04.05.2016, 13:54 Uhr

Schlossbergspiele Rattenberg bringen einen etwas anderen Peter Pan

Bringen "p. pan" nach Rattenberg: Helmuth A. Häusler, Claudia Lugger und Romed Hopfgartner (v.l.).

Obfrau Claudia Lugger freut sich darüber, ein "Wunschprojekt" mit Helmuth A. Häusler und Romed Hopfgartner auf die Freilichtbühne bringen zu können – "p. pan – und die verlorene zeit".

RATTENBERG (nos). Am 1. Juli wird sich am Schlossberg über der Glasstadt der erste Vorhang für das diesjährige Stück heben. Helmuth A. Häusler bearbeitete für "p. pan – und die verlorene zeit" Motive aus dem Roman von James M. Barrie, Komponist Romes Hopfgartner steuerte 50 Seiten Partitur für ein Kammerorchester bei. Mit 47 Darstellern, gut die Hälfte zwischen 9 und 29 Jahren alt, stellen die Schlossbergspiele ein besonders junges Ensemble auf die Bühne.

Die zehnte Uraufführung in 13 Jahren

Obfrau Claudia Lugger stellte nicht ohne Stolz fest, dass das heurige Stück die bereits zehnte Uraufführung ist, seit sie die Führung des Vereins 2003 übernahm. Die Bearbeitung von James M. Barries Roman aus dem Jahr 1911 und die Zusammenarbeit mit Helmuth A. Häusler und Romed Hopfgartner sei seit einigen Jahren ein "Wunschprojekt" Luggers. Zusätzlicher Bonus für die Schlossbergspiele: Die Bemühungen vorrangig mit Tiroler Autoren, Regisseuren und Komponisten zusammen zu arbeiten, trugen ein weiteres Mal Früchte.
"Das ist ein Steckenpferd von mir"

Zudem sei es "toll und interessant" die verschiedensten Theaterformen umzusetzen. "Wir sind offen für Alles", stellte Lugger fest. Dass die Schlossbergspiele auch "immer bemüht" sind, "junge Menschen in unseren Projekten dabei zu haben", zeigt auch die heurige Besetzung. Etwa die Hälfte der 47 Darsteller sind unter 30 Jahren alt.

Kein Kinderroman

"Das Thema ist seit acht Jahren in meinem Kopf", erklärte Autor und Regisseur Helmuth A. Häusler. Bei der Bearbeitung des Originals fiel ihm rasch auf:
"Kinderroman is des eigentlich koana"

Häusler liest den Konflikt zwischen Kind-sein und Erwachsen-werden, die damit verbundenen Ängste vor Beziehungen und Kritik aus der Vorlage heraus. "Was mich interessiert ist, was die Jungen heute an diesem Stoff interessiert", meint Häusler. Sein Pan "schafft es nicht, sich zu verlieben, obwohl er merkt, dass es passiert. Und er schafft es nicht, Kritik an sich selbst zu ertragen", führt der Autor aus. Ihm gehe es darum, ein Stück zu erschaffen, das unterhaltsam ist, und gleichzeitig "dahinter ein Bild zu vermitteln von den Fragen des Erwachsenwerdens". Auf dieses Ansinnen stützt sich auch die Besetzung. Man wolle "die Schauspieler dort abholen, wo sie sind". Darum sind die Jungen als "verlorene Jungs" ("the lost Boys") eingesetzt, die Piraten werden "von Männern im Midlife-Crisis-Alter" verkörpert – "das ist die nächste Krisenschicht", so Häusler. Auch das Bühnenbild greift in die Moderne und ins Virtuelle: Farbige, großformatige Würfel lassen "Nimmerland" als "Minecraft"-Welt erstehen.
"Nimmerland ist für sie ein Fluchtort, weil sie es in der echten Welt nicht aushalten."

Für ihn sind die "Lost Boys" Identitätssucher, aufgeladen mit Konflikten und Bedürfnissen. Die Auseinandersetzung zwischen Kapitän Hook und Peter Pan sei "ja nichts anderes als ein klassischer Vater-Sohn-Konflikt". Den kennt der Regisseur, wie die meisten, auch aus eigener Erfahrung – nicht zuletzt, da auch sein jüngster Sohn diesmal als Schauspieler mit auf der Bühne steht. "Wir streiten viel, aber das auf hohem Niveau", scherzt Häusler.
Mit der darstellung des Indianerstamms aus der romantisierenden Vorlage haderte Häusler lange: "Die heißen bei uns 'die Fernen', das hat mit Indiandern eigentlich garnix mehr zu tun, dadurch sind wir von diesen Klischees etwas weggekommen. Das war nicht mehr zeitgemäß." Auch Obfrau Lugger wird als eine der "Fernen" auf der Bühne zu sehen sein.

50 Seiten Orchesterpartitur

Romed Hopfgartner "darf hier zum dritten Mal Synergien herstellen", diesmal zusammen mit dem "Tiroler Kammerorchester Innstrumenti", für das er eine 50-seitige Partitur entwarf. "Die Orchestermusik wird eine tolle Sache", so Hopfgartner, der zudem noch verfremdete, elektronische Klänge einfließen lässt. Die 25 Musiker – Streicher, Bläser und Schlagwerker – seien "ein ordentlicher Klangkörper", so der Komponist. Er versuchte, den vielschichtigen Ansatz des Stücks auch in der Musik einzusetzen, darum auch die elektronischen Einflüsse "als Sinnbild für den Bruch im Stück". Er zeigte sich, wie auch Obfrau Lugger, "zuversichtlich", dass das "Experiment, von dem wir noch nicht wissen, wie es schlussendlich wird", gut ausgehe.

"Das geht nur, weil sie nichts bekommen"

Ein wichtiger Teil des Stücks sei auch das Lichtdesign von Christoph Wieser, mekrte die Obfrau an. Zudem konnte man Eva Praxmarer als professionelle Kostümdesignerin gewinnen, umgesetzt werden die Schneiderarbeiten ebenso wie der Bühnenbau aber von Mitgliedern der Schlossbergspiele.
"Das wird alles in Eigenregie gemacht im Verein"

Rund 70 Mitglieder sind an der Produktion beteiligt, ohne die Ehrenamtlichen wären die Schlossbergspiele nicht machbar. "Wir können nur deshalb so professionell arbeiten, weil unsere Schauspieler nichts bekommen, außer Gotteslohn, einer Jause und ein paar Getränken", weiß Obfrau Lugger. Dem Enthusiasmus der Mitglieder tue das aber keinerlei Abbruch.


Die Premiere soll am 1. Juli stattfinden (Ersatztermin 2. Juli). Alle weiteren Termine, Details zur Kartenreservierung und Kontaktmöglichkeiten (inklusive Wettertelefon) finden Sie auf der Website der Schlossbergspiele Rattenberg.
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