Zwischen Pumpenböcken, Gasfunden und Energiewende
Unterwegs im Dallas von Niederösterreich
- Wer durch Gänserndorf fährt, sieht zahlreiche Pumpenblöcke.
- Foto: Claudia Bräuer
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Die OMV ist seit Jahrzehnten eng mit der Region Gänserndorf verbunden. Rund 1.000 Sonden werden in Niederösterreich betrieben, dazu kommen große Investitionen in neue Gasprojekte, moderne Fördertechnologien und erneuerbare Energie. Henrik Mosser, Geschäftsführer der OMV Austria Exploration & Production GmbH, spricht über die Bedeutung der heimischen Öl- und Gasförderung, den Gasfund Wittau und die Zukunft der Energie.
BEZIRK. Wer durch den Bezirk Gänserndorf fährt, kennt sie: die Pumpenböcke, die vielerorts an die lange Geschichte der Erdölförderung erinnern. Was auf den ersten Blick wie ein kleiner „Bohrturm“ aussieht, bzw. umgangssprachlich so bezeichnet wird, ist allerdings keine Bohranlage. „Eine Bohranlage braucht man nur, wenn eine neue Bohrung abgeteuft wird. Ist die Bohrung fertig, bleibt bei einer Ölsonde der Pumpenbock übrig, bei einer Gassonde gibt es nur einen Sondenabschluss“, erklärt Henrik Mosser.
Insgesamt betreibt die OMV in Österreich rund 1.000 Sonden. Im Jahr 2025 wurden auf einer Fläche von mehr als 3.800 Quadratkilometern rund 15.400 Barrel Öläquivalent pro Tag produziert. Damit leistet die OMV einen Beitrag zur heimischen Energieversorgung.
Gas gewinnt an Bedeutung
Während die Erdölproduktion aus den reifen Feldern naturgemäß zurückgeht, richtet sich der Fokus zunehmend auf Erdgas. „Wir wollen in Zukunft den Anteil der Gasproduktion erhöhen, weil Gas eine wichtige Rolle für Europa und Österreich spielen wird – als Partner der erneuerbaren Energien“, sagt Mosser.
Denn Wind- und Solarenergie unterliegen Schwankungen. Gas kann diese ausgleichen und zudem gespeichert werden. Die OMV betreibt in Österreich zwei unterirdische Erdgasspeicher mit einer Gesamtkapazität von rund 2,3 Milliarden Kubikmetern. Das entspricht etwa einem Viertel des jährlichen österreichischen Erdgasverbrauchs.
„Der große Vorteil ist, dass wir heimisches Gas über kurze Wege zu den Kunden bringen und gleichzeitig speichern können. Das trägt zur Versorgungssicherheit bei“, so Mosser.
Wittau als Meilenstein
Eine besondere Bedeutung hat dabei der Gasfund Wittau. Die OMV entdeckte dort 2023 eine bedeutende Lagerstätte – nach Unternehmensangaben den größten Gasfund in Österreich seit rund 40 Jahren. Die Bohrungen reichen in eine Tiefe von rund 5.000 Metern.
„Das ist auch technologisch eine Meisterleistung, weil wir uns in einer sehr komplexen Geologie bewegen. Dabei hilft uns die Erfahrung aus 70 Jahren Öl- und Gasförderung und die große Datenbasis, die wir über die Jahrzehnte aufgebaut haben“, erklärt Mosser.
In einer ersten Phase sollen rund 11 Terawattstunden Gas erschlossen werden, insgesamt könnten bis zu 48 Terawattstunden förderbare Ressourcen vorhanden sein. Bei einem Vollausbau könnte die heimische Gasproduktion deutlich steigen. Derzeit deckt die OMV mit ihrer österreichischen Produktion rund sieben Prozent des heimischen Gasverbrauchs ab. „Mit Wittau können wir diesen Anteil verdoppeln “, sagt Mosser.
Für die Region bedeutet das auch Investitionen und Wertschöpfung. Rund 150 Millionen Euro investiert die OMV derzeit jährlich in Österreich. Für die weitere Entwicklung rund um Wittau sieht das Unternehmen zusätzliches Investitionspotenzial.
Innovation gegen den natürlichen Rückgang
Auch bei der Erdölförderung setzt die OMV auf moderne Technik. Mit zunehmendem Alter der Lagerstätten steigt der Wasseranteil, während die Ölmenge sinkt. „Man muss sehr viel Hirnschmalz und Innovation hineinstecken, damit man diese Felder trotzdem effizient und wirtschaftlich betreiben kann“, betont Mosser.
