19.08.2016, 08:44 Uhr

Gastgewerbe: Chef nutzte Lehrling aus

Rechtsexpertin Karin Matzinger, Christian Fuchs (AKNÖ NK) und Patrick Slacik. (Foto: Roland Weber)

Stress mit dem Arbeitgeber: Im Bezirk suchten 836 Menschen Rat bei der Arbeiterkammer.

BEZIRK NEUNKIRCHEN. "Im Jahr 2016 möchte man meinen, dass Probleme in den Unternehmen eigentlich Geschichte sind, aber es kommt häufiger vor als man glaubt", so AKNÖ-Kammerrat Patrick Slacik bei der Präsentation der Halbjahresbilanz der Arbeiterkammer für den Bereich NÖ Süd.

Trauriger Fall: Lehrling ausgenutzt

Ein Lehrling im letzten Lehrjahr bekommt plötzlich nur noch einen Teil seiner Lehrentschädigung ausbezahlt, und das stückchenweise und bar auf die Hand. Da sich der Lehrling eigentlich wohl fühlt und prinzipiell auch im Betrieb ein gutes persönliches Auskommen herrscht, sucht der junge Mann die AK-Bezirksstelle in Neunkirchen erst ein halbes Jahr nach Beginn der Zahlungsschwierigkeiten auf. Der Lehrling wird darauf hingewiesen, dass auf Grund der Verfallbestimmungen im Kollektivvertrag Hotel- und Gastgewerbe unbedingt schriftlich interveniert werden muss. Weiters wird dem Lehrling geraten, sich Gedanken zu machen, wie es weitergehen solle, wenn der Lehrberechtigte die Forderung nicht begleicht. Nachdem dies eintritt, löst der Lehrling das Lehrverhältnis seinerseits auf. „Es handelt sich in dem Fall um eine Pflichtverletzung durch den Lehrberechtigten wegen Vorenthaltung des Entgeltes“, erklärt Christian Fuchs von der AK Neunkirchen. Außerdem kommen noch finanzielle Ausstände für das letzte geleistete Lehrmonat sowie der Urlaubszuschuss und weitere Ansprüche in den Forderungsbetrag dazu.
Bislang zeigt sich der Arbeitgeber zahlungsunwillig, weshalb der Fall mittels Gerichtsverfahren ausgestritten werden muss.

84.000 Mal geholfen

Mehr als 84.000 Arbeitnehmer hat die AK Niederösterreich im ersten Halbjahr bei Problemen am Arbeitsplatz oder in sozialrechtlichen Fragen geholfen. „Wir haben insgesamt 20 Millionen Euro erkämpft“, so Slacik. Es ging dabei sowohl um ausstehende Löhne und Gehälter nach Insolvenzen, Abfertigungen, die den Betroffenen vorenthalten wurden oder Nachzahlungen, weil Beschäftigte mitunter monatelang unter Kollektivvertrag bezahlt wurden.
Immer weniger Menschen haben Anspruch auf die sechste Urlaubswoche, die (bis auf wenige Ausnahmen) nach 25 Jahren beim selben Dienstgeber gewährt wird. "Das tritt immer seltener auch tatsächlich ein", bedauert Slacik.

Bilanz im Bezirk Neunkirchen

Beratungen ... 836
Interventionen beim Arbeitgeber ... 54
Kostenloser Rechtsschutz ... 29
Außergerichtlich eingebracht ... 41.090 €
Gerichtlich eingebracht ... 27.253 €
Insolvenzvertretung ... 697.530 €
Gesamt ... 765.873 €

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