21.09.2016, 09:00 Uhr

Seefelder mit dem Rad 66 Tage durch Amerika

Amerika-Überquerung mit dem Rad: Thomas Widerin machten die endlosen Streckenabschnitte psychisch zu schaffen. (Foto: Widerin)

7650 Kilometer, 43.000 Höhenmeter (bergauf), 14 Staaten, dreimal über die Rocky-Mountains, null Defekte: Das sind die groben Zahlen zu Thomas Widerins 66-tägiger Radreise vom 8. Juni bis 12. August, von Whitehorse (Yukon) in Kanada (Grenze zu Alaska) bis zu seinem Ziel Miami-Florida! Dazwischen sammelte der 54-jährige Tiroler unzählige Erlebnisse, erfuhr Hilfsbereitschaft und durchlebte Ängste.

SEEFELD (lage). Mittlerweile ist Widerin wieder in unserer "hektischen" Welt angekommen, aber noch nicht ganz: "Ich war in einem Einkaufszentrum und habe Platzangst bekommen, ich fühlte mich erdrückt." Jetzt beginnt das Aufarbeiten und Verarbeiten, erklärt Widerin. Dank der Seefelder Werbeagentur "comdesign.net" waren die Daheimgebliebenen u.a. über facebook immer am Laufenden, wie es Thomas in der Ferne geht.
Jetzt beginnt für den Seefelder Polizist die Verarbeitung der vielen Erlebnisse, schreibt und sortiert Fotos und bereitet sein zweites Buch vor, knüpft in seiner Erzählung an die erste Reise quer durch die USA an, wo dann sein Burnout zum Aus führte. An jener Stelle, wo Widerin bei seine letzten Amerika-Reise vom Rad gefallen ist, stieg er heuer am 8. Juni wieder auf. „Ich habe mich genau an die Stelle bringen lassen, wo ich damals aufgegeben habe, und meine Reise fortgesetzt.“ Nach 66 Tagen ist Widerin am Ziel in Miami in Florida angekommen, am 12. August endete für Widerin das USA-Abenteuer. Sein neues Buch wird mitte nächsten Jahres im Delus Klasing-Verlag erscheinen. Darin erzählt Widerin von Strapazen und Erlebnissen

Psychische Herausforderung

Körperlich hat Widerin die Strapazen bestens überstanden, trotz 8 bis 10 Stunden pro Tag im Sattel hatte er keine Sitzprobleme. Nur psychisch wurde der Polizist auf eine harte Probe gestellt, am Beginn und gegen Ende der Reise: "Am Alaska Highway ging es nur bergauf und bergab, und wenn man den Horizont erreicht hat, wieder das gleiche Bild. Die Einsamkeit war schwer zu ertragen." Eine Belastung war auch die Hitze, einmal radelte er bei 47,5 °C: "In zwei Stunden habe ich 3 Liter getrunken. Irgendwann konnte ich kein Wasser mehr schlucken und trank nur mehr eiskaltes Cola und Red Bull aus der Thermosflasche."
Seine Reise wird nächstes Jahr als Buch erscheinen. Mit dem Schreiben hat er bereits begonnen: "Wenn ich mir die Fotos anschaue werde ich sofort wieder in die jeweilige Situation zurückversetzt."
Gefährliche Situationen gab es für Widerin etwa im Norden: 50 km von ihm entfernt wurde ein Ranger auf dem Rad von einem Bär angegriffen und getötet. Widerin begegnete jeden Tag Bären! Einmal blockierte ein Bär seinen Zeltausgang: "Da musste ich den Pfefferspray einsetzen, getroffen habe ich nicht, nur das zischende Geräusch hat ihn verjagt."
Gefahren gab es für Widerin auf den 7650 Kilometern nur noch durch Menschen: „Ich wurde immer wieder vor Kriminellen gewarnt. Besonders schlimm war es in New Orleans: Nach dem Sturm Katharina haben sich die sozialen Verhältnisse enorm verschlechtert, die Kriminalitätsrate ist gestiegen.“
Trotzdem gab es für den Seefelder überwiegend freundlichen Begegnungen: "Jeden Tag habe ich die Hilfsbereitschaft der Leute erfahren, das gibt es bei uns nicht. Einmal ist eine ältere Dame am Highway neben mir aus dem Auto ausgestiegen und hat mit 12 eineinhalb-Liter-Flaschen Wasser hingestellt." Widerin war oft Mittelpunkt in den winzigen Kneipen kleiner Orte. Einmal löste Widerin eine Schlägerei aus, als er seine Standardfrage stellte: "Wer wird Präsident?" Da gingen die Emotionen so hoch, dass es zu einer Schlägerei kam und die Polizei einschreiten musste. Dann erzäht Wilderin von freundlichen Indianern und Amish-People: „Die konnten nicht fassen, dass ich so weit mit dem Rad fahre. Sie wollten mir dann einen Esel schenken, bis ich klar gemacht habe, dass ich keinen Bedarf habe. Gerade Amerikaner, die jeden Meter mit dem Auto fahren, schüttelten nur den Kopf, als ich erklärte, wohin ich fahre und dass ich in Alaska Highway gestartet bin.“

Nächster Plan: Europa

Das "Kapitel" Amerika ist für Widerin nun abgeschlossen, nächstes Mal bleibt der Seefelder in Europa: "Ich denke schon über eine Europa-Umrundung nach, es sind auch nicht mehr wie 8000 Kilometer, meine Obergrenze." Erst in zwei Jahren soll es soweit sein, bis dahin will er sein neues Buch fertig bringen und präsentieren.

Fotos und Tagebuch auf meinbezirk.at (Webcode 1771755)
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