Unter anderem wurde die Wasseraufbereitung weiterentwickelt und kommt inzwischen ohne Chemikalien aus. Das Know-how aus Österreich ist auch international gefragt. „Partner aus Ländern wie Libyen oder Abu Dhabi kommen zu uns, um sich anzuschauen, wie wir unsere Felder effizient betreiben.“
Gänserndorf als Technologiezentrum
Eine wichtige Rolle spielt dabei das OMV-Versuchsgelände in Gänserndorf. Dort werden neue Verfahren und Technologien erprobt – etwa für Lagerstättenmodelle oder Maßnahmen zur Druckerhaltung. Das Wissen aus der heimischen Förderung wird anschließend auch in anderen Ländern eingesetzt.
Gleichzeitig hilft dieses Know-how bei neuen Geschäftsfeldern. „Die Technologien, die wir für die Öl- und Gasförderung brauchen, benötigen wir teilweise auch bei der Geothermie“, erklärt Mosser. Gemeinsam mit Partnern arbeitet die OMV daher auch an Projekten zur Nutzung von Erdwärme.
Weniger Emissionen, mehr Solarstrom
Trotz der weiteren Förderung fossiler Energieträger will die OMV ihre eigenen Emissionen reduzieren. „Wir reduzieren kontinuierlich unsere CO₂- und Methanemissionen durch hohe Standards und durch den Einsatz von Technologien mit niedrigem CO₂-Fußabdruck“, sagt Mosser.
Eine große Photovoltaikanlage liefert bereits rund 14,8 Gigawattstunden CO₂-neutralen Strom für die eigenen Produktionsanlagen. Ein weiteres Projekt soll die Emissionen deutlich senken: Bei einer Kompressorstation werden gasbetriebene durch elektrische Kompressoren ersetzt. „Bis 2028 können wir damit bis zu 70.000 Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen“, erklärt Mosser. Gleichzeitig sollen die neuen Anlagen leiser arbeiten.
Gute Zusammenarbeit mit der Region
Bei neuen Projekten sei die Zusammenarbeit mit Gemeinden, Grundeigentümern und Anrainern entscheidend. „Es ist uns wichtig, unsere Projekte immer im guten Einvernehmen mit der Region und den Grundeigentümern umzusetzen.“, betont Mosser. Transparenz spiele dabei eine wichtige Rolle. Bei Wittau wurden deshalb auch Bürgerinnen und Bürger zu Führungen eingeladen.
Rund 444 OMV-Mitarbeiter sind in der Region beschäftigt, zusätzlich kommen zahlreiche externe Auftragnehmer hinzu. Bei größeren Projekten können zeitweise mehrere hundert weitere Arbeitskräfte zum Einsatz kommen.
Und auch wenn die Pumpenböcke für viele Menschen längst zum Landschaftsbild gehören: Für immer bleiben sie nicht. „Wenn eine Sonde nicht mehr produziert, wird die Anlage entfernt und das Grundstück wieder rekultiviert“, erklärt Mosser. Teilweise werden bestehende Anlagen an andere Standorte übersiedelt. „Wir versuchen, vorhandene Ressourcen möglichst effizient weiterzuverwenden.“
Energie der Zukunft braucht einen Mix
Wie die Energieversorgung der Zukunft aussieht, ist für Mosser eine Frage des richtigen Mixes. „Für mich sind drei Dinge entscheidend: Nachhaltigkeit, Sicherheit und Leistbarkeit von Energie. Diese drei Punkte müssen gewährleistet sein.“
Dafür brauche es verschiedene Energieformen – von Wind und Sonne über Wasserkraft bis zu Gas, Geothermie und flüssigen Energieträgern. „Man sollte nicht alles auf ein Pferd setzen“, meint Mosser. Gleichzeitig müsse der CO₂-Fußabdruck weiter sinken.
Auch Öl werde seiner Einschätzung nach nicht von heute auf morgen verschwinden. Denn Erdöl wird nicht nur als Treibstoff verwendet, sondern ist auch Ausgangsstoff für zahlreiche Produkte. Parallel arbeitet die OMV an Kreislauflösungen wie dem chemischen Kunststoffrecycling, bei dem aus alten Kunststoffabfällen wieder verwertbare Rohstoffe gewonnen werden.
Für die Region bedeutet das: Die Pumpenböcke bleiben vorerst sichtbare Zeugen einer langen Industriegeschichte – während dahinter längst an den Technologien der nächsten Energieära gearbeitet wird.
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