25.07.2016, 08:48 Uhr

Thierseer Passionsspiele 2016 - ein Dorf besinnt sich

Über 250 Mitwirkende sind an den Thierseer Passionsspielen beteiligt (Michael Juffinger in der Rolle des Christus). (Foto: Karg)
THIERSEE (dibk). Seit über 200 Jahren steht die kleine Tiroler Gemeinde Thiersee alle sechs Jahre im Zeichen der Passionsspiele. 2016 ist es wieder soweit und mehr als 250 Laiendarsteller und Musiker aus der Gemeinde stellen sich ganz in den Dienst des Glaubens, um Besuchern und Besucherinnen aus aller Welt das Leben und Leiden Jesu Christi hautnah zu vermitteln. Die Premiere war ein voller Erfolg. Diözesanadministrator Jakob Bürgler empfiehlt Besuch des Passionsspiels.
Schon zum dritten Mal führte Diethmar Straßer, der derzeit als künstlerischer Leiter an der Volksoper in Wien tätig ist, die Regie bei diesem Mysterienspiel.

Bürgler: Beindruckt von der Venetzung der Passion mit dem Leben der Chriisten heute

Diözesanadministrator Jakob Bürgler feierte am vergangenen Sonntag Gottesdienst in Thiersee und besuchte anschließend die Passionsspiele. Bürgler zur Aufführung: "Besonders beeindruckt hat mich die Vernetzung der Passion Jesu Christi mit dem Leben der Christen heute. Seinen Höhepunkt findet dies in der Schlussszene: Maria Magdalena, Apostolin der Apostel, erste Zeugin der Auferstehung Jesu, wechselt ihre Rolle und tritt als Frau in Tiroler Tracht auf, um heute, in unsere Zeit hinein, Zeugnis von der Lebenskraft des Evangeliums zu geben. Ihre Aufgabe ist unverzichtbar für die Zukunft der Kirche."

Bürgler weiter: "Die Rolle des Judas und dessen innerer Kampf um das rechte Bild des Messias ist wunderbar herausgearbeitet. Bewegend die Szene, in der Judas und Petrus ihr jeweiliges Versagen ins Wort bringen. Die tränenreiche Bitte um Versöhnung hilft Petrus, aus der Haltung der Abscheu, die Judas erfasst, auszusteigen und nach vorne zu schauen.

Stark und bewegend ist die Rolle des Satans inszeniert. Bühnenaufbau und Lichteffekte können das innere Locken, die Wirkkraft, die Ungreifbarkeit und das Unheimliche ausgezeichnet ins Bild bringen.

Was mich besonders angesprochen hat: Das Thierseer Passionsspiel weicht der Frage nach dem Sinn des Leidens, nach der Bedeutung von Leiden und Sterben Jesu nicht aus. Es gelingt dem Spiel, die Hingabe Jesu nicht nur als Schicksal, sondern als bewusste und freie Entscheidung sichtbar zu machen und darin eine Liebe darzustellen, die auch im bitteren Leiden durchhält und besteht."

Der Diözesanadministrator abschließend: "Ich kann die Thierseer Passionsspiele nur von Herzen empfehlen. Sie sind ein eindrücklicher Weg, sich der Frage nach dem Warum und der Bedeutung des christlichen Glaubens zu stellen."

ZUM STÜCK:

Tradition mit Aktualität
Trotz der langen Geschichte der Thierseer Passionsspiele haben diese nichts von ihrer Aktualität und Brisanz verloren. Auch nach über 2 Jahrhunderten schaffen es die Thierseer, die Lebens- und Leidensgeschichte Jesu Christi auf ergreifende und faszinierende Art und Weise darzustellen und jede Spielsaison tausende Besucher und Besucherinnen in ihren Bann zu ziehen. Dass dies auch in Zukunft so bleibt, ist Regisseur Diethmar Straßer ein großes persönliches Anliegen: "Auch wenn ich bereits zum dritten Mal die Regie hier führe, ist es mir sehr wichtig, mich nicht zu wiederholen."

Nach bedeutenden und grundlegenden Änderungen in den Jahren 2005 und 2011, wie beispielsweise der in Kooperation mit Theologen der Universität Salzburg erfolgten Rückführung des Textes auf das Markusevangelium im Jahr 2005, darf man auch 2016 auf Neues gespannt sein.

Politische Brisanz

2011 wurde die Rolle des Judas signifikant überarbeitet und geschärft wurde. Erstmals wurde Judas nicht mehr als bloßer Verräter, sondern vielmehr als politischer Mensch, der in Jesus einen Revolutionär im politischen Sinne gesucht hat, dargestellt. 2016 werden die Thierseer nun verstärkt den historischen und sozialen Kontext der Passion thematisieren. Dies wird mittels einer ergänzenden, zweiten Handlungsebene geschehen. Auf dieser Ebene werden Menschen, die nicht direkt in Kontakt mit dem Heiland gekommen sind, jedoch indirekt von seinem Leben und Wirken beeinflusst wurden, dargestellt. So wird beispielsweise die Figur eines Römers, der mit einem einheimischen Juden befreundet ist, eingeführt. In der Art und Weise, wie die beiden die Botschaft Jesus auffassen und darüber reflektieren, werden kulturelle Unterschiede aufgezeigt. Zudem verdeutlicht dies auch, welchen politischen Sprengstoff Christus in den Augen der römischen Besatzungsmacht darstellte.

Glauben heute

Damals wie heute stellten sich die Menschen natürlich die Frage, wie man mit Religion umgeht, wie und was man glauben soll und kann. Diese Problematik thematisierten die Thierseer bereits 2011, als sie sich unter dem Motto "Glauben, ohne zu sehen" erstmals dazu entschlossen haben, den auferstandenen Heiland nicht auf der Bühne zu zeigen, sondern Maria Magdalena die Auferstehung verkünden zu lassen. 2016 geht man noch intensiver auf diese Thematik ein, indem man die Figuren junger Ehepartner, die ganz unterschiedliche Ansichten und Erfahrungen mit Glaube haben und sich damit auseinandersetzen müssen, einführt.

Weitere Informationen: www.passionsspiele-thiersee.at
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