28.11.2016, 14:48 Uhr

Redakteure in der Grube in Wieselburg-Land

Die Redakteure Roland Mayr und Daniel Butter begeben sich bei den archäologischen Ausgrabungen entlang der künftigen Umfahrung Wieselburgs auf die Spuren der alten Römer. (Foto: Günter Morschhauser)

Roland Mayr und Daniel Butter begeben sich mit Archäologen auf Schatzsuche im Grenzgebiet der Bezirke.

WIESELBURG-LAND/BERGLAND. Wir machen uns auf zum Fundort der "Villa Rustica" – einem großen landwirtschaftlichen Gutsbesitz aus der römischen Kaiserzeit, der im Zuge der Bauarbeiten an der Umfahrung Wieselburg entdeckt worden ist. Dort wurden die Fundamente der einstigen Siedlung, Brunnen und die Überreste eines Kinderskeletts ausgegraben, und obwohl man wenig über das Leben der Bewohner in den ländlichen Provinzen der alten Römer weiß, erscheinen vor dem geistigen Auge zahllose Bilder des dörflichen Lebens aus einer längst vergangenen Epoche, wenn man in der Ausgrabungsstätte steht.

Die Vorbereitungsarbeiten

Gleich zu Beginn erklärt der archäologische Leiter Gottfried Artner, wie dankbar er für die tolle Zusammenarbeit mit dem Land NÖ sei und freut sich, dass die Straßenbauabteilung großes Interesse an den geschichtlichen Hinterlassenschaften unserer Vorfahren zeige. Die ersten Voruntersuchungen – unter anderem Geländebegehungen und Luftbildaufnahmen – sind bereits im Vorfeld durchgeführt worden, um sich ein Bild über die potenzielle Fundstelle zu machen und die eigentliche Grabung besser planen zu können. Auch die Pflugschicht des Oberbodens ist schon von einem Bagger abgetragen worden.

Vom Verdacht zur Fundstelle

Besonders die nächste Phase stellt für jeden Archäologen eine große Herausforderung dar, da er zu Beginn absolut nicht weiß, was er finden und welcher Erhaltungszustand im Detail vorliegen wird. In diesem Fall können die Altertumsforscher jubeln: Die Verdachtsfläche ist zur Fundstelle mutiert.

Besonders penibles Arbeiten

Nach dieser ersten Einschulung durch die Forscher, geht es für uns nun endlich ans "Eingemachte" und wir beteiligen uns an den Ausgrabungsarbeiten. Dabei ist besonders penibles und vorsichtiges Arbeiten erforderlich, um die Funde und deren Umgebung nicht zu beschädigen. Aber Archäologie ist auch harte "Knochenarbeit": So muss man unzählige Scheibtruhen auch bei Schlechtwetter durch die Gegend lenken und alle Tätigkeiten von Hand durchführen, da ein maschineller Einsatz die Artefakte und auch die Fundstelle selbst beschädigen könnte.

Die Funde "sprechen" zu uns

Jeder Fund, sei er auch noch so unspektakulär, kann den Forschern, je nach Lage der Fundstelle beziehungsweise im Vergleich mit anderen Grabungsstätten, völlig neue Einblicke eröffnen. Als wahres "Eldorado" eines jeden Archäologen entpuppen sich einstige Müllplätze, da Abfälle, wie Tierknochen, wertvolle Erkenntnisse in die Lebensverhältnisse der einstigen Bewohner offenbaren.
Die eigentliche archäologische Arbeit beginnt aber im Prinzip erst nach der Grabung. Das Fundmaterial muss nach der Ausgrabung klassifiziert und im Labor anhand modernster Techniken nach Material und Alter zugeordnet werden. Besondere Wichtigkeit hat auch die Interpretation der Fundstücke und vor allem die darauffolgende Publikation, um wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse über das Landleben zur Römerzeit der breiten Öffentlichkeit nicht vorzuenthalten.
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