30.09.2016, 16:47 Uhr

Bertha ja, Sigmund nein: Neues Archiv gibt Aufschluss über Nobelpreis-Kandidaten

Bertha von Suttner, Speerspitze der Friedensbewegung, wurde 1905 ausgezeichnet. (Foto: Pietzner)

Ein Archiv macht die Nobelpreis-Nominierungen suchbar. 293 für Wiener finden sich.

WIEN. Wie bekommt man eigentlich einen Nobelpreis? Zwischen wissenschaftlicher Leistung und Verleihung liegt die Nominierung. Das Recht zu nominieren haben die Komitees für die Preise, frühere Preisträger und andere ausgewählte Personen. Wen sie nominieren, ist streng geheim - 50 Jahre lang. Eine neue Datenbank, berichtet der ORF, macht nun die Suche nach Nominierungen, die 50 Jahre oder länger her sind, einfacher.

293 Nominierungen für Wiener gab es in der Zeit – wobei Mehrfachnennungen möglich sind. So entfallen allein auf Bertha von Suttner 101 dieser Nominierungen, 1905 hat sie den Friedensnobelpreis schließlich erhalten. Sie war die erste Frau, die den Friedensnobelpreis erhielt. Suttner, Anführerin der internationalen Friedensbewegung, war, durch ihre enge Freundschaft mit Alfred Nobel, vielleicht auch diejenige, die ihn zur Einführung des Friedensnobelpreises anstiftete.

Ebenfalls für den Friedensnobelpreis nominiert war Kaiser Franz Joseph I. Das erste Mal 1908, als er sein 60. Kronjubiläum feierte – die Begründung war unter anderem, dass in seinem Reich Österreich und Ungarn gleichberechtigte Partner seien. 1913 und 1914 folgten weitere Nominierungen, aber auch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde übrigens Adolf Hitler für den Friedensnobelpreis nominiert – das sei aber ein schlecht ausgeführter Scherz gewesen, heißt es.

Kein Preis für Freud

Aus Wien kamen in der Zeit bis 1964 keine Nominierten für Physik- oder Chemienobelpreise, dafür viele in der Kategorie Medizin. Prominentester Vertreter ist hier Sigmund Freud, der den Preis aber nie verliehen bekam. Ein vom Komitee beauftragter Experte kam 1929 zum Schluss, dass sein Werk keinen wissenschaftlichen Wert habe. Freud wurde dafür 1936 vom französischen Schriftsteller Romain Rolland für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen –ebenfalls vergeblich.

Den Medizinnobelpreis verliehen bekam der Wiener Julius Wagner-Jauregg im Jahr 1927. Er hatte entdeckt, dass die Malariatherapie zur Behandlung der progressiven Paralyse eingesetzt werden kann.

Zur Sache:

Im Archiv der Nobelstiftung sind derzeit die Jahre ab der erstmaligen Verleihung des Preises, 1901 bis derzeit 1964, abrufbar. Das Archiv gibt es unter www.nobelprize.org/nomination/archive
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