01.02.2012, 03:00 Uhr

Eine neue Chance für Kärntens Bergdörfer

Rundfahrt in der Stadt: Jana Revedin auf einem Eselskarren in Kairo (Foto: KK)

Neue Möglichkeiten für die Entwicklung von Städten ortet Jana Revedin. Sie setzt auf „Selbstentwicklung“.

„In der Architektur kann man Nachhaltigkeit gut definieren“, ist die Kärntner Architektin Jana Revedin überzeugt. Vor 20 Jahren habe man etwa Städte mit der Prämisse geplant, dass man eines Tages wieder alles dem Erdboden gleich macht. „Jetzt müssen wir neu denken“, ist sie überzeugt.
Revedin – sie unterrichtet an einer schwedischen Universität – begleitet ein entsprechendes Projekt in der ägyptischen Hauptstadt Kairo (siehe Infobox). Das Konzept – so ist die Villacherin überzeugt – hat auch für Kärnten Bedeutung.

Prozesse gegen Zersiedelung
„Der urbane Raum ist nachhaltig – da ist alles schon da“, so Revedin. „Die Stadt bietet Arbeit und soziale Vernetzung.“ Randgemeinden – auch in Kärnten – kämpfen hingegen ums Überleben. „Wir müssen das Problem der Überalterung lösen und Prozesse gegen die Zersiedelung einleiten.“
Revedin hat eine klare Vorstellung: „Lebensräume entwickeln sich nach den Bedürfnisse ihrer Bewohner.“ Das sei auch am Land möglich. Notwendige Voraussetzung: Architekten und Planer fühlen sich in die Lebenssituation der Bewohner von Orten hinein. „Dafür braucht man keine Technokraten, sondern kreative Köpfe, die nach den Erwartungen fragen“, ist Revedin überzeugt.

„Neues“ Leben im Bergdorf
Laut Revedin gebe es Menschen, die ein Leben im Bergdorf ohne Infrastruktur wählen würden – „sie kann man bündeln“. – „Ein Schriftsteller kann sich zurückziehen; in Schreibpausen macht er Heu“, nennt sie ein Beispiel. Ältere Menschen könne man in das Dorfleben einbinden – „wenn man Gemeinschaftsgefühl und Familie wieder stärkt.“
Klar ist für Revedin: „In 20 Jahren wird Europa anders aussehen als heute – im Osten Deutschlands gibt es bereits heute Geisterorte.“


Zur Sache - Projekt:
Architektin Jana Revedin begleitet mit 50 Studenten Stadtentwicklung in Kairo.

Für Nachhaltigkeit entwickeln angesiedelte Kopten ihren Lebensraum selbst.

60.000 Menschen leben in diesem Stadtteil. 200.000 Menschen finden Arbeit in der Kreislaufwirtschaft der Stadt.


Autor: Gerd Leitner
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Rita Buchacher aus Hermagor | 03.02.2012 | 11:25   Melden
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