01.06.2016, 09:00 Uhr

Schonzeiten für alle Wildtiere

Wird auf ein Muttertier geschossen, bedeutet das auch den Tod ihrer Jungen: Sie verhungern, verdursten oder erfrieren. (Foto: Archiv)

Werden Muttertiere getötet, müssen auch ihre Jungen sterben: Tierschützer fordern Gesetzesänderung.

ST. PÖLTEN (bt). Das niederösterreichische Jagdrecht enthält für etliche Wildtiere (siehe "Zur Sache") keine Schonzeiten, sie dürfen also zu jeder Jahreszeit geschossen werden. "Das wirkt sich besonders fatal auf die Jungtiere aus, die ohne Mutter qualvoll und langsam an Hunger, Durst oder Kälte sterben", äußert sich der Wiener Tierschutzverein, der eine Petition für eine Abänderung des Gesetzes ins Leben gerufen hat. Das Töten soll in jenen Zeiten verboten werden, in denen die Tiere Junge zu versorgen haben.

"Jagd zur Arterhaltung"

Auch der Tierschutzverein St. Pölten würde die Gesetzesänderung begrüßen. "Trifft man ein Muttertier, tötet man mit einem Schuss sechs bis sieben. Die Jungen verhungern und sterben qualvoll", zeigt Davor Stojanovic, Leiter vom Tierschutzverein St. Pölten die Tragik auf. Laut ihm bräuchte es gar keine Jägerschaft. "Die Natur ist ein Kreislauf und wir Menschen sind so dumm und mischen uns hinein."
Anders sieht das St. Pöltens Bezirksjägermeister Johannes Schiesser. "Der angeführte Waschbär zum Beispiel, ist ein sogenannter Neozoen, da er seine ursprüngliche Heimat in Nordamerika hat und in Europa ausgesetzt wurde. Die heimischen Wildtiere sind auf solche „Einwanderer“ nicht eingestellt und werden dadurch verdrängt", erklärt er die Sinnhaftigkeit der Jagd. Auch den Vorwurf des grundlosen Tötens lehnt er ab. "Je nach Wildart wird ein Lebensmittel gewonnen oder die Bejagung von Raubwild dient der Arterhaltung von anderen Wildtieren, sowohl jagdbaren als auch nicht jagdbaren."

"Grünes Signal für Ratten"

Kleine Raubtiere nehmen im Wald eine wichtige Rolle ein, denn sie halten den Bestand an Nagern gesund. "Man muss sich nur vorstellen, wenn eine Fuchsmutter erschossen wird, wird der Bestand in diesem Revier kleiner. Das bedeutet automatisch ein grünes Signal für Ratten und andere Nagetiere weil es keine Gefahr mehr gibt", erklärt Stojanovic. „Aber gegen Mäuse und Ratten wird dann eben vermehrt Gift eingesetzt“, befürchtet auch WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. "Bei der Jagd ist Gift strengstens verboten", äußert sich Schiesser, der verhindern will, dass weiter nur auf Jäger "hingepeckt" wird, mit Nachdruck. "Das selbe Problem haben wir, wenn uns eine Rehgeiß überfahren wird. Da verhungern uns auch die Kitze."
Geht es um die Jagd sind die Fronten verhärtet wie bei wenig anderen Themen. Zur Petition geht's unter www.ots.at/redirect/WTV.


Zur Sache:

Keine Schonzeiten gibt es für Wildschweine, Füchse, Marderhunde, Waldiltisse, Steinmarder, Wildkaninchen, Waschbären und Wiesel.
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