15.06.2017, 18:03 Uhr

Neuauflage des Bücherbusses in Wels

Bildungsstadtrat Johann Reindl-Schwaighofer wünscht sich, dass die Bücher möglichst schnell auch wieder mobil verfügbar sind. (Foto: Stadt Wels)

Mit neuem System soll mobile 
Literaturversorgung in den Stadtteilen eingeführt werden.

WELS. Nach vielen Debatten mit allen im Gemeinderat vertretenen Fraktionen über einen neuen Bücherbus der Stadt Wels, stimmten am 6. Juni 2017 im Kultur- und Bildungsausschuss alle dafür. Mit der Anschaffung einer neuen Fahrbibliothek wurde auch die Einführung eines neuen Systems der mobilen Literaturversorgung vereinbart.
Ähnlich wie in Graz und München, wird die Welser Stadtbücherei ab dem Schuljahr 2018/19 Themenpakete und Literaturboxen für Schulen und Kindergärten anbieten. Wenn auch der
 Gemeinderat am 3. Juli grünes Licht gibt, können noch im Sommer die Ausschreibungen vorbereitet werden. In etwa einem Jahr sollte dann das gesamte Paket zur Verfügung stehen. Die Kosten für den Bücherbus, die Erneuerung der Haltestellentafeln sowie Anschaffung der Themen- und Literaturboxen werden laut derzeitigem Stand rund 500.000 Euro betragen. Wobei Fahrzeug und Umbau zum Bücherbus mit rund 400.000 Euro veranschlagt sind. Der übrige Betrag wird für die Neuausstattung mit Büchern und Medien aufgewendet. Insgesamt sollen sich im fertigen Bus rund 4.500 Bücher, DVDs und andere Medien befinden.
„Das ist keine Fortschreibung des alten Bücherbus-Systems, sondern eine Weiterentwicklung der mobilen Literaturversorgung in den Stadtteilen, von Schulen und Kindergärten“, betont der für Bildung und Kultur zuständige Stadtrat Johann Reindl-Schweighofer.

Neuanschaffung war beste Lösung

Der alte Bus musste im August 2015 wegen technischen Mängeln aus dem Verkehr gezogen werden. Seitdem Diesem wurde im überparteilichen Arbeitskreis zur mobilen Literaturversorgung der Welser Stadtteile viel beraten. Auch Alternativen, wie eine Wiedererrichtung von Stadtteilbibliotheken, Kooperationen mit Partnerbetrieben, bis hin zu verschiedenen Formen von mobilen Bibliotheken wurden in Betracht gezogen.
Im Dezember 2016 beschloss der Gemeinderat die Prüfung von Alternativen zum klassischen Bücherbus darunter: LKW-Fahrgestell mit Aufbau, kleinerer City-Bus-Transporter, gebrauchter Überlandbus, gebrauchter, umgebauter Bus. Nach der Abwägung aller Vor- und Nachteile, fiel die Entscheidung auf einen neuen, fertig ausgebauten Bücherbus, als flexible und am besten für Wels geeignete Variante. „Der Bücherbus ist ein Event für Kinder und soll in Zukunft verstärkt bei Veranstaltungen zur Leseanimation zum Einsatz kommen“, so Stadtrat Reindl-Schwaighofer.

Lokalaugenschein in München und Graz

Die von Stadtrat Reindl-Schwaighofer eingesetzte Arbeitsgruppe besichtige mit Vertretern aller Fraktionen innovative Bibliothekssysteme in München und Graz. In beiden Städten leistet man sich trotz fortschreitender Digitalisierung moderne Bücherbus-Flotten mit Leseanimateuren, die Orientierung im Informationsdschungel geben und fährt damit nicht nur zu Schulen, Horten und Kinderbetreuungseinrichtungen, sondern auch in Stadtrandgebiete.
Die in Wels geplante Neuauflage einer mobilen Fahrbibliothek stellt vor allem in Kombination mit den Literatur- und Themenpaketen eine sinnvolle Ergänzung zu den Schul- und Kindergartenbibliotheken dar. Themenpakete könnten laut Reindl-Schwaighofer beispielsweise die Eiszeit thematisieren. Die Literaturpakete werden Exemplare eines bestimmten Buches in Klassenstärke samt Begleitmaterial beinhalten. Der Stadtbücherei bringt dieses neue Serviceangebot zusätzliche Entlehnungen und soll Kinder bereits frühzeitig mit dieser Bildungseinrichtung vertraut machen.

Haltestellen als soziale Knotenpunkte

Da es in Wels keine Zweigstellen der Stadtbibliothek mehr gibt, ist die mobile und flächen-deckende Versorgung der Stadtteile mit Literatur und Medien ein wichtiger Teil des neuen Bücherbus-Konzeptes mit sozial-integrativer Funktion. Das kommt vor allem Senioren und Personen mit eingeschränkter Mobilität zugute, denn die Haltestellen sind auch soziale Knotenpunkte, wo nicht nur Medien ausgetauscht werden können, sondern auch Informationen. Geplant sind wöchentliche Stopps in allen Stadtteilen zu fixen Zeiten. Bildungsstadtrat Reindl-Schwaighofer möchte, dass sich der Bücherbus zu einer fahrenden Kommunikationsdrehscheibe für die Bevölkerung im jeweiligen Grätzl entwickelt, wo man soziale Kontakte pflegen kann.

Geplante Haltestellen
Noitzmühle (Fichten-/Eibenstraße)
Gartenstadt (Flemingstraße/Billrothstraße)
Vogelweide (Eiselsbergstraße)
Laahen (Haltestelle wird erst festgelegt)
Höllwiesen (Sudetenstraße/Grieskirchner Straße)
Neustadt (Flurgasse – Alten- und Pflegeheim)
Pernau (Knorrstraße – betreutes Wohnen)
Pernau (Haidlweg - Pfarrkirche)

Ein langwieriger Prozess

Dafür, dass mit der Anschaffung des Bücherbusses nicht nur die Lesekompetenz der Welser Kinder und Jugendlichen erhöht, sondern überdies die Versorgung der Stadtteile mit Medien sichergestellt werden soll, gibt es Zuspruch von FPÖ-Gemeinderat Gunter Haydinger. "Es freut mich persönlich sehr, dass in dem neuen Konzept auch langjährige freiheitliche Forderungen berücksichtigt wurden. So soll künftig die Zusammenarbeit mit den Kindergärten und Pflichtschulen verstärkt werden - mit dem Ziel, Lesefreude zu wecken, Lesedefizite auszumerzen und somit selbständiges Lesen zu fördern“, so Haydinger.
Auch für ÖVP-Fraktionsobmann Markus Wiesinger ist die Neuanschaffung des Bücherbusses Grund zur Freude. Wiesinger bemängelt jedoch die langen Entscheidungsprozesse in der Welser Politik. Demnach sei lange Zeit über einen von Stadtrat Reindl-Schweighofer geforderten E-Reader Verleihservice diskutiert worden, von dem aber jeder wegen der hohen Kosten und möglicher Defekte dringend abgeraten habe. Auch die Verteilung mittels zweier kleiner PKW-Bussen habe sich aufgrund der geringen Nutzlast als komplett ungeeignet erwiesen. "Alle Fraktionen, die sich jetzt über den Bücherbus freuen und diesen als ihren Erfolg verkaufen, müssen sich ernsthaft die Frage stellen, ob mit etwas Willen dieser Bus nicht schon längst in Wels fahren könnte. Vom Beschlussantrag im Jahr 2015 bis jetzt hat sich an der Konzeption nichts geändert – außer, dass zwei Jahre vergangen sind, der Bus etwas teurer wird und viel Zeit speziell zur Förderung der Lese- und Medienkompetenz von Kindern und Schülern verloren gegangen ist", so Wiesinger.

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