Interview in Döbling
Vienna-Coach Zellhofer zum Plan für die Saison 23/24
Ende Juli beginnt die neue Saison in der Admiral 2. Liga, schon eine Woche zuvor geht es für die Vienna im Cupspiel auswärts gegen den ASK Voitsberg mit der neuen Spielzeit los. Die BezirksZeitung hat Chefcoach Alexander Zellhofer zum Interview auf der Hohen Warte getroffen. Was hat man sich für die neue Spielzeit vorgenommen? Gibt es noch Nachholbedarf? Wo ist man gut aufgestellt? Und mit welcher Philosophie will man Erfolge erreichen?
WIEN/DÖBLING. Die Vienna hat die erste Saison in der Admiral 2. Liga auf Platz 7 beendet. Zurzeit bereitet man sich mit Testspielen auf den Ligastart am 28. Juli 2023 vor. Bereits eine Woche zuvor geht es in der ersten Runde des ÖFB-Cups auswärts gegen den ASK Voitsberg.
Die BezirksZeitung hat sich in der Naturarena Hohe Warte mit Cheftrainer Alexander Zellhofer getroffen. Er verrät im Interview, wie es um die Kampfmannschaft steht, wo die Reise für die Vienna diese Saison hingehen soll und wo vielleicht noch Nachbesserungen nötig sind.
Vorbereitungen laufen
Alex, lass uns kurz nochmal zurückschauen. Platz 7 in der Premierensaison in der Admiral 2. Liga. Wie zufrieden bist du mit dem Ergebnis?
ALEXANDER ZELLHOFER: Im Großen und Ganzen sind wir alle recht zufrieden mit der abgelaufenen Saison. Wir waren im Herbst richtig gut unterwegs, sind super reingestartet. Auch aufgrund der Unterstützung unserer Fans, wir haben die Euphorie mitgenommen. Wir waren der beste Aufsteiger in den letzten acht Jahren, was schon beeindruckend war. Das hat uns vielleicht der eine oder andere auch nicht so zugetraut. Im Frühjahr haben wir dann vielen jungen Spielern die Plattform gegeben, um sich zu präsentieren - auch jetzt für die neue Saison. Auch die haben es über weite Strecken sehr gut gemacht. Unter'm Strich ist der siebte Platz herausgekommen, womit wir ganz zufrieden sein können.
- Trainer Alexander Zellhofer stand der BezirksZeitung in der Heimstätte der Vienna Rede und Antwort.
- Foto: Max Spitzauer
- hochgeladen von Johannes Reiterits
Bei unserem letzten Gespräch in der Winterpause nanntest du als Saisonziel einen Platz im oberen Drittel bzw. im besseren Mittelfeld. Das habt ihr erreicht. Voll zufrieden also?
Definitiv. Das Ziel vom Verein war es, so schnell wie möglich nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Das wir einfach irgendwo im Mittelfeld der Tabelle aufschlagen, eine solide Saison spielen und uns richtig gut etablieren. Und ich glaube, dass uns das richtig gut gelungen ist.
Die Vorbereitungen für die kommende Spielzeit laufen bereits. Die ersten Testspiele sind recht gut verlaufen, die Vienna war auch im Trainingslager in Schladming. Was für ein Gefühl hast du, wie läuft die Saison-Vorbereitung bis dato?
Die Vorbereitung läuft recht gut. Sie ist natürlich sehr intensiv, aber die Jungs ziehen alle voll mit. Wir haben auch einen größeren Umbruch, in dem wir mitten drinnen stecken - wenn man so will. Nichts desto trotz haben die Jungs immer Gas gegeben und versuchen sich von Tag zu Tag weiter zu entwickeln. Das ist mir persönlich ganz wichtig. Da sieht man dann auch, dass wir trotzdem richtig hart gearbeitet haben. Man merkt aber schon, dass die Freude auf die ersten Pflichtspiele immer größer wird. Von dem her bin ich recht zufrieden.
Defensiver Beton, Offensiv braucht es mehr
Fünf Neuzugänge hat es bis dato gegeben. Vor allem im defensiven Bereich: Marvin Schuster (ehem. VfB Stuttgart II), Jürgen Bauer (ehem. SV Horn), Christopher Giuliani (ehem. Kapfenberg SV) und Anes Omerovic (ehem. FC Vaduz). Sind die Neuen mental schon bei der Vienna angekommen und trainieren mit euch?
Wir haben da auch das Trainingslager in Schladming optimal genützt. Ist natürlich auch eine super Sache für uns gewesen, damit wir die neuen Spieler gleich richtig gut integrieren können. Wir haben dort im Sporthotel Royer ideale Bedingungen vorgefunden. Kurt Svoboda mit der Uniqa (Anm. Red.: Vienna-Präsident und Uniqa-Vorstandsmitglied) hat uns da ein super Trainingslager zur Verfügung gestellt. Es war auch wichtig für den Teamgeist, dass wir die Jungs da gleich mit ins Boot holen. Die Mannschaft zeichnet sich ja durch einen hervorragenden Charakter und eine Siegermentalität aus. Und an der haben wir auch in Schladming wieder gebastelt. Ich freue mich aber auch darauf, wenn der ein oder andere dazukommt und wir diesen dann auch gut integrieren. Aber ansonsten bin ich doch sehr positiv gestimmt.
Jetzt hast du es schon angesprochen: "Wenn der eine oder andere hinzukommt". Defensiv hat man jetzt mit den Neuen Beton angerührt, wenn man es so formulieren will. Von den fünf Neuzugängen waren vier für hinten. Für vorne wurde jetzt bekannt, das Christoph Monschein (ehem. SV Ried) als Stürmer kommt. Man muss dazu sagen, dass die Vienna die Mannschaft die zweitwenigsten Toren in der letzten Saison erzielte. Braucht es da nicht noch eine Offensivkraft?
Definitiv. Ich denke, wir haben derzeit fast auf allen Positionen einen Umbruch vorgenommen, aus verschiedensten Gründen natürlich. Wir haben auch die Vereinsphilosophie ein bisschen in diese Richtung angepasst. Man will sich neu ausrichten für die nächsten ein-zwei Jahre, damit man die doch hochgesteckten Ziele auch erreichen kann. Von dem her sind wir doch tagtäglich damit beschäftigt, die Augen offen zu halten und die richtigen Spieler zur Vienna hinzu zu bekommen. Ich denke aber auch, dass wir unseren Job in der Vergangenheit immer erledigt haben. Und dass es uns immer wichtig war, die richtigen Spieler zu bekommen. Es ist jetzt nicht so, dass wir raus gehen und sagen: "Alles was bei Drei nicht am Baum ist wollen wir verpflichten." Wichtig ist, dass neue Spieler vom Charakter und der Spielanlage zu uns passen. Und dass sie auch die Werte der Vienna vertreten. Ich denke, es ist ganz wichtig, dass sich die Spieler mit dem Verein identifizieren, wenn sie zu uns kommen. Es ist etwas ganz besonderes, wenn man für die Vienna spielen darf.
- Im Gespräch mit der BezirksZeitung lässt Alexander Zellhofer auch durchblicken, dass er die Offensive personell gerne weiter verstärken möchte.
- Foto: Max Spitzauer
- hochgeladen von Johannes Reiterits
Euer Sportdirektor Andreas Ivanschitz hat bei einem Termin im Frühjahr erwähnt, es geht darum jetzt die richtige Philosophie zu finden. Hat man diese jetzt gefunden - oder was ist überhaupt diese vielzitierte Philosophie der Vienna?
Ich denke, im Fußball wird allgemein ein bisschen zu viel philosophiert, wenn man so will. Es geht um eine Grundspielidee, wie man das Spiel anlegen will. Welche Handlungsempfehlungen man den Spielern mitgeben will, damit sie das Bestmögliche auf den Platz bringen. Und ihre Qualität auch am Platz zeigen können. Das ist für mich immer das Wichtigste. Der Verein arbeitet da schon viele Jahre sehr intensiv daran. Auch im Nachwuchs zieht sich das durch. Von dem her sind wir da einen Schritt weiter. Aber: Der Fußball ist ein Tagesgeschäft, da gibt es verschiedenste Entwicklungen. Es ist ja nicht so, dass man das Buch der Weisheit hat. Ich glaube, man muss mit der Zeit gehen. Mann muss erkennen, was in den einzelnen Phasen gefordert wird. Man hat das auch bei Blau Weiß Linz (Anm. Red.: Aufsteiger Saison 2022/23) gesehen. Die sind zwischendurch ein bisschen gestrudelt und im Enddefekt haben sie sich mit ihrem klaren Plan verdient durchgesetzt. Und eben so wollen wir es auch anlegen: Wir haben eine klare Idee, was wir tun wollen. Und jetzt brauchen wir noch die richtigen Spieler dafür - und dann schauen wir, dass wir einen Schritt weiter sind.
- Alexander Zellhofer begleitete die Vienna schon beim Aufstieg aus der Regionalliga Ost in die Admiral 2. Liga. Hier Bild aus der Saison 2021/22.
- Foto: Max Spitzauer
- hochgeladen von Johannes Reiterits
Saisonziele und Titelkandidat
Ligastart ist am 28. Juli. Ihr beginnt auswärts beim Aufsteiger Schwarz Weiß Bregenz. Wo soll es heuer, nach Platz 7 in der letzten Saison, für die Vienna in der Tabelle hingehen ?
Wir sind mit dem gesteckten Ziel vom letzten Jahr denke ich recht gut gefahren. Wir haben gesagt, wir wollen uns einmal etablieren. Das zweite Jahr ist bekanntlich immer eines der schwierigsten, auch die Vienna hat das in der Vergangenheit immer wieder schmerzlich erfahren müssen. Von da her wäre es für uns schonmal top, wenn wir diesen Platz bestätigen könnten. Natürlich ist der Anspruch in der oberen Hälfte oder im ersten Drittel mitzuspielen. Aber wie gesagt, wir haben einen großen Umbruch gerade. Da braucht man auch etwas Zeit und Geduld. Und diese Zeit muss man den Jungs auch am Platz geben, um sich weiterzuentwickeln. Man muss den jungen Spielern auch die Chance geben, sich vorm Publikum zu beweisen. Wenn wir nächste Saison im oberen Drittel dabei sind, wäre das für die Vienna schon ein richtig gutes Zeichen.
- Zellhofer möchte den 7. Platz aus der vorigen Saison bestätigen. Ein Ergebnis im oberen Drittel der Tabelle zu Saisonschluss wäre der Optimalfall.
- Foto: Max Spitzauer
- hochgeladen von Johannes Reiterits
Du sprichst von einer alten Fußballweisheit: "Die zweite Saison ist die schwierigste". Liegt das auch daran, dass der Überraschungseffekt des Aufsteigers weg ist? Gerade im Herbst vergangenen Jahres habt ihr richtig gute Ergebnisse erzielt. Oder kann man von diesem Überraschungseffekt noch etwas zehren?
Der Überraschungseffekt des Aufsteigers ist sicher nicht mehr gegeben. Das haben vielleicht jetzt auch andere Vereine, wie etwa Schwarz Weiß Bregenz (Anm. Red.: neuer Aufsteiger in die 2. Liga). Aber unterm Strich weiß man auch, wenn man bei der Vienna ist, was es bedeutet für den Verein aktiv zu sein. Da hat man immer einen gewissen Druck. Aber das ist ja auch etwas Schönes. Ich glaube, wir haben das die letzten Jahre immer richtig, richtig gut gemacht und haben immer geliefert. Und ich denke, dass wir auch dieses Jahr wieder liefern werden. Vor allem, wenn wir die Fans mit ins Boot holen können. Wenn man sich das nochmal vor Augen führt, was wir phasenweise für eine Kulisse in der Naturarena hatten, wie die Fans mitgegangen sind... Wie wir auch gezeigt haben, dass wir die großen Mannschaften in der Liga ärgern können. Von dem her wäre das auch schon mein Wunsch, dass wir hier auf der Hohen Warte wieder zahlreiche Zuschauer haben, die uns tatkräftig unterstützen. Und uns natürlich auch die Stange halten, wenn mal ein-zwei Partien dabei sind, die nicht so gut sind.
Neu aufgestiegen in die Admiral 2. Liga sind Schwarz Weiß Bregenz, SV Stripfing sowie DSV Leoben. Von der Bundesliga herunter gekommen ist SV Ried. Wer wird heuer die härteste Nuss, die es zu knacken gilt? Und ein Blick in die Kristallkugel: Wer ist heuer Titelfavorit?
Ich glaube allgemein, nicht nur von den Aufsteigern her, ist die ein oder andere harte Nuss dabei. Die Liga wird wieder sehr, sehr ausgeglichen sein. Es wird erneut sehr viele Mannschaften auf Augenhöhe geben. So wie in der letzten Saison, das war aber auch das Spannende in der Admiral 2. Liga. Da waren sehr viele enge Spiele dabei, das werde ich auch diese Saison wieder erwarten. Ich denke aber auch, dass ganz vorne weg wieder ein-zwei Mannschaften wegmarschieren werden. Nachdem ich letztes Jahr mit meinem Titel-Tipp für Blau Weiß Linz richtig gelegen bin, lege ich mich dieses Jahr auf den SKN St. Pölten fest. Dort ist jetzt mit Tino Wawra ein guter Freund von mir neuer Sportdirektor, nachdem er letztes Jahr bei Blau Weiß Linz diese Funktion inne hatte. Ich denke schon, dass der weiß, wie es geht und es am Ende auch schaffen wird, das Double aus seiner Sicht zu holen und mit St. Pölten aufsteigen wird.
- Nicht nur als Trainer, auch als Titel-Orakel hat sich Zellhofer schon bewiesen. Beim letzten Interview mit der BezirksZeitung in der Winterpause sah er Blau Weiß Linz als heißesten Kandidaten für die Meisterschaft. Er sollte recht behalten. Nun tippt er auf St. Pölten.
- Foto: Max Spitzauer
- hochgeladen von Benjamin Reischl
Eine Woche vor Ligastart ist auch der Auftakt im Uniqa ÖFB-Cup. Hier geht es auswärts gegen ASK Voitsberg. Hat die Vienna im Pokal heuer Ambitionen, nachdem vergangenes Jahr bereits in Runde 1 Schluss für euch war?
Wie hatten vor zwei Jahren eine richtig gute Cupsaison, als wir noch in der Wiener Liga unterwegs gewesen sind und für Furore gesorgt haben. Danach lief es ein bisschen unglücklich in der Corona-Zeit. Mit dem Ausscheiden gegen Kapfenberg und auch letztes Jahr gegen Siegendorf. Da waren wir wirklich nicht von Glück verfolgt, wenn man es so sehen will. Ich hatte dafür das große Glück beim Uniqa ÖFB-Cupfinale in Klagenfurt dabei zu sein. Unser Präsident Kurt Svoboda, der ja gleichzeitig mit der Uniqa auch Schirmher dieses Pokals ist, meinte dann schon zu mir: "Du Zelli, es wäre nicht schlecht, wenn wir die erste Runde überstehen würden beim nächstem mal." So gesehen nehmen wir uns das auch als Ziel. Wir fahren nach Voitsberg gegen einen guten Gegner, wollen dort natürlich auch bestehen und in die zweite Runde einziehen. Das ist ganz klar.
Weitere Themen:
Link einfügen
Video einbetten
Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.
Karte einbetten
Social-Media Link einfügen
Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.
Code einbetten
Beitrag oder Bildergalerie einbetten
Foto des Tages einbetten
Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten
Du möchtest selbst beitragen?
Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.
Hier gehts zu den aktuellen
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.