26.07.2016, 20:51 Uhr

Diabolische Fratze des Terrors

Inmitten der Düsternis des unmenschlichen Terrors dieser Tage, wider die Bosheit der blutrünstigen Krieger des IS leuchtet die Botschaft des Christentums wie ein Regenbogen in eine hellere und menschlichere Zukunft. (Foto: Claudia Birlmair-Gigele)
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-Gedanken zu Glaube, Verfolgung und Mord in diesen Tagen -

Am 15. Februar 2015 wurden am Meeresstrand in Libyen 21 koptische Christen, nach einer perfekt einstudierten und filmisch professionell aufgezeichneten, teuflischen Choreographie hingerichtet, indem man ihnen die Köpfe abschnitt und ihr Blut in die schäumende Gischt des Mittelmeers fließen ließ. Das Bekennervideo der Islamisten spricht von einer „mit Blut geschriebenen Botschaft an die Nation des Kreuzes“.
Im Bekennervideo heißt es in Anspielung auf die geographische Lage Libyens: „Wir sind südlich von Rom“. Eine Drohung gegen die Christenheit, deren Zentrum die Islamisten in Rom lokalisieren.
Der koptisch-katholische Patriarch Ibrahim Isaac Sidrak von Alexandrien bezeichnete die ermordeten Kopten als „Märtyrer, die ihr Leben für den Glauben hingegeben“ haben.
Dieser inszenierte blutige, barbarische Akt wider die Christenheit und wider jegliche Form des Mensch-Seins war räumlich – durch das Mittelmeer – in der Ferne, bekam fast nur beiläufige Aufmerksamkeit.
Dieser Monat Juli 2016 sollte uns nun endgültig wach rütteln und begreifen lassen:
Die Halsabschneider und Schausteller der Gewalt, die barbarische und völlig sinnlose Idiotie eines machtversessenen, blutrünstigen Islamismus und der blinde kriegerische Hass des nahen und mittleren Ostens ist längst bei uns eingewandert.
Was im Gewand der Religion daher kommt ist blanker Terror, bodenloser Hass und machtgierige Mordlust – entwürdigend, unmenschlich, diabolisch auf jeden Fall.
Nach mehreren erschütternden Anschlägen in Europa hat der IS, am 26. Juli 2016, die Schwelle des mitteleuropäischen Christentums überschritten und einem alten, verdienten, katholischen Priester in seiner Kirche in Nordfrankreich den Hals durchgeschnitten.
Père Jacques Hamel war Aushilfspriester in Saint-Etienne-du-Rouvray in der Normandie. Mit seinen 86 Jahren war er immer noch rüstig und dienstbereit. Er vertrat heute den Pfarrer in der Heiligen Messe. Zwei Männer drangen während des Gottesdienstes durch einen Hintereingang in die Kirche ein, nahmen fünf Geiseln – den Priester, zwei Ordensschwestern und zwei weitere Gläubige. Sie beriefen sich auf den IS. Die Terroristen durchschnitten dem Priester die Kehle. Eine andere Geisel wurde so schwer verletzt, dass ihr Überleben noch ungewiss ist.
Jacques Hamel war beliebt in der Gemeinde.
Im Pfarrblatt für die Sommerferien vom Juni d. J. schrieb Père Jacques (Übersetzung von Claudia Sperlich):
„Könnten wir doch… die Einladung Gottes hören, uns um diese Welt zu kümmern, sie dort, wo wir sind, zu einem wärmeren, menschlicheren, brüderlicheren Ort zu machen.
Eine Zeit der Begegnung mit Nächsten, mit Freunden: Ein Augenblick, um sich die Zeit zu nehmen, gemeinsam etwas zu erleben. Ein Augenblick, um auf andere zu achten, wer sie auch sein mögen.
Eine Zeit des Teilens: Teilen unserer Freundschaft, unserer Freude. Teilen wir den Kindern unsere Hilfe mit, und zeigen wir so, dass sie für uns zählen.“
Das Blutzeugnis des verdienten, alten Geistlichen möge uns aus der Wurschtigkeit unseres saturierten, bürgerlichen Nachtkästchen-Christentums aufwecken und eine innere Auseinandersetzung lostreten.
Nein – wir brauchen keinen Krieg, keine blutgetränkten Schlachtfelder wider den Islam - in dieser Stunde nicht und auch nicht morgen oder übermorgen.
Erschrecken können wir diese elenden Halsabschneider und primitiven Unmenschen, diese Ausgeburten des Bösen nur durch eine Offensive der Menschlichkeit, durch ein Eintreten für die Würde der Menschen und für Religionsfreiheit, durch die Bereitschaft zum Opfer und zum Teilen, durch eine Politik des Aufbaus, der Unterstützung von Humanität, Bildung und Zivilisation.
Wenn uns das aus dem Glauben an den menschgewordenen Gott nicht zum Anliegen, zur dringenden persönlichen Sache wird… wenn wir uns verhetzen und in den gefühlsmäßigen Schmutz der Schreier und Machtgierigen hier verstricken…wenn wir nicht klar Position beziehen und aus unserer geistigen Faulheit und unserem politischen Raunzertum heraus kommen…
ja dann…!
Dann hätten die Halsabschneider und Unmenschen uns zu Helfern des Bösen,
zu Verfechtern des Hasses und zu Komplizen ihrer barbarischen Unmenschlichkeit gemacht.
Der Märtyrer dieser Stunde schreibt zum Abschluss seiner Anregungen wie die Sommerzeit 2016 aussehen könnte:
„Auch eine Zeit des Gebets: Aufmerksam auf das, was in unserer Welt gerade vorgeht. Beten wir für jene, die es am meisten benötigen, um Frieden, um ein besseres Zusammenleben.
Und dann ist immer noch das Jahr der Barmherzigkeit. Bereiten wir unser Herz, daß es aufmerksam wird auf die schönen Dinge, auf jeden, auch auf jene, die sich vielleicht noch etwas einsamer fühlen werden.
Mögen die Ferien uns erlauben, die Fülle der Freude, der Freundschaft und der Besinnung zu erleben. Dann werden wir, besser ausgestattet, den Weg gemeinsam wieder aufnehmen können.
Schöne Ferien euch allen
Père Jacques"
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Mag. Monika Himsl aus Innsbruck | 27.07.2016 | 12:54   Melden
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