03.05.2016, 14:25 Uhr

Wenn die Festzeltkasse nicht mehr klingelt …

Bürokratische Hürden: Die Schützenkompanie St. Anton am Arlberg hat das traditionelle Arlberger Schützenfest abgesagt. (Foto: Tamerl)

Registrierkassenpflicht: Die Absage des St. Antoner Schützenfestes sorgt für großen Wirbel in Tirols Vereinsszene.

TIROL. Mit dem Sitzstreik auf Tirols Fußballplätzen am Osterwochenende wurde der Startschuss der Aktion „Der Ball ruht – Rettet die Vereinsfeste“ gesetzt. „Neben dem TFV-Präsidenten Sepp Geisler hat auch ÖFB-Präsident Leo Windtner das Thema offensiv aufgegriffen“, erklärt Arno Bucher vom Tiroler Fußballverband.
Nun sind aber nicht nur Tirols Fußballer gegen die neuen Bestimmungen, bei den Schützen fordern die neuen Gesetze ein erstes Opfer. Das geplante Schützenfest der Schützenkompanie St. Anton am Arlberg wurde abgesagt. "Wir sehen uns leider aufgrund rechtlicher und politischer Maßnahmen außerstande, dieses Fest durchzuführen", erläutert Fest-Obmann Andreas Fahrner, "denn die auferlegten Vorschriften wie die Registrierkassenpflicht, die Rechnungslegungspflicht, das penible Anmelden der helfenden Personen, die unzähligen Sicherheitsvorschriften und die Sperrstunde – um nur einige zu erwähnen – haben uns zu diesem Entschluss gezwungen." Die Tiroler Schützen hatten bei ihrer Vollversammlung das Thema auf der Tagesordnung und es beschäftigte das Präsidium wie Delegierte gleichermaßen.

Blasmusikverband zählt auf einheitliche Lösung

Elmar Juen ist Landesverbandsobmann der Tiroler Blasmusik. Absagen von Festen hat er im Verband noch keine registriert. "Das Problem ist aber auch bei uns akut, denn auch die Blasmusikkapellen sind auf die Einnahmen aus den Festen angewiesen. Es bleibt bei den Festivitäten durch die hohen Auflagen und Kosten sowieso immer weniger übrig", sagt Juen, der auf die Hilfe der Politik für die Lösung des Problems zählt. "Es sollte nicht jeder Verband oder Verein ein eigenes Süppchen kochen, die Politik muss für die Vereine eine einheitliche Lösung finden."


Tirols Feuerwehren hoffen auf Vernunft

Die Einnahmen aus den Aktivitäten sind auch für die Freiwilligen Feuerwehren in Tirol überlebensnotwendig. Landes-Feuerwehrkommandant LBD Peter Hölzl: "Die Einnahmen aus Feuerwehrveranstaltungen werden weitgehend für Geräteanschaffungen verwendet. Durch die Registrierkassenpflicht würden diese deutlich weniger werden. Es bleibt zu hoffen, dass hier auch in Zukunft Vernunft vor Demotivation regiert!“

LH Platter fordert Nachbesserungen

Landeshauptmann Günther Platter hat bei der Finanzreferentenkonferenz in Salzburg einen Antrag zur Erarbeitung einer „unbürokratischen, verhältnismäßigen und praktikablen Lösung für gemeinnützige Vereine und Einsatzorganisationen“ eingebracht. Demnächst soll es Gespräche mit dem Finanzminister geben. "Bei den Vereinen muss nachgebessert werden", fordert Platter.
FPÖ-Tirol-Obmann Markus Abwerzger hat eine klare Meinung: "Wir sagen Nein zur schwarzroten Abzocke unserer Vereine, dass Traditionsvereine schon Veranstaltungen absagen, ist ein Skandal.“ Für den FPÖ-Landesparteiobmann dürfen Sozial-, Kultur-, Sport- und Traditionsvereine nicht das Opfer der unüberlegten Politik sein.

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