11.05.2016, 13:11 Uhr

Naschmarkt: Absage an längeres Einkaufen

Allesandra Negri: "Längere Öffnungszeiten finde ich unnötig und sinnlos. Der Markt sollte lieber am Sonntag) offen halten, wie in anderen Großstädten auch".

Der Pilotversuch für längere Öffnungszeiten auf zwei Wiener Märkten kommt am Naschmarkt nicht gut an.

MARIAHILF. Am Schwendermarkt und am Meidlinger Markt kann man seit Anfang Mai von Montag bis Freitag bis 21 Uhr - anstatt bis 19.30 Uhr - einkaufen. Wenn dieser Pilotversuch gut ankommt, könnte er auf alle Wiener Märkte ausgedehnt werden. Doch am Naschmarkt wollen die längeren Öffnungszeiten nicht so richtig schmecken. „Wir wollen auch leben und Zeit mit unserer Familie verbringen“, sagt Elionora Galibor, die mit ihrem Mann seit 1992 am Naschmarkt Spezialitäten aus aller Welt verkauft. Und das von sieben Uhr in der Früh bis um sechs Uhr am Abend.
In die gleiche Kerbe schlägt Omar Lashin , der sein "Kalami Delikatessen" mit sieben Mitarbeitern betreibt. 12 Stunden arbeite er pro Tag. Bei längeren Öffnungszeiten müsste er Personal aufstocken. Und das koste Geld. "Das zahlt sich nicht aus".

Ab 3 Uhr früh

Von Mitarbeitern können die kleinen mobilen Standler sowieso nur träumen. Wie Familie Petrovic. „Wir stehen jeden Tag um drei Uhr in der Früh auf, holen unsere Ware ab um sie hier bis am Abend zu verkaufen. Stefan Hörman bringt es auf den Punkt: „Wir, die kleinen Standler, können uns längere Öffnungszeiten doch gar nicht leisten". Und Marktbesucher haben diese auch nicht wirklich vermisst. "Unnötig“, findet Alessandra Negri die Idee. Und: "Wozu?" fragt sich Barbara Salmeyer.

Öffnungszeiten nicht verpflichtend

Dass auf dem Naschmarkt diesbezüglich kein Handlungsbedarf besteht, bestätigt Alexander Hengl, Pressesprecher vom Wiener Marktamt (MA 59). Das stünde aber im Gegensatz zu den beiden Märkten, wo das Projekt auf Wunsch der Standler gestartet ist. Mitleid mit ihnen brauche man aber keines zu haben. "Die Markttreibenden dürfen länger offen halten, müssen das aber nicht", sagt Hengl.
Unterstützt wurde das Projekt von den jeweiligen Bezirken. Auch Mariahilf zeigt sich für Gespräche bereit. „Wenn die Märkte längere Öffnungszeiten möchten, wird sich der Bezirk nicht sträuben", sagt SP-Bezirkschef Markus Rumelhart. "Aber nach unserem Wissensstand ist das zurzeit kein Thema“.

Hintergrund

Die Stadt Wien startete Anfang Mai das Pilotprojekt auf dem Schwendermarkt im 15. Bezirk und auf dem Meidlinger Markt im 12. Bezirk. Dieses läuft bis Ende August. Dann wird evaluiert. Sollten sich die längeren Öffnungszeiten rentieren, könnten die anderen 24 Wiener Märkte nachziehen.
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