Heißes Eisen: Bauen in Bad Vöslau
Interview mit Baustadtrat Harald Oissner

Gabriela Stockmann im Interview mit Baustadtrat Harald Oissner am "Hotspot" Hügelgasse
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Weil es immer wieder Kritik an den Bauvorhaben in der Stadt Bad Vöslau gibt, stellten wir Baustadtrat Harald Oissner einige Fragen, die zum Teil auch im Ort immer wieder gestellt werden.

BEZIRKSBLÄTTER: Es gibt in Bad Vöslau eine Menge große Wohnbauprojekte, die den Unmut der Anrainer auf sich ziehen. Oft lautet der Vorwurf, dass die Gemeinde die Interessen der Bauherren eher vertritt als der Anrainer. Siehe Hügelgasse, siehe Tremlhof, siehe Louisenvilla, siehe Hauptstraße 4 in Gainfarn, siehe Franz Prendingerstraße… Was sagen Sie dazu?

HARALD OISSNER: Grundsätzlich gilt, dass in der Stadtgemeinde Bad Vöslau vor vielen Jahren der Flächenwidmungsplan und der Bebauungsplan eingeführt wurden. Diese Instrumente regeln, wie welche Liegenschaft bebaubar ist und stellen somit die Rahmenbedingungen bzw. die Rechte und Pflichten aller Beteiligten dar und gelten sowohl für bereits vor Ort Wohnende als auch für neue Projektwerber. Jeder Anrainer war auch selbst einmal Bauherr. Die Stadtgemeinde Bad Vöslau bzw. deren Vertreter haben die Aufgabe, diese transparenten und jederzeit auch im Internet abrufbaren Rahmenbedingungen auf ihre Einhaltung hin bei jedem Projekt zu überprüfen. Neben diesen Rahmenbedingungen ist natürlich auch die Niederösterreichische Bauordnung bzw. Niederösterreichische Bautechnikverordnung für alle Projekte einzuhalten. Die Vertreter der Stadtgemeinde Bad Vöslau vertreten daher nicht die Interessen der neuen Bauwerber sondern sind als Behörde neutral.
Jedes Bauprojekt stellt immer ein Unikat dar, welches an bestimmte Bedingungen geknüpft ist. Außerdem stellt ein derartiges Projekt immer in irgendeiner Art und Weise eine Einschränkung der jeweiligen bereits vor Ort wohnenden Nachbarn dar, obwohl keine der oben genannten Bedingungen verletzt wurde. Tatsache ist, dass in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine Verdichtung stattgefunden hat, weil Bad Vöslau als Wohnstandort sehr attraktiv ist. Dieser Umstand hat ebenso zur Verteuerung der vorhandenen Grundstücke und zur Verknappung des zur Verfügung stehenden Raumes geführt.

Als journalistischer Beobachter hat man manchmal aber schon den Eindruck, dass die jeweiligen Bauprojekte überdimensional groß ausfallen, nachträglich werden bestehende Widmungen „verbessert“. Wäre weniger nicht mehr? Warum wird überall offenbar so viel herausgeholt wie möglich?

Wie Sie wissen, sind wir gerade dabei das Örtliche Raumordnungsprogramm zu überarbeiten. Eine Beschlussfassung im Gemeinderat hierfür ist für März 2019 geplant. Hier haben wir zum Ziel, dass wir in großflächigen Siedlungsgebieten die Widmung mit dem Zusatz „2 Wohneinheiten“ einführen, sodass hier sichergestellt wird, dass diese Siedlungs- und Einfamilienhausgebiete auch zukünftig in dieser Form erhalten bleiben. Es ist aber auch so, dass nicht jeder in der Lage ist, sich ein Grundstück für ein Einfamilienhaus zu leisten und dieses in weiterer Folge zu errichten. Wesentlich für Bad Vöslau ist, dass es hier eine soziale Durchmischung und eine geregelte weitere Entwicklung erfolgt. Hierfür ist auch das entsprechende Angebot zu gestalten. Es werden daher nicht bestehende Widmungen verbessert, sondern vielmehr werden differenziert und gezielt entsprechende Angebote für die weitere maßvolle Entwicklung unserer Stadt geschaffen.

