12.09.2016, 09:17 Uhr

Leserbrief: "Ich war in Lebensgefahr, doch engagierte Zeller retteten mich!"

Eine vor dem Ertrinken gerettete Frau will sich bei ihren Helfern bedanken. (Foto: Archiv)

Die folgenden Zeilen voller Dramatik und Dankbarkeit stammen von Katrin Auer aus Zell am See.

Gestern (Sonntag, 11. September 2016) habe ich im Strandbad Erlberg, beim Haus Gabi in Thumersbach, den Tag ausklingen lassen und war zwischen 18 und 19 Uhr noch schwimmen. Ich bin eine sehr gute Schwimmerin und begebe mich normalerweise nie in Situationen, die gefählich sind oder an Selbstüberschätzung grenzen.


Auf jeden Fall habe ich beschlossen, einen der wohl letzten Badetage noch zu nutzen und den See zu überqueren und Richtung Zell am See ans andere Ufer und wieder zurück nach Thumersbach zu schwimmen. Da nach 40 Minuten die Sonne bereits unterging, beschloss ich kurz vor dem gegenüberliegenden Ufer, kehrt zu machen und in einer Diagonale zurück zum Steg zu schwimmen. Es war kaum jemand im Wasser, als ich eine leichte Strömung bemerkte, die mich viel Energie kostete und ein rasches Zurückschwimmen unmöglich machte. Jedoch ging es mir körperlich noch sehr gut und ich schwomm langsam Richtung Strandbad und war noch ca. 40 Meter vom Ufer entfernt, als das Unterwartete passierte.


Ich schwamm über ein Unterwasserfeld von Seepflanzen, wie schon oft zuvor, jedoch bemerkte ich viel zu spät, dass die Pflanzen immer näher an mich und an die Wasseroberfläche herankamen und ich schlussendlich von ihnen umringt war. Ich konnte weder nach vorne noch zurück schwimmen, da es unglaublich viel Energie kostete, die Pflanzen beiseite zu schieben um weiterzukommen. Ich konnte den Boden nicht erreichen, wusste nicht, wo das Pflanzenfeld aufhört und schaffte es nicht mehr, mich aus eigener Kraft zu befreien und fing an Wasser zu schlucken und zu prusten.

Ich wurde panisch und die einzige Person die ich sehen konnte, war ein Mann am Steg, der auf Grund der Distanz winzig klein erschien. Ich kreischte und schrie um Hilfe, was nur noch mehr Energie kostete und mich überkam die schreckliche Gewissheit, dass der Mann einfach zu weit weg war. Er reagierte jedoch schnell und sprang sofort ins Wasser, um mich zu retten, jedoch bewegte er sich in meinen Augen übertrieben langsam, da ich bereits am Ende meiner Kräfte war.
Ich strampelte und strampelte und steckte mit dem rechten Bein im Seetang fest. Es war mir kaum mehr möglich, mich über Wasser zu halten, ich prustete und hatte unglaubliche Angst.

Da sah ich, dass eine Dame auf einem Surfbrett, mit ihren zwei Kindern aus dem Nichts von links auf mich zukam. Es war das schlimmste Gefühl, zu sehen wie diese Menschen zur Hilfe eilten und anwesend waren, aber zu weit weg, denn ich konnte einfach nicht mehr. Dann passierte etwas, dass mir nur aus Geschichten bekannt war. Aus irgendeinem Grund entwickelte ich Energie und einen Willen, trotz der Schmerzen und meiner erschlafften Glieder, um mich lange genug über Wasser zu halten, bis meine Retter bei mir waren. Der Mann sowie auch die Frau mit ihren Kindern umringten mich und brachten mich auf dem Surfbrett ans sichere Ufer. Danach war ich einfach perplex und unterkühlt. Ich bedankte mich bei meinen Rettern, jedoch war ich viel zu erschöpft und verwirrt, um nach ihren Namen zu fragen.

Das einzige was ich weiß ist, dass die Dame eine Hebamme aus Zell ist. Ihre kleinen Kinder im Alter von höchstens neun Jahren haben gepaddelt wie die Weltmeister, um mich zu retten und ich verdanke ihnen mein Leben. Es tut mir so leid, dass ich ihre Namen nicht weiß, aber ohne sie wäre ich nicht mehr hier. Deshalb haben sie es wirklich verdient, dass sie in der Zeitung erwähnt werden.


Nie im Leben hätte ich mir gedacht, dass ich in einem Badesee in Lebensgefahr geraten könnte. Es war ein ganz schlimmes Gefühl zu wissen, dass ich nichts mehr tun konnte und nur die Option blieb, auf ein Wunder zu hoffen. Es hat mir so viel Kraft gegeben, zu wissen, dass ich dort nicht alleine untergehe und jemand da ist .. und vor allem nicht wegschaut. Denn es waren noch ein zwei andere Personen am Ufer, die mich schon länger beim Schwimmen beobachtet hatten und nicht reagierten, als ich um Hilfe gerufen habe. Es ist schön zu wissen, dass man in Zell nicht alleine ist, wenn es hart auf hart kommt.


Katrin Auer,
Freizeitbetreuerin in der Volksschule Zell am See
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