25.07.2016, 10:20 Uhr

Barrierefreiheit: 55 Prozent der Wiener Shops sind säumig

Hohe Hürden: Trotz neuem Gesetz ist noch immer vielen Menschen der Zugang zu Geschäften verwehrt. (Foto: pixelio/ www.dasdenkeichduesseldorf.wordpress.com)

Große Branchen-Unterschiede: Besonders die Wiener Gasthäuser weisen Defizite auf

WIEN. Theoretisch sollten seit 1. Jänner alle Geschäftsgebäude barrierefrei sein. Dass das etwa auf den Wiener Einkaufsstraßen eine Theorie geblieben ist, zeigt eine Zwischenbilanz des Behindertenverbands ÖZIV.

Nur 44,5 Prozent der geprüften Geschäfte Wiens sind stufenlos zugänglich. Besonders bei Straßen mit großteils kleineren Geschäften sei es problematisch. Auf der Alser Straße, der Ottakringer Straße und der Josefstädter Straße sei oft keine Barrierefreiheit gewährleistet. Die besten Noten bekommt übrigens die sonst so oft geprügelte Mariahilfer Straße. Hier sind immerhin 70 Prozent der Eingänge barrierefrei, so die ÖZIV-Bilanz.

Dass viele Geschäfte noch nicht barrierefrei seien, liege aber nicht am Desinteresse der Unternehmer, sagt Gerhard Niederhofer vom Diversity-Referat der Wirtschaftskammer Wien. „Wir spüren eine starke Bereitschaft der Inhaber.“

Banken sind vorbildlich

Ganz so positiv sieht es Rudi Maisriml vom ÖZIV nicht: „Es gibt ganz große Branchen-Unterschiede.“ Apotheken, Banken und die großen Lebensmittelgeschäfte seien mittlerweile weitgehend barrierefrei. „Große Defizite gibt es bei Gasthäusern“, so Maisriml. „Da ist in den vergangenen Jahren genau nix passiert.“

Verständlich ist das für ihn nicht. „Barrierefreiheit ist mittlerweile ein Wettbewerbsvorteil.“ Was er damit meint? Bei Menschen mit Behinderung spricht man von einem Faktor eins zu fünf. Sprich: Durch Menschen mit Behinderung kommen durchschnittlich fünf weitere Personen in ein Lokal, weil sie öfter in Begleitung sind. Außerdem werde die Bevölkerung immer älter – ohne Barrierefreiheit werde man in Zukunft nicht lange überleben.

„Vielleicht ist das Gesetz deswegen so zahnlos, weil man sich gedacht hat, dass die Unternehmer den Zeitgeist erkennen. Das ist aber offensichtlich nicht passiert.
Verunsicherung darüber, was denn nun wirklich barrierefrei bedeutet, und finanzielle Herausforderungen würden es den Unternehmern allerdings schwer machen. Die Wirtschaftskammer Wien bietet darum geförderte Beratungsgespräche an.
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