Simmering
So leben Wiens Fiakerpferde

Am Fiakerhof in Simmering verbringen die Pferde ihre Zeit, wenn sie nicht gerade in der Wiener Innenstadt ihre Runden gehen.
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  • Am Fiakerhof in Simmering verbringen die Pferde ihre Zeit, wenn sie nicht gerade in der Wiener Innenstadt ihre Runden gehen.
  • Foto: Raphael Berthold/ Riding Dinner
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Wer schon immer wissen wollte, wo es für Wiens Fiakerpferde nach Feierabend hingeht, der muss bloß einen Blick nach Simmering werfen. 

WIEN/SIMMERING. Lautes Wiehern, Hufgeklapper und Stallgeruch – diese Eindrücke strömen auf einen ein, wenn man sich der Rappachgasse 34A nähert. Hier leben auf dem Hof von Johann Paul bis zu 26 Fiakerpferde, die gepflegt, gefüttert und auf ihre Arbeit als Kutschenpferde vorbereitet werden. 

"Wir wurden immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert und somit entstand die Idee, den Leuten vor Ort zu zeigen, wie es wirklich abläuft", erzählt Marco Pollandt. Gemeinsam mit seinem Kollegen Raimund Novotny gründete er 2017 "Riding Dinner". Dabei kann man bei einer Kutschenfahrt zugleich Wiens kulinarische Spezialitäten genießen. Mit den Führungen auf dem Hof bieten sie zusätzlich einen Einblick hinter die Kulissen. Der Grundgedanke dahinter lautet: Vorurteile zur Haltung von Pferden abzubauen und die Menschen darüber aufzuklären, was diese Tiere brauchen, um ein gutes Leben zu führen. Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte, wie Wiens Fiakerpferde leben, der ist hier richtig.

Der Arbeitsalltag der Pferde

Bei Fiaker Paul handelt es sich um den größten der insgesamt 21 Fiakerhöfe in Wien. 85 Pferde zählen dazu, die einerseits vom Simmeringer Hof aus in der Wiener Innenstadt zur Arbeit gehen, oder auf dem Hof in Meidling; von dort aus werden sie in Schönbrunn eingesetzt. Als einziges Wiener Fiakerunternehmen hat die Firma Paul nämlich die Lizenz für Rundfahrten auf dem Gelände des Schloss Schönbrunn. 

Bevor die Kutscher kommen, werden die Pferde im Stall sauber gemacht und gestriegelt.
  • Bevor die Kutscher kommen, werden die Pferde im Stall sauber gemacht und gestriegelt.
  • Foto: Raphael Berthold/ Riding Dinner
  • hochgeladen von Hannah Maier

Gegen 6 Uhr Früh geht es für die Stallburschen in Simmering schon los mit der Arbeit: Die Pferde werden gestriegelt, gewaschen und auch die Kutschen vorbereitet. Allmählich treffen dann die Kutscher ein, beginnen die Pferde aufzuzäumen und gegen 9.30 Uhr werden die Pferde eingespannt. Dann beginnt die Fahrt in die Innenstadt zum Michaelerplatz und Stephansplatz. Gegen 22 Uhr kommen die Pferde dann wieder zurück in den 11. Bezirk und werden in die Boxen gebracht.

Wer bei zehn Stunden Arbeit am Tag Bedenken bekommt, der muss wissen, dass Pferde einen anderen Zyklus als Menschen haben, weniger Ruhephasen brauchen und nicht mehr als vier Stunden am Tag schlafen.

Tierschutz an oberster Stelle

"Wir möchten zeigen, dass Tierschutz hier ein selbstverständlicher Teil unserer Arbeit ist", so Pollandt. Die Fiakerpferde dürfen vier Tage in der Woche arbeiten – drei Tage müssen sie frei haben (so steht es im Tierschutzgesetz). Darüber hinaus erhalten die Pferde einen regelmäßigen Koppelgang und Urlaub auf dem Pferdehof in Göttlesbrunn, Niederösterreich.

Hier verbringen die Pferde später ihre Pension und auch ihre sieben Wochen Urlaub im Jahr. Allerdings nicht an einem Stück, denn Fiakerpferde sind viel Bewegung gewohnt, eine zu lange Pause würde zum Muskelabbau führen. Das war auch in der Coronakrise eine Herausforderung, denn trotz ausbleibender Fahrten mussten die Pferde in Bewegung bleiben.

Die Führungen finden immer am Wochenende in der Früh statt.
  • Die Führungen finden immer am Wochenende in der Früh statt.
  • Foto: Raphael Berthold/ Riding Dinner
  • hochgeladen von Hannah Maier

"Für die Kutscher sind die Pferde wie ein Teil ihrer Familie", erzählt Pollandt, der selbst die Kutscherausbildung absolviert hat. Auf dem Simmeringer Hof lebte auch Pferd Nelson, das Ende Mai in der Innenstadt verendete, Grund war ein Aortariss. Die Bedenken und Sorgen von Tierschützern versteht Pollandt; trotzdem würde er sich wünschen, dass die Fiakerfahrer in ihrem Arbeitsalltag weniger Anfeindungen erleben: "Das Problem ist, dass vielen Menschen, das Wissen zu den Tieren und der Haltung fehlt, da versuchen wir aufzuklären."

Vorurteile und Aufklärung

Vielfach kritisiert wird etwa, dass die Pferde bei hohen Temperaturen in der Stadt gehen müssen. Ab 35 Grad haben die Tiere hitzefrei, das ist gesetzlich vorgeschrieben. "Grundsätzlich ist es so, dass Pferde sowohl kalte als auch warme Temperaturen gewohnt sind. Wenn Pferden heiß ist, sie Angst oder Stress haben, sieht man das, denn dann beginnen sie stark zu schwitzen", erklärt Pollandt.

Eine weitere verbreitete These ist, dass die Scheuklappen dazu dienen, den Pferden den Stress durch den Autoverkehr zu nehmen. Auch das stimmt nicht: Schon wenn die Pferde am Hof aufwachsen sind sie motorisierte Fahrzeuge gewöhnt. Die Scheuklappen dienen dazu, dass der Kutscher einem Pferd Befehle geben kann, ohne dass es das zweite daneben mitbekommt.

Auf das Wohl der Pferde wird bei Fiaker Paul Wert gelegt.
  • Auf das Wohl der Pferde wird bei Fiaker Paul Wert gelegt.
  • Foto: Raphael Berthold/ Riding Dinner
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Stallführung und Fiakerfahrt inklusive

"Besonders von Familien und Kindern werden unsere Besichtigungen gut und gern angenommen", erzählt Pollandt, der oft selbst den Part des Führers übernimmt. Die Tour findet am Wochenende in der Früh statt, bei Anfrage auch unter der Woche und dauert insgesamt 90 Minuten. Bei der Besichtigung der Stallführungen erfährt man alles Wissenswerte über die Geschichte der Wiener Fiaker und Tierschutz und erlebt die Morgenarbeit am Hof live mit. Danach geht es mit einer Fiakerfahrt von dem Stall in die Innenstadt.

Alle Informationen und Buchungstermine finden sie hier.

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