28.07.2016, 14:22 Uhr

Russland, Türkei und Großbritannien - turbulente Zeiten auch für EGGER

Der Ausbau des russischen Werks Gagarin nahm im Geschäftsjahr 2015/2016 den größten investitionsposten ein. (Foto: EGGER Holzwerkstoffe)

Der Holzwerkstoffhersteller EGGER sieht sich an einigen internationalen Produktionsstandorten auch mit politischen Fragen konfrontiert.

ST. JOHANN. Der St. Johanner Holzwerkstoffproduzent EGGER wurde erst kürzlich zum "besten Arbeitgeber Tirols" gekürt (die Bezirksblätter haben berichtet) und ist in sieben europäischen Ländern mit 17 Werken im Bereich Holzverarbeitung und -bearbeitung vertreten. Im Geschäftsjahr 2015/16 konnte die EGGER Gruppe ihren Umsatz um 3,4 % auf 2,34 Mrd. Euro steigern. Darüber hinaus hat das international führende Unternehmen in der Vergangenheit in die wachsenden Märkte in der Türkei oder in Russland investiert.
In diesen Ländern, aber auch in Großbritannien, sieht sich der Holzhersteller nun mit neuen Herausforderungen konfrontiert.

"Müssen lernen, damit umzugehen"

In der Türkei etwa, wo EGGER 2010 in den boomenden Markt mit dem Kauf des türkischen Kantenherstellers Roma eingestiegen ist, 82,9 % der Unternehmensanteile hält und 550 Mitarbeiter beschäftigt - Roma ist der drittgrößte Kantenproduzent der Welt, kriselt es. Junge, sehr gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter und ein rasant wachsender Markt haben das Geschäfts bisher lukrativ gemacht. Nach den jüngsten politischen Veränderungen und den entsprechenden Unsicherheiten zwischen der Türkei und der EU muss man sich bei EGGER allerdings auf wirtschaftlich turbulente Zeiten einstellen.
„Wir müssen lernen, damit umzugehen“, so Walter Schiegl, Leitung Produktion und Technik. Und weiter: “Wir werden politisch in unserer Arbeit nicht behindert. Leiden wird jedoch der Binnenmarkt. Ist die Situation in der Türkei politisch instabil, dann lassen sich Unternehmen nicht gerne im Land nieder. Für uns sind daher jetzt die Exporte aus der Türkei heraus entscheidend.“

"Brexit sicher nicht positiv"

Ähnlich schwierig, wenn auch kalkulierbarer, zeigt sich die aktuelle Lage in Großbritannien, das bisher einen lukrativen und wachsenden Markt vor allem im Bereich Wohnbau geboten hat. „Der lokale Produzent wird hier mehr nachgefragt werden, das Importgeschäft wird schwieriger. Wir stehen nicht schlecht da, da wir auch lokal produzieren. Aber in Summe sehen wir den Ausstieg Großbritanniens aus der EU wirtschaftlich sicher nicht positiv“, so Schiegl.

Umsatz- und Ergebniseinbußen in Russland

Positive Umsatzentwicklungen verzeichnet EGGER jedenfalls in allen Regionen – außer in Russland. EGGER hat in den russischen Markt massiv investiert, Standorte erworben und ausgebaut. Politische und währungsbedingte Krisen führten jedoch zu Umsatz- und Ergebniseinbußen. Der Ausbau des Standorts Gagarin nahm etwa im Geschäftsjahr 2015/16 bei EGGER den größten Investitionsposten ein. Die hochmoderne MDF/HDF-Produktionsanlage mit einer Jahreskapazität von 350.000 m3 ging im ersten Quartal 2016 in Betrieb. Warum EGGER gerade in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit in Russland investierte, beantwortet Thomas Leissing, Sprecher der Gruppenleitung und zuständig für Finanzen, Verwaltung und Logistik: „Kurzfristig rechnen wir nicht mit einer Erholung des russischen Markts. Mittel- und langfristig sehen wir Russland aber als starken Wachstumsmarkt und möchten die durch den regionalen Bedarf geforderten Materialien direkt vor Ort herstellen. Darauf sind auch unsere Investitionstätigkeiten ausgerichtet.“
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