24.08.2016, 09:07 Uhr

Transportunternehmer Nothegger: „Ohne LKW geht’s nicht“

Firmenchef Karl Nothegger jun. sieht im kombinierten Verkehr LKW-Bahn die Zukunft des Transportwesens.

Karl Nothegger jun. ist Inhaber des Transportunternehmens Nothegger in St. Ulrich am Pillersee.

Das Transportwesen ist seit Jahren laufend in Kritik von Umweltschützern, Politikern, Transitgegnern. Ein schweres Los für Ihre Branche?
Karl Nothegger: „Ja, diese gesamte Thematik macht es nicht einfacher. Dabei versuchen wir ständig, so umweltschonend wie möglich zu arbeiten. Bei der Bevölkerung hat es sich mittlerweile gewandelt. Diese sieht, dass es ohne LKW nicht gehen würde.“

Wie sehen Sie generell die Zukunft des Transportwesens in Europa, Österreich und Tirol?
„Die Zukunft sehen wir im kombinierten Verkehr Straße-Schiene. Hier haben wir in der Vergangenheit enorm investiert. Auf kurzen Strecken wird der LKW aber das Transportmittel der ersten Wahl bleiben, gerade auf kurzen Strecken bringt die Bahn nichts.“

Der Brenner Basistunnel wird gebaut, die Transporte sollen in Zukunft auf die Bahn. Ist das die Lösung?
„Das wichtigste wird sein, den Unternehmer auf die Bahn zu bringen. Denn um einen vernünftigen kombinierten Verkehr zu betreiben, braucht es eine gewisse Betriebsgröße. Das muss perfekt organisiert werden, speziell an den Verladebahnhöfen.“

Wird es in Zukunft noch schwieriger, sich als Tiroler Unternehmer im Transportwesen zu behaupten?
„Ja, denn grundsätzlich ist es im internationalen Verkehr als Tiroler Unternehmer mit einheimischen Fahrern mehr oder weniger unmöglich zu bestehen. Die Konkurrenz in Osteuropa hat eben geringere Lohnkosten.“

Geht es ohne Stützpunkte im Ausland überhaupt noch?
„Für den internationalen Verkehr nicht mehr, jedoch die Basisgeschäfte innerhalb Österreichs sind durchaus in Österreich mit heimischen Fahrern zu bewältigen.“

Oft wird die Branche auch wegen schwieriger Arbeitsbedingungen für die Fahrer kritisiert. Wie sehen Sie diese Problematik?
„Die Arbeitsbedingungen sind mittlerweile gesetzlich fast einheitlich geregelt, in Europa herrscht eklatanter Fahrermangel. Leichter Job ist es aber keiner, speziell wenn die Fahrer wochenlang von zuhause weg sind. Dazu kommt noch, dass LKW-Fahrer in der Gesellschaft keinen guten Stand haben.“

Das sektorale Fahrverbot ist für internationale Transportunternehmen ein Reizwort. Wie sehen Sie dieses Verbot? Wird es halten?
„Da wir die Hälfte des Umsatzes im kombinierten Verkehr generieren, ist das für uns eher ein Vorteil. Es wertet den Schienentransport auf. Derzeit ist es aber schwer, denn der Dieselpreis ist sehr tief, das wirkt sich auch auf den Transport auf der Straße aus. Ob es halten wird, traue ich mich nicht zu sagen.“

Speziell die Grünen fordern, das Diesel-Steuerprivileg abzuschaffen. Wäre das der Ruin des Tiroler Transportwesens?
„Nein, denn diese Preissteigerung würde der Kunde zahlen. Wir fahren zu 80 Prozent mit Biodiesel, der aktuell ja nicht in das Privileg fallen würde.“

Wie sehen Sie die drohenden Grenzkontrollen am Brenner und die Kontrollen an der deutschen Grenze?
„Kontrollen am Brenner sehe ich sehr kritisch. Denn eine lückenlose Kontrolle der LKW hätte umfangreiche Staus zur Folge.“

Wenn Sie einen Wunsch an die Politik hätten, wie würde der lauten?
„Wir haben unsere Standorte hier im Pillerseetal und in Radfeld und das wird auch so bleiben. Verbesserte Rahmenbedingungen, speziell bei den Lohnnebenkosten, wären ein Wunsch.“

Zur Sache:

Für das Transportunternehmen Nothegger fahren 850 LKW und es beschäftigt 1.450 Mitarbeiter, davon 450 in Österreich. Umsatz 2015: 220. Mio. Euro
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