07.08.2017, 14:51 Uhr

Bezirk Gänserndorf: Widerstand gegen Aus für Sonderschulen

Direktorin Alexandra Pawlinetz präferiert Vielfalt im Schulsystem. (Foto: privat)

Diskussion: Sonderschulen erhalten oder auflösen und alle Kinder gemeinsam unterrichten?

BEZIRK (up). „Inklusion“ lautet das neue Zauberwort – zumindest wenn es nach Bildungsministerin Sonja Hammerschmid geht. Der gemeinsame Unterricht aller Kinder – also auch jener mit besonderen Bedürfnissen und Behinderungen – soll bis 2020 die bisherigen Sonderschule ersetzen. Doch dagegen formiert sich Widerstand. Im Bezirk Gänserndorf ist die Zukunft von sechs Sonderschulen ungewiss.
Für die Sulzer Bürgermeisterin Angela Baumgartner, ÖVP-Spitzenkandidatin des Wahlkreises NÖ Ost bei der Nationalratswahl, ist eines klar: Die Sonderschulen müssen erhalten bleiben. "Jedes Kind hat besondere Bedürfnisse, auf die nirgendwo besser eingegangen werden kann als in den Schulen mit höchstqualifiziertem Personal", argumentiert sie. Ob in Ausnahmefällen Inklusion der bessere Weg wäre, bezweifelt sie. "Wer trifft darüber die Entscheidung? Die Pädagogen oder die Eltern?" Baumgartner ist überzeugt davon, dass weder Regelschüler noch Sonderschüler von Inklusion profitieren würden. "Man muss sich entscheiden: für alle das Gleiche oder für jeden das, was er braucht."


SPÖ ist für Sonderschul-Reduktion

SPÖ-Abgeordneter Rudolf Plessl schlägt ein differenziertes Modell vor: Die Anzahl der Sonderschulen solle reduziert, jene der gemischten Klassen erhöht werden. "Es geht nicht um Abschaffung, aber Inklusion stärkt in vielen Fällen die soziale Kompetenz der Schüler."


Wahlfreiheit für Eltern

"Groß-Enzersdorf ist Zentrum für Inklusion und Sonderpädagogik", informiert Alexandra Pawlinetz, Direktorin der Sonderschule Groß-Enzersdorf. Durch Expertise und Beratung können Kinder zum einen inklusiv, zum anderen in der Sonderschule unterrichtet werden. Die Wahl treffen die Eltern, 90 Prozent entscheiden sich für die Inklusion. "In der Sonderschule arbeiten wir in Kleinstgruppen, bieten individuelle Lernbetreuung, psychische Betreuung in schwierigen Lebenslagen und persönliche Förderpläne", erklärt Pawlinetz und plädiert für Vielfalt und Wahlmöglichkeit.

Alle Sonderschulen in Niederösterreich:
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