Neues Buch
Zeitreise ins Wiener Vergnügen

Die Autoren Thomas Hofmann (li.) und Beppo Beyerl vor dem Hochstrahlbrunnen, der sich schon seit 23. Juni 1906 am Abend in einen buntes Lichtspektakel verwandelt.
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  • Die Autoren Thomas Hofmann (li.) und Beppo Beyerl vor dem Hochstrahlbrunnen, der sich schon seit 23. Juni 1906 am Abend in einen buntes Lichtspektakel verwandelt.
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Ob in der k. u. k. Zeit oder in der Ersten Republik: Spaß war in Wien schon immer der schönste Zeitvertreib.

WIEN. Wenn sich die beiden versierten Wienkenner und Erfolgsautoren Thomas Hofmann und Beppo Beyerl nach ihren beiden ersten gemeinsamen Büchern "Die Stadt von Gestern" und "Die Bim" diesmal den längst vergessenen Wiener Vergnügungen widmen, muss daraus eine höchste vergnügliche Zeitreise entstehen.

Ihre Entdeckungsreise führt dabei von der k. u. k. Monarchie bis in die junge erste Republik. "Wir sind auf eine unglaubliche Vielfalt an Veranstaltungen, Begebenheiten und Orten gestoßen, fernab von allem, was bisher bekannt war", erzählt Thomas Hofmann, Leiter von Bibliothek, Verlag und Archiv der Geologischen Bundesanstalt in Wien und Autor zahlreicher Publikationen zur Kulturgeschichte Wiens und Niederösterreichs. "Der Wiener Stadtlandschaft waren das Vergnügen und die Lust der Wiener und Wienerinnen – egal ob Adel, Bürgertum, oder das 'normale Volk' – an Spektakel und Sensationen an allen Ecken und Enden praktisch eingeschrieben", ergänzt Co-Autor Beppo Beyerl , Zentralmeidlinger, Wien-Fan und Verfasser zahlreiche Bücher und Reportagen über Wien und seine Bewohner.

Viel darf der Spaß nicht kosten

In Zeiten, als es weder ´"Event" noch "Locations" gab, genoss die Wiener Bevölkerung die Attraktionen des Praters und der Wienerwaldlandschaft. Dort war die "Hetz" eindeutig am billigsten und man konnte unbeschwert eine Auszeit vom Alltag nehmen. Man spazierte zu einer der Mitte des 19. Jahrhunderts erbauten Aussichtswarten – alle trugen übrigens einen kaiserlichen Namen – und genoss nicht nur den schönen Rundblick. Denn bespielsweise an der Stephaniewarte am Kahlenberg spielte regelmäßig die Hoch- und Deutschmeisterkapelle auf. Und danach ging es selbstverständlich zum Heurigen.

Im Lokal "Weigls' Dreherpark" in Meidling wurden Anfang des 20. Jahrhunderts die beliebten Veilchenfeste gefeiert
  • Im Lokal "Weigls' Dreherpark" in Meidling wurden Anfang des 20. Jahrhunderts die beliebten Veilchenfeste gefeiert
  • Foto: Styria Verlag
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In Meidling auf ein Schwechater

In Meidling erfreute sich "Weigl's Dreherpark" mit seinem riesigen Gastgarten, wo Schwechater Bier ausgeschenkt wurde, nicht nur bei den jährlichen "Veilchenfesten" großer Beliebtheit. An der Prater Hauptallee bestaunte das 'normale Volk' die vom Adel veranstalteten Rennen und den prachtvollen Blumencorso. Auch der Zirkus lockte zahlreiche Besucher. Allerdings ohne Zirkuszelt. Im Circus Busch mit seinem imposanten Bauwerk und der Kuppel fanden rund 2.600 Personen Platz. Auch in der Märzstraße 6-8 gab es bis 1922 einen fest gebauten Zirkus, den von Albert Schumann. Natürlich vergnügte man sich auch sportlich, zumindest beim Zusehen: Allen voran beim Fußball, aber auch Eislaufen am Heumarkt und beim Radsport, der im frühen 20. Jahrhundert  schnell die Herzen der Wiener eroberte. Letzterer war – aus Kostengründen – eher der bürgerlichen Bevölkerung vorbehalten.

Die Kuppel des 1892 eröffneten Circus Busch war über Jahrzehnte eines der Wahrzeichen des Praters. Hier fanden rund 2.600 Personen Platz.
  • Die Kuppel des 1892 eröffneten Circus Busch war über Jahrzehnte eines der Wahrzeichen des Praters. Hier fanden rund 2.600 Personen Platz.
  • Foto: Styria Verlag
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Dass auch "a schöne Leich" zum beliebten Zeitvertreib gehörte, ist nicht neu. Aber vielleicht, dass mit der Zeit die öffentlichen Hinrichtungen am Wienerberg als "morbides Spektakel" hinter den Gefängnismauern verschwanden, weil sie quasi schon Volksfestcharakter angenommen hatten. 

Imperiale Spektakel

Ein schönes Beispiel, wie Wasser und die neu eingeführte Elektrifizierung der Stadt prachtvoll inszeniert wurden, ist der Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz. In Betrieb genommen wurde er anlässlich der ersten Wiener Hochquellwasserleitung am 24. Oktober 1873, dem Jahr der Wiener Weltausstellung. Seit dem 23. Juni 1906 ist er bunt illuminiert, ein Spektakel zu dem es auch gut besuchte musikalische Darbietungen gab.

Der bunt illuminierte Leuchtbrunnen am Schwarzenbergplatz fasziniert seit mehr als 100 Jahren.
  • Der bunt illuminierte Leuchtbrunnen am Schwarzenbergplatz fasziniert seit mehr als 100 Jahren.
  • Foto: Styria Verlag
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Zum 70. Geburtstag des Kaisers am 18. August 1900  fand das größte Lichspektakel der k. u. k. Geschichte statt: Vom Schwarzenbergplatz bis zu den Hofmuseen glich der Ring einem einzigen Lichtermeer, alles war prächtig illuminiert. Zeitzeugen berichten, dass, um den reibungslosen Besuch der Menschenmassen zu gewährleisten, seitens der Polizei der gesamte öffentliche und private Fuhrwerksverkehr, inklusive der Radfahrer, eingestellt wurde.

Übrigens: Warum der Kaiser Brünnerstrassler getrunken hat und was es mit dem traditionellen Zwetschgenknödelessen auf sich hatte, erfährt man auch im Buch. Absolut lesenswert, nicht nur für Wien-Nostalgiker.

Zum Buch

"Wiener Vergnügungen. Die Stadt von gestern" von Thomas Hofmann und Beppo Beyerl ist im Styria Verlag erschienen. Es umfasst 240 Seiten und ist um 27 Euro im Buchhandel erhältlich.
Buchpräsentationen:
Dienstag, 12. November 2019, um 19 Uhr in der Buchhandlung Orlando (9., Liechtensteinstraße 17)
Donnerstag, 9. Jänner 2020, um 19 Uhr bei Thalia Wien Mitte (3., Landstraßer Hauptstraße 2A)

Autor:

Ulrike Kozeschnik-Schlick aus Alsergrund

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