Brigittenau
Problemhaus in der Traisengasse

Traisengasse 17:  Von außen ein ganz gewöhnliches Haus. Im Inneren ist es sanierungsbedürftig, 40 von 50 Wohnungen stehen leer.
  • Traisengasse 17: Von außen ein ganz gewöhnliches Haus. Im Inneren ist es sanierungsbedürftig, 40 von 50 Wohnungen stehen leer.
  • hochgeladen von Kathrin Klemm

40 leere Wohnungen: Das sanierungsbedürftige Gebäude hat nur fünf Mieter, darunter eine Hausärztin.

BRIGITTENAU.  Seit fünf Jahren ist Beatrix Patzak mit Leidenschaft praktische Ärztin in der Traisengasse 17, doch fühlt sie sich nicht mehr wohl. "Hier schlafen oft Obdachlose", erzählt sie vor Ort. Im Haus wüsste man nie, wem man begegne. Auch bestehe Sanierungsbedarf, so Patzak. Die Situation wolle sie den täglich 100 bis 200 Patienten nicht mehr zumuten.

"Von rund 50 Wohnungen sind nur noch ein Eissalon, drei Mieter und ich übrig", so die Ärztin. Ein Großteil der Wohnungstüren ist mit Spanplatten verriegelt, in den Fluren hängen lose Kabel von den Wänden. Geht man die Flure entlang, so kann es passieren, dass dort scheinbar obdachlose Personen am Boden schlafen. "Sogar Matratzen lagen schon im Hausflur", erzählt die Ärztin und zeigt ein Handyfoto.

Seit drei Jahren

Während ihres Urlaubs hätte man in die Wohnung über der Ordination eingebrochen und die Wasserleitung demoliert, so Patzak. "Es gab einen massiven Wasserschaden und niemand hat etwas getan", erzählt sie. Seit drei Jahren käme es wiederholt zu Zwischenfällen im Haus. Doch dauere es lange, bis die Eigentümer handeln. Eben deshalb seien nach und nach Bewohner ausgezogen.

"Ich lasse mich nicht vertreiben", so die Medizinerin. Ein Umzug ist langwierig und teuer und das Grätzel braucht die Hausärztin. "Seit 33 Jahren gibt es die Ordination", weiß Naghme Kamaleyan-Schmied von der Ärztekammer, zuständig für alle Allgemeinmediziner in Wien und selbst praktische Ärztin. Dabei sei medizinische Versorgung in Wohnortnähe sehr wichtig. Unterstützt wird Patzak nicht nur von der Kammer, auch Ramona Deckenbacher, ÖVP-Bezirksobfrau, macht sich für die Brigittenauerin stark.

Vorwürfe zurückgewiesen

"Die Schuld geben die Hausbesitzer mir", ärgert sich Patzak. Denn Obdachlose würden durch den automatischen Türöffner der Ärztin ins Gebäude gelangen. Die Brigittenauerin glaubt, dass sich mittels Postschlüssel, den viele hätten, Zutritt zum Haus verschafft würde. "Wenn mir die Situation nicht passt, könne ich ja ausziehen, haben sie gesagt", gibt die Medizinerin die Worte der Eigentümer frei wieder.

"Wir müssen die unterbreiteten Vorwürfe auf das Entschiedenste zurückweisen", bezieht die Hausverwaltung Dr. Brandstetter GmbH Stellung. Es stimme nicht, dass Obdachlose das Haus nutzen, doch habe es wiederholt Materialdiebstähle durch organisierte Kriminalität gegeben. "Richtig ist, dass es vereinzelt aus diesen Kreisen zu illegalen Nächtigenden gekommen ist", so Peter Bogendorfer, Geschäftsführer der Hausverwaltung. Doch habe es sich um absolute Einzelfälle gehandelt. Mittlerweile ist nachts ein Wachdienst vor Ort, in letzter Zeit habe es keine derartigen Vorfälle mehr gegeben. "An der Situation hat sich nichts geändert", entgegnet Patzak.

Die Hausverwaltung bedauert das Unwohlbefinden und versichert, alles Erdenkliche zu tun, um möglichst rasch Besserung herbeizuführen. Es seien Pläne einer Totalsanierung des Hauses immer wieder überarbeitet worden, würden aber spätestens im Jahr 2020 umgesetzt.

Autor:

Kathrin Klemm aus Leopoldstadt

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