17.04.2016, 00:00 Uhr

Sprayer: Zwischen Schmiererei und Kunst

Hakenkreuze und Neonazi-Codes fanden sich am stillgelegten Bahnhof in Waidhofen. Eine Anzeige wegen Sachbeschädigung und Wiederbetätigung war die Folge.

Graffiti verursachen Schäden in Millionenhöhe. Doch es geht auch anders, wie professionelle Sprayer beweisen.

BEZIRK WAIDHOFEN. Früher sah man sie nur in Krimis aus New York, heute sind sie weit bis in die entlegendsten Gebiete vorgedrungen. Graffitis verursachen jährlich einen Schaden in Millionenhöhe. Die Sprayer hinterlassen ihre „Kunstwerke" und Unterschriften (Tags) an Hauswänden oder Brücken. Wir haben uns an die Fersen der Sprühdosen-Aktionisten im Bezirk Waidhofen geheftet, mit Behörden, Opfern und Tätern gesprochen.

Bahnhof schon mehrmals beschmiert

Seit der Stilllegung des Bahnhofes Waidhofen wurde das historische Gebäude bereits mehrmals beschmiert. Aufsehen erregte ein Fall von 2010, als Hakenkreuze und Neonazi-Codes auf die Fassade des historischen Gebäude gesprüht wurden. Damals wurde eine Anzeige wegen Sachbeschädigung und Wiederbetätigung erstattet und die Graffitis mussten aufwändig entfernt werden. Sprüh-Aktionen sind ein zunehmendes Problem. 2014 wurden im Bezirk zwei Fälle angezeigt, 2015 waren es fünf.

Der öffentlichen Hand entstehen dadurch hohe Schäden, vor allem da die Täter kaum gefasst werden können, wenn sie nicht auf frischer Tat ertappt werden. In der Bezirkshauptstadt fährt man eine Präventionsstrategie gegen Sprayer und diese scheint bei gemeindeeigenen Gebäuden zu funktionieren. "Wir versuchen Wände, die sich anbieten würden schon im Vorfeld so zu gestalten, dass sie für Schmierereien nicht mehr so attraktiv sind", erklärt Bürgermeister Robert Altschach. So werden Radwegunterführungen und Durchlässe vorbeugend von Schülern oder Profis bemalt. Die Idee: die Hemmschwelle für Sprayer soll höher werden. "Bis dato hat das ganz gut funktioniert, der Gemeinde entstehen so gut wie keine Kosten durch Graffiti".

Hauptberuflicher Sprayer

Roman "Mc Fly" Kainz ist professioneller Airbrush- und Graffiti-Künstler aus Groß Siegharts. Für Schmierereien hat er kein Verständnis: "Solche Leute bringen die ganze Szene in Verruf". Der 41-jährige lebt davon Graffitis und Airbrush-Bilder auf Hauswänden anzubringen. Aber nicht nur das: vom Tank eines Motorrads bis hin zum Lieferwagen verwirklicht McFly seit 15 Jahren die Kundenwünsche. "Da waren schon die unterschiedlichsten Sachen dabei. Vom Postkastl bis zum Klodeckel", lacht der 41-Jährige.

Aufwändige Kunst

Eine Hausmauer mit professionellem Graffiti und Airbrush zu gestalten dauert mehrere Tage. Sogar die öffentliche Hand war schon Kunde von Mc Fly. So durfte der Groß Sieghartser schon an mehreren Feuerwehrhäusern in der Steiermark, Nieder- und Oberösterreich Hand anlegen.

Mit Vorurteilen hat der Profi-Sprayer natürlich immer wieder zu kämpfen. "Viele Leute sind anfangs skeptisch. Das dauert aber immer nur, bis sie das Endergebnis sehen".

Zur Sache

Rechtlich gesehen kommen beim Sprayen Sachbeschädigung (§ 125 StGB) und schwere Sachbeschädigung (§ 126 StGB, ab 3000 Euro Schaden) zum Tragen. Es sind Strafen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren vorgesehen. Nicht zu vergessen sind auch die zivilrechtlichen Klagen der Geschädigten, die der Täter durch den hohen Schaden oft ein Leben lang nicht zurückzahlen kann. Wer, wie im Fall des Waidhofner Bahnhofes, Hakenkreuze oder andere verbotene Symbole an Wände sprüht macht sich darüber hinaus der Wiederbetätigung (§ 3 Verbotsgesetz) schuldig. Die Strafen reichen von einem bis zehn Jahren.
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