Asbest im Burgenland
Wie geht es mit den Steinbrüchen im Burgenland weiter?
- Die Steinbrüche rund um Wimpassing an der Leitha arbeiten weiterhin im regulären Betrieb.
- Foto: Schraufstädter Steinbruch
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Vor rund vier Monaten wurden im Südburgenland vier Steinbrüche wegen Asbestvorkommen behördlich geschlossen. In den betroffenen Betrieben verloren seither rund 40 Mitarbeiter ihre Jobs, der wirtschaftliche Schaden sei laut Betreibern erheblich. Während der Süden damit massiv unter Druck steht, bleibt die Situation in den Steinbrüchen im Nordburgenland stabil.
BURGENLAND. Die Steinbrücheim Nordburgenland sind von der Asbest-Causa kaum betroffen. Sowohl bei Josef Fröstl als auch bei Schraufstädter in Wimpassing an der Leitha wird weiterhin Gestein abgebaut. „Alle fünf Jahre wird unser Steinbruch betographisch geprüft. Die letzte Prüfung wurde im vergangenen Jahr durchgeführt und es wurde keine Beanstandung festgestellt", berichtet Judith Schraufstädter. Der entscheidende Unterschied liege im Gestein selbst – nicht jedes Material setze Asbest frei. Auch wirtschaftlich bleiben die Auswirkungen überschaubar: „Wir liegen an der Grenze zu Niederösterreich und sind geografisch weit von den geschlossenen Steinbrüchen im Südburgenland entfernt. Aus diesem Grund haben sich unsere Aufträge kaum verändert", erklärt Schraufstädter.
Der Abbau in Wimpassing erfolgt nach klassischen Verfahren: „In unserem Steinbruch werden Anfangs Löscher bis zu zehn Meter Tiefe gebohrt. Anschließend werden die Gesteine durch kontrollierten Explosionen herausgebrochen und gesiebt", so die Schraufstädter. Rund 150.000 Tonnen Schotter- und Erdmaterial werden jährlich in dem Steinbruch gewonnen – vor allem für den Straßen- und Wegebau.
Betreiber im Süden gehen in die Offensive
Während im Norden weitgehend Normalbetrieb herrscht, formiert sich im Süden Widerstand: Die betroffenen Unternehmen haben sich zur ARGE Naturgestein zusammengeschlossen und üben scharfe Kritik an Greenpeace. Die Probenahmen und Messungen seien nicht fachgerecht erfolgt, so der Vorwurf. Ziel bleibt die Wiederaufnahme des Betriebs, ein Probebetrieb wurde bereits beantragt.
- In Pilgersdorf gab es eine Begehung mit Vertretern der ARGE Naturgestein - auch aus dem Bezirk Oberwart.
- Foto: MeinBezirk/Victoria Rosenberger
- hochgeladen von Michael Strini
Im Zentrum des Konflikts steht die Frage, wie gefährlich natürlich vorkommender Asbest in Gestein tatsächlich ist. Laut dem Aachener Experten Martin Kirschbaum sei das bloße Vorkommen des Minerals nicht gleichbedeutend mit einer Gesundheitsgefahr. „Gefährlich sind insbesondere die sogenannten WHO-Fasern: dünne, lange, lungengängige Fasern, die bei intensiver mechanischer Bearbeitung entstehen und eingeatmet werden können.“ Entscheidend sei daher nicht der Nachweis von Asbestmineralen, sondern die tatsächliche Belastung der Luft.
Vorwürfe gegen Greenpeace
Kirschbaum übt zudem scharfe Kritik an der Methodik von Greenpeace. Die Vorwürfe würden sich ausschließlich auf eigene, nicht transparent geplante Probenahmen stützen. Auch die angewandte VDI-Richtlinie sei für Naturgestein „nur bedingt oder gar nicht geeignet“. Besonders problematisch sei die Auswahl der Proben: „Es entsteht der Eindruck unsystematischer, punktueller Entnahmen an Orten, die sich vor allem zur medialen Darstellung eignen.“ Die Forderungen von Greenpeace – insbesondere die Schließung von Steinbrüchen und Sperrungen von Flächen – würden voraussetzen, dass eine schwerwiegende, normübersteigende Gefährdungslage fachlich zweifelsfrei belegt sei. „Eine solche Beleglage ist auf Basis der bisher publizierten Daten nicht gegeben“, so Kirschbaum.
Die Betreiber prüfen nun rechtliche Schritte. Sie warnen auch vor wirtschaftlichen Folgen: Durch die Stilllegung der Steinbrüche müssten Rohstoffe verstärkt per Lkw transportiert werden – mit mehr als drei Millionen zusätzlichen Kilometern jährlich. Gleichzeitig wachse die Sorge um Arbeitsplätze. „Meine Mitarbeiter haben Angst um ihren Job. Hier wird auf dem Rücken der Menschen billige Polemik gemacht“, sagt ein Betriebsvertreter.
Greenpeace weist Vorwürfe zurück
Greenpeace weist die Vorwürfe hingegen entschieden zurück. „Die nach wissenschaftlichen Standards gezogenen Greenpeace-Proben zeigen brüchige Asbestfasern an stark strapazierten Oberflächen. Klarerweise landen hier krebserregende Asbestfasern in der Luft. Die Steinbruchbetreiber müssen zur Kenntnis nehmen, dass das Geschäftsmodell Asbestschotter keine Zukunft hat. Eine Wiedereröffnung der Steinbrüche ist aufgrund der Asbestfaserbelastung undenkbar“, so Greenpeace-Umweltchemiker Herwig Schuster.
Politische Spannungen
Auch politisch sorgt die Causa für Spannungen. Greenpeace kritisiert, dass Burgenland und Steiermark zu wenig unternehmen: „Die Landesregierungen handeln bisher kaum und reden das Problem klein.“ Während Niederösterreich viele Fälle bereits saniert habe, bestehe andernorts weiter Handlungsbedarf. Die Behörden widersprechen. In der Steiermark sei „keine Gefahr im Verzug“ festgestellt worden. Im Burgenland wiederum kam eine Taskforce zu dem Ergebnis, dass die gemessenen Asbestfaser-Konzentrationen „in der üblichen Schwankungsbreite“ liegen. Einigkeit besteht jedoch in einem Punkt: Es fehlt an klaren gesetzlichen Vorgaben. Sowohl Greenpeace als auch die Politik fordern bundesweit verbindliche Grenzwerte für natürlich vorkommenden Asbest.
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