Hafen Wien
Universität Wien präsentiert kritische Studie zur Geschichte

Bei einer Pressekonferenz wurden die Ergebnisse der Studie präsentiert. | Foto: Hafen Wien
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Der Hafen Wien, verteilt auf die Standorte in Albern, Freudenau und der Lobau, feiert heuer sein 60-jähriges Bestehen. Nun veröffentlichte das Institut für Zeitgeschichte an der Universität Wien eine Studie zu seiner Rolle während des 2. Weltkriegs.

WIEN/SIMMERING/LEOPOLDSTADT/DONAUSTADT. Wien soll zum "Hamburg des Ostens" werden – so lautete zumindest der Plan der Nationalsozialisten. Dieses Ziel sollte durch den Ausbau der bestehenden Standorte des Hafen Wiens erreicht werden.

Heuer feiert der Hafen Wien, der sich in Albern, Freudenau und der Lobau befindet, sein 60-jähriges Jubiläum. Pünktlich dazu wurde nun ein Historikerbericht vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien präsentiert, der den Ausbau des Wiener Hafens in der NS-Zeit beleuchten soll.

Dabei wurde das Ganze von der Wien Holding in Auftrag gegeben. "Die Studie ist eine kritische Analyse zur Geschichte nationalsozialistischer Ausbeutungspolitik von über tausend Zwangsarbeitern und Sklavenarbeitern auf dem Gelände des heutigen Hafen Wien“, so Oliver Rathkolb, Projektleiter und Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte.

Erster Hafen in Freudenau

Im Jahre 1875 wurde zwischen der Nordwestbahnbrücke und der Freudenau ein Stromhafen gegründet. Dabei handelte es sich nicht um einen Hafen nach heutigem Verständnis, sondern um ein zwölf Kilometer langes Ländenareal, an dem die Dampfschiffe angelegt haben. Auf Dauer konnte der Hafenbetrieb dort nicht abgewickelt werden, auch weil im Winter die Schiffe nicht vor dem Eis der Donau geschützt waren.

Ein Archivbild vom Hafenstandort in Freudenau. | Foto: Archiv Hafen Wien
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Ende des 19. Jahrhunderts wurde daher die Idee geboren, den Hafen Wien als Wirtschaftsgelände zu errichten. Der Hafen Freudenau, wie man ihn heute kennt, entstand im Jahre 1899. 1939 wurde dann mit den Hafenbauarbeiten in Albern und der Lobau begonnen. Die Wiener Hafenbetriebsgesellschaft, so wie sie heute besteht, wurde allerdings erst 1962 gegründet.

NS-Regime plante Ausbau für Kriegszwecke

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an Deutschland im März 1938 begann man in Wien mit den Planungen für einen neuen Hafen, um die Industrialisierung zu fördern. Von großer Bedeutung für den Krieg war auch das Getreide, das zum Großteil über die Donau aus dem Südosten importiert wurde. Hierfür wurden in den nächsten Jahren fünf Getreidespeicher in Albern gebaut. Das Historikerkomitee fand heraus, dass mehr als 700 zivile Zwangsarbeiter und eine unbekannte Anzahl an Kriegsgefangenen dabei zum Einsatz kamen.

Die Errichtung eines Getreidespeichers in Albern 1941. | Foto: Archiv Hafen Wien
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In der Lobau hatten die NS-Machthaber andere Pläne: Hier sollte der Oder-Donau-Kanal einmünden. Nachdem im Herbst 1939 die Planungen für den Wiener Abschnitt abgeschlossen waren, begannen die Bauarbeiten an der Mündung des Kanals in die Donau, einem daran angeschlossenen Hafenbecken sowie einer Wasserstraße, die der Trasse des Kanals nach Nordosten folgte.

Erdöl als "Gold im 2. Weltkrieg"

Am ersten Hafenbecken des Oder-Donau-Kanals baute man zwischen 1940 und 1943 einen „Ölhafen“. Das Deutsche Reich war für seinen Angriffskrieg auf Erdölvorräte angewiesen. Um diese auszubeuten, forcierte man nicht nur die Förderung, sondern siedelte in der Lobau auch eine große Raffinerie an – die "Ostmärkischen Mineralölwerke". Sie sollten Öl zu Treibstoff verarbeiten und entwickelten sich zu einer der wichtigsten Raffinerien NS-Deutschlands. Auch hier wurden für den Aufbau des Hafengeländes in der Lobau rund 1.200 Arbeiterinnen und Arbeiter eingesetzt – darunter arbeiteten 943 unter Zwang. Die kriegsbedingte Mangelwirtschaft verzögerte allerdings die Arbeiten, die Luftangriffe der Alliierten brachten sie zum Erliegen. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs waren lediglich die Einmündung, das Hafenbecken und drei Teilstücke fertiggestellt.

Die Betonierung der Ankerplatte für die Spundwandverankerung zwischen 1940 und 1941. | Foto: Archiv Hafen Wien
  • Die Betonierung der Ankerplatte für die Spundwandverankerung zwischen 1940 und 1941.
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Mangelnde Quellen erschwerten laut dem Historikerkomitee die Recherche zu den eingesetzten Arbeiterinnen und Arbeitern. Da die nicht-jüdischen zivilen Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter sozialversicherungspflichtig waren, konnte anhand der Daten der zuständigen Krankenkasse einiges abgelesen werden.

Die Studie zeigt, dass die Todesrate unter den jüdischen Arbeitskräften besonders hoch war. Zeitzeugen-Erinnerungen legen zudem nahe, dass nur ein Bruchteil der Todesfälle protokolliert wurde. "Erfolgreiche Unternehmen betrachten nicht nur ihren wirtschaftlichen Wirkungskreis kritisch, sondern blicken auch auf ihre historische Verantwortung. In diesem Sinn beauftragte der Hafen Wien, der heuer sein 60-jähriges Jubiläum feiert, ein unabhängiges, externes Experten-Team mit einer Rückschau auf seine Vergangenheit im 2. Weltkrieg", so Kurt Gollowitzer, Geschäftsführer der Wien Holding.

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