Was bedeutet für Sie „Verdichtung“? Intensive Verbauung oder Verbauung im Konsens mit der Umgebung? Angesichts der gerade wieder aktuellen Klimaerwärmungs-Debatte ist oft auch von zunehmender Erhitzung des städtischen Raumes die Rede...

Städtische Verdichtung bedeutet, bestehende Widmungs- und Bebauungsressourcen im bereits bebauten Gebiet zu nutzen. Der Flächenwidungsplan und der Bebauungsplan orientieren sich an der Umgebung. Daher stellt diese Instrumentarien den Konsens dar. Für alle Maßnahmen, die wir hier besprechen, gilt, dass dies keine „Schwarz- oder Weiß-Entscheidungen“ sind, sondern hier Graustufen vorliegen. In jedem Fall ist die städtische Verdichtung positiv zu sehen, weil dadurch bereits eingesetzte (finanzielle) Ressourcen besser genutzt werden und Versorgungseinrichtungen auf kurzem Wege erreicht werden können. Alle Vorteile bringen natürlich auch den Nachteil der weiteren Versiegelung mit sich.

Bei den meisten Bauprojekten fehlt offenbar ein begleitendes Verkehrs- bzw. Stellplatzkonzept. Die ÖVP erhob in ihrer jüngsten Parteizeitung den Vorwurf, dass beim Tremlhof auf die vorgeschriebenen 1,5 Stellplätze für die Wohnungen verzichtet wurde. Statt dessen genügt 1 Stellplatz. Ist Bad Vöslau bald zugeparkt?

Zum Thema „Tremlhof“ muss man die Entwicklung des Projektes richtig darstellen: Die Stadtgemeinde Bad Vöslau war ursprünglich Eigentümerin dieser Liegenschaft und hat sich in weiterer Folge dazu entschieden, im Rahmen eines Bauträgerwettbewerbes die Liegenschaft an interessierte Bauträger zu einem bestimmten Preis zu veräußern. Hierfür hat sich die Stadtgemeinde nationale und internationale Fachexperten für die Bereiche Ökologie, Ökonomie und Architektur geholt. Bereits zu Projektbeginn wurde durch die Experten die Frage der Stellplätze, neben anderen Parametern, erörtert und festgelegt, dass hier auf Grund der sehr guten Lage im Zentrum auf die 1,5 Stellplätze pro Wohneinheit verzichtet werden kann und 1 Stellplatz pro Wohneinheit festgelegt werden soll. Hier als auch in weiterer Folge waren alle Parteien involviert und informiert.
Auch die Frage des „Zuparkens“ ist zu relativieren: Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass vielleicht nicht für Jede und Jeden ein Stellplatz unmittelbar vor dem gewünschten Ziel verfügbar ist. In Bad Vöslau ist in jedem Fall ein Stellplatz in max. 3 Minuten Gehentfernung vom gewünschten Ziel verfügbar.

Gerüchteweise ist von einem riesigen Wohnprojekt gleich neben dem Schloss Gainfarn die Rede. Ich habe gehört, hier sollen bis zu 90 Wohneinheiten in fünf Stadtvillen plus mehrgeschoßigem Parkhaus kommen, auch hier viel mehr als im Bebauungsplan vorgesehen. Wäre es angesichts des wachsenden Unmuts nicht sinnvoll, da und dort auf die Baubremse zu steigen?

Grundsätzlich gilt, dass auf Grund der Größe von Bad Vöslau immer auch verschiedene „Ideen“ im Gespräch sind. Wie lange es dauert, dass in weiterer Folge Projekte realisiert werden, sieht man sehr gut am Beispiel „Tremlhof“. Diese „Ideen“ sind auch oft Grund für Spekulationen, an welchen ich mich nicht beteiligen möchte.
Bad Vöslau hat im Vergleich zur Größe eine mehr als moderate Bautätigkeit. Ich stelle oft fest, dass nicht zwischen Ideen, Projekte und tatsächlichen Baustellen unterschieden wird.

Welche Vision haben Sie von der Stadt Bad Vöslau aus baulicher Sicht in zehn Jahren? Gibt es ein verbindliches Konzept, das über den Bebauungs- und Flächenwidmungsplan hinaus reicht?

Großes Ziel ist, dass die „Kurstadt“ Bad Vöslau mit Ihren drei Hauptthemen „Wasser, Wald und Wein“ gestärkt wird. Dies soll sich auch in den Bauprojekten widerspiegeln. Hier geht es darum, in allen Bereichen auf Qualität und Nachhaltigkeit zu setzen. Dahingehend überarbeiten wir gerade auch unser Örtliches Entwicklungskonzept, welches ebenso verbindlich wie der Flächenwidmungsplan und der Bebauungsplan ist. Hier sind die wesentlichen Entwicklungsparameter und Eckpunkte für die nächsten 15 Jahre festgelegt.

Wie sehr hängt das Vöslauer Verkehrsproblem mit der offensiven Bautätigkeit in der Stadt zusammen?

Wie bereits zuvor besprochen, halte ich die Bautätigkeit in Bad Vöslau gemessen an der Größe für mehr als moderat. Über die letzten Jahre und Jahrzehnte kann man feststellen, dass die Stadtgemeinde Bad Vöslau jährlich zwischen 80 und 140 Einwohner neu begrüßen durfte. An einer derartigen Steigerung wollen wir auch zukünftig festhalten, weil dies auch für die sinnvolle Auslastung unserer Kindergärten und Schulen notwendig ist.
Hinsichtlich des Verkehrs ist es sicher notwendig, dass jede oder jeder bei sich selbst nachzudenken beginnt und hinterfragt, ob tatsächlich jede Ausfahrt mit dem Auto notwendig ist. Tatsache ist aber auch, dass grundsätzlich der Individualverkehr noch immer stärker wird und daher dieser Umstand auch merkbar ist. Natürlich steht dies auch im Zusammenhang mit der Bautätigkeit.

Was hat die Gemeinde von der unübersehbaren Bautätigkeit?

Die Bautätigkeit in Bad Vöslau ist deshalb unübersehbar, weil mitten im Zentrum eine für Bad Vöslau wirklich sehr große Baustelle mit dem Tremlhof gegeben ist. Ansonsten sehe ich die „unübersehbare“ Bautätigkeit nicht. Wichtig ist aber, dass wir immer auch junge Menschen und Familien gewinnen, damit die soziale Durchmischung gegeben ist und unsere Investitionen in die Infrastruktur (Kindergärten, Schulen, etc.) auch entsprechend genützt werden.

Wie steht es um das Projekt Louisenvilla...sieht nach Funkstille aus?

Über das Projekt „Luisenvilla“ ist schon sehr viel berichtet worden. Ergebnis des vorgelagerten Verfahrens ist, dass hier ein sehr gutes Projekt auf dem Tisch liegt, dass jetzt auch umgesetzt werden soll. Die Projektwerberin ist gefordert, dass Projekt baubar zu gestalten und alle Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Dieser Prozess findet derzeit statt.
Dieses Projekt ist auch ein gutes Beispiel für alle Ideen und Projekte im Baubereich: Auf der einen Seite erläutern wir, ob dies nicht alles viel zu viel ist, auf der anderen Seite beklagen wir gleichzeitig, dass nichts passiert. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass Projekte in der Vorbereitung immer länger dauern und die Bauphase deutlich kürzer als die Vorbereitungsphase ist.

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