20.07.2016, 14:59 Uhr

Jetzt schießen die Pilze aus dem Boden

Die Schwammerlsuche ist eine Leidenschaft, die mitunter schon früh geweckt wird. (Foto: Ramona Heim/Fotolia)

Schwammerlsaison: Neben der Giftigkeit der Pilze gibt es auch rechtliche Vorgaben, die zu beachten sind.

BEZIRKE (raa). Festes Schuhwerk, waldgerechte Kleidung, ein Korb und ein Messer. Mehr benötigt der passionierte Schwammerlsucher für seine große Leidenschaft nicht. Es ist ein Hobby, das in den wenigen Wochen im Sommer von immer mehr Menschen geteilt wird. Mitunter werde es fast zur Sucht, wie ein lieber anonym bleibender Mitvierziger gesteht. "Meine Großmutter hat mich schon mit fünf Jahren mit in den Wald genommen, und irgendwann später hat mich die Sammelwut dann auch voll erwischt." Stundenlang ist dieser "Schwammerl-baron", oder "Wilderer", wie er sich selbst bezeichnet, in den Wäldern auf der Suche nach Steinpilzen, Riesenbovisten, Eierschwammerln und Parasolen unterwegs. "Mittlerweile habe ich ein Gespür: Ich gehe dorthin, wo andere nicht hingehen und scheue dabei auch keinen steileren Aufstieg." Gerne zieht es ihn auf die Höss oder in die Steiermark. Innerhalb weniger Stunden hat er dann kiloweise Steinpilze in seinen Stofftaschen. Eine Hilfe ist ihm dabei auch sein Hund. "Der ist auf Eierschwammerl, Steinpilze und Trüffel abgerichtet."
Neulinge beim Pilzesammeln sollten allerdings aufpassen: Der Gesetzgeber sieht vor, dass pro Tag maximal zwei Kilogramm der köstlichen Gewächse geerntet werden dürfen. "Ansonsten begeht man eine Verwaltungsübertretung, die mit einer Geldstrafe bis zu 150 Euro geahndet werden kann", erklärt Grieskirchens Förster Daniel Pacher.
Generell sind unsere Wälder für alle da. Jeder darf sich darin frei bewegen und auch Pilze sammeln. Außer, und das übersehen leider viele, wenn der Waldbesitzer mit Schildern auf ein Verbot hinweist. "Das kostet dann 400 Euro", weiß der 'Wilderer'. "Im Wiederholungsfall, wenn man professionell sammelt, kann sogar eine Strafe bis zu 7000 Euro drohen." Neben den gesetzlichen Bestimmungen gilt es aber vor allem, auf die eigene Gesundheit zu achten. "Mir hat zu Anfang eine Pilz-App auf dem Smartphone zur Bestimmung sehr geholfen", gibt der 'Wilderer' zu. Wenn man unsicher ist, kann man die Pilze auch in den Bezirkshauptmannschaften begutachten lassen.
Um ein unnötiges Risiko zu vermeiden, sollte man als unerfahrener Pilzesammler im Zweifelsfall die Pilze lieber stehen lassen. Das gilt teilweise auch bei den begehrten Speisepilzen. "Zumindest ein paar sollten im Wald bleiben", so Pacher. Weiters rät er, nicht frühmorgens oder abends zu sammeln. "Gerade Jungwild könnte aufgeschreckt werden und Schaden nehmen."

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Des einen Leid, des Sammlers Freud


Brütende Hitze, Dauerregen – dieser Sommer ist für viele nicht das, was man gerne hätte. Und doch: Zwei Spezies blühen bei diesem wechselhaften Wetter regelrecht auf. Die Pilze und ihre natürlichen Feinde, die Schwammerlsucher. Diese Zeitgenossen, mit Korb, Rucksack und Messer bewaffnet, streifen durch unsere Wälder – immer auf der Suche nach erlesenen und schmackhaften Pilzen. Viele beschreiben ihre Sammelwut schon fast als Sucht, und fast alle hüten ein Geheimnis: den ergiebigsten Platz für Steinpilze, Pfifferlinge, Champignons und Co. Ein Geheimnis, dass sie oft nicht einmal dem Ehepartner verraten. Einsam und immer auf der Hut vor Gleichgesinnten sind Wälder und Wiesen ihr Revier. Immerhin erlegen sie ihre Beute unblutig, und wenn dann doch einmal die Familie mit in den Wald darf, kann die Suche ein echter Spaß werden.
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