10.04.2018, 15:24 Uhr

Ein Handschlag für Indien: Wie aus einem kleinen Wunsch eines Strasshofers ein großes Hilfsprojekt wurde

Hand in Hand: Österreicher für Menschen in Indien. Ein einzigartiges Projekt, das in 30 Jahren Tausend Menschen Hilfe gebracht hat.

STRASSHOF/INDIEN (up). Unglaublich viele Menschen auf einer kleinen Dorfstraße, auf der es scheinbar alles gibt, was man braucht und auch nicht: Obstberge, Blumengirlanden, Küchengeräte, vorort am Straßenrand handgeschmiedetes Werkzeug, gebrauchte Motorräder - mehr Schrott als Vehikel, Kühe, Katzen, Hunde, Hühner. Das alles gesäumt von schrill-bunten Werbeplakaten, allen Arten von Müll und unterlegt von einer Kakophonie aus Stimmen, Autohupen und Tamil-Film-Songs.

Der Westen ist weit weg

Das ist Pagandai Kootu Road. Nie davon gehört? Kein Wunder. Das Bauerndorf an einer Straßenkreuzung in Südindien, genauer gesagt in Tamil Nadu, zählt 500 oder 2000 Einwohner, so genau weiß das keiner, und liegt 300 Kilometer südlich der Hauptstadt Chennai - 6 (!) Autostunden - entfernt. Man findet wenig Infrastruktur und viel Bauernland. Lebensgrundlage sind Reis, Zuckerrohr, Mais, Erdnüssen, Hirse und Eukalyptus. Pagandai ist von Traditionen geprägt, Religion hat einen wichtigen Stellenwert, westliche Konsumgüter und Lebensweise sind bedeutungslos, Männer und Frauen arbeiten am Feld und Frauen generell den ganzen Tag - nicht zuletzt, weil ihre soziale Stellung unter jener der Männer liegt.

Mutter Teresa Hospital

Kein Ort, in den sich Touristen verirren, kein Platz für Europäer. Und dennoch ist Pagandai Kootu Road anders als viele Bauerndörfer Tamil Nadus. Zum einen ist es "Schulstadt". Ein Umstand, der morgens und abends, wenn etliche Kinder von drei bis 18 Jahren in Schuluniformen die Straßen bevölkern, nicht zu übersehen ist. Zum anderen erhebt sich ein Stück außerhalb des Dorfes, in der staubigen Steppe, ein großes, dreistöckiges Gebäude. Das Mutter Teresa Hospital.
Der Strasshofer Friedl Doschek war vor 30 Jahren durch Zufall in Südindien gelandet, wo er den Leiter eines Sozialprojekts kennenlernte: den indischen Priester Don Bosco. "Als unter ein Dokument eine offizielle Unterschrift zu setzen war, konnte ich es kaum glauben. Es gab absolut niemanden im Dorf, der auch nur seinen Namen schreiben konnte, es gab nur Analphabeten", erinnert sich Doschek.


Hilfe für Kinder, Witwen und die Ärmsten des Landes

Aus seiner Idee, über Patenschaften einigen Kindern Lesen und Schreiben beizubringen, entstand ein einzigartiges indisch-österreichisch-deutsches Sozialprojekt. Fast Tausend Patenkinder wurden und werden betreut, zwei Schulen und das Spital wurden in Pagandai gebaut. Und noch viele Pläne und viel Arbeit liegen vor den Projektträgern. Man plant ein Altersheim und ein Witwenhaus neben dem Spital (auch Witwen, in der indischen Gesellschaft massiv stigmatisiert, werden über Patenschaften unterstützt).
Don Bosco ist bewegt, wenn er Worte des Dankes sucht: "Ich danke jedem einzelnen Paten, jedem der uns jemals wie auch immer geholfen hat. Ohne unsere Freunde aus Österreich gäbe es keine Schule, keine jungen Ärztinnen, kein Bildung für die Ärmsten unseres Landes."
Vor wenigen Tagen erhielten Don Bosco und Doschek die lang ersehnte frohe Kunde: Das Spital bekam die staatliche Lizenz und darf ab sofort seinen offiziellen Betrieb aufnehmen.
Mehr zum Projekt und zu Patenschaften auf www.indien-hand-in-hand.at
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