei helfen, der durch die Kraftwerke geschädigten Erlauf einen Teil der ökologisch notwendigen Struktur zurückzugeben. Vom Biber gefällte Bäume könnten die zurzeit nicht mehr vorhandene grobe Geschiebestruktur im Fluss wiederherstellen", sagt Hüttinger.

Biber waren einst in ganz Europa verbreitet

Der Europäische Biber ist das größte Nagetier Europas und war ursprünglich in weiten Teilen des Kontinents verbreitet. Er erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 80 bis 102 Zentimetern und eine Schwanzlänge von bis zu 35 Zentimetern. Ausgewachsene Europäische Biber wiegen zwischen 23 und 30 Kilogramm. Wie alle Biber leben sie semiaquatisch und bewohnen Gewässer und deren Uferbereiche. Jagd und Lebensraum-Zerstörung führten bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur kompletten Ausrottung in ganz Europa.
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Andrea Buchebner aus Scheibbs | 16.04.2018 | 19:03   Melden
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Roland Mayr aus Scheibbs | 17.04.2018 | 12:27   Melden
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