09.06.2016, 18:21 Uhr

Lichtenwörth - Industrie und Kultur erleben

Besuchergruppe mit Museumsdirektor Bachtrögl (Bild links)
„Industrielandschaften“ sind das exakte Gegenteil von Kulturlandschaften – wird behauptet. Niederösterreichs Industrieviertel spiegelt seit 270 Jahren den jeweiligen Zeitgeist wider und ist voller Überraschungen. Die Lichtenwörther „Nadelburg“ ist ein spannendes Beispiel für eine Abkehr von der „individuell“ ausgerichteten Produktionsform des Handwerks und der Neuorganisation mittels Mechanisierung und Automatisierung. Um 1750 konnte ein Arbeiter einer kleinen Manufaktur an einem Tag nur eine einzige Nähnadel fertigen. In der Nadelburg wurden die 18 verschiedenen Arbeitsgänge zur Herstellung einer Nadel halb durch Menschenhand und halb Maschinell gefertigt. So konnten pro Tag um die 48.000 Nähnadeln erzeugt werden – und dies in einer Zeit als es das Wort „Fabrik“ noch gar nicht gab. So schrieb man hier auf Niederösterreichischem Boden Industriegeschichte. Auch weis man von einer Fingerhutmaschine, die in Deutschland durch gezielte Werksspionage abgezeichnet und in Lichtenwörth nachgebaut wurde; ein sehr frühes Beispiel für den industriellen „Transfer“ von Know-how.

In der Nadelburg rauchen die Schlote schon lange nicht mehr, doch es gibt ein privates Museum direkt in der ehemaligen Arbeitersiedlung, das Nadelburgmuseum. Bei Robert Bachtrögl kann man sich ein Museum ansehen, welches mit viel Liebe zum Detail ausgestattet ist. Fotos und Schaustücke aus Nadelburger Produktion wurden bereits von Bachtrögls Großvater gesammelt, so entstand eine für private Verhältnisse riesige Sammlung österreichischer Industriegeschichte.

Gegen Voranmeldung kann man das Museum jederzeit besichtigen. Auch ein Rundgang durch das Areal ist möglich. Sehenswert ist vor allem das Adlertor, die barocke Fabrikskirche und der neu gestaltete Villateich.

Infos unter www.Nadelburgmuseum.at
oder www.facebook.com/nadelburgmuseum